Atom-Geschäft der Essener Steag spaltet Grüne in Ruhr-Kommunen

Steag-Chef Joachim Rumstadt will an der Nuklear-Sparte des Unternehmens festhalten.
Steag-Chef Joachim Rumstadt will an der Nuklear-Sparte des Unternehmens festhalten.
Foto: WAZ FotoPool
Dass der Essener Energiekonzern Steag an seiner Nuklear-Sparte festhalten will, sorgt in den Revierstädten für Wirbel. Schließlich sind die Kommunen über die Stadtwerke an der Steag beteiligt. Bei den Grünen lösen die Steag-Pläne ein geteiltes Echo aus.

Essen/Bochum.. Die Frage, ob der Essener Energiekonzern Steag auch in Zukunft ein Atomgeschäft betreiben soll, spaltet die Grünen in NRW. Reiner Priggen, der Grünen-Fraktionschef im Landtag, fordert einen Abschied des Unternehmens vom Nuklear-Geschäft. Kommunalpolitiker der Grünen in Bochum und Oberhausen zeigen hingegen Verständnis für das Steag-Geschäftsmodell. Im vergangenen Jahr hatte ein Konsortium aus sieben Ruhrgebiets-Stadtwerken die Mehrheit bei der Steag übernommen.

„Es ist nicht Aufgabe von deutschen Stadtwerken, russische Atom-U-Boote zu zerlegen“, sagte Priggen im Gespräch mit dieser Zeitung. Daher führe längerfristig an einem Verkauf des Geschäftsbereichs an ein privates Unternehmen „kein Weg vorbei“.

Exzellente Ingenieursleistungen in der Nuklearsparte

Priggen reagierte damit auf die Ankündigung von Steag-Chef Joachim Rumstadt, die Atomsparte im Konzern behalten zu wollen. „In der Nuklearsparte bieten wir exzellente Ingenieursleistungen an, gerade für den Rückbau von atomaren Anlagen. Nach Fukushima haben wir dafür im Aufsichtsrat große Unterstützung bekommen“, so Rumstadt.

Per Ratsbeschluss hatten die Bochumer Grünen vor einem Jahr den Ausstieg der Steag aus dem Nuklear-Geschäft binnen zwölf Monaten gefordert, doch nun vollziehen sie eine Kehrtwende. „Wir relativieren unsere Position, dass die Steag ihre nukleare Beteiligung einstellen muss“, sagte der Bochumer Grünen-Fraktionschef Wolfgang Cordes.

Auch der Oberhausener Grünen-Fraktionschef Volker Wilke reagierte gelassen auf die Ankündigung der Steag: „Die Zerlegung von russischen Atom-U-Booten würde ich eher als friedenspolitische Maßnahme betrachten“, gab Wilke zu bedenken und fügte hinzu: „Einen qualifizierten Rückbau von Atomkraftwerken kann ich nur befürworten.“

Eine bindende Wirkung hätte der Bochumer Ratsbeschluss für den Steag-Konzern ohnehin nicht gehabt. Allerdings verfügt der Bochumer Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert über einen Sitz im Steag-Aufsichtsrat und kann entsprechend Einfluss nehmen.

Der Steag-Konzern hält auch einen Anteil am Atommüll-Zwischenlager Ahaus. Diese Beteiligung hat Steag-Chef Rumstadt mittlerweile auf den Prüfstand gestellt. Der Bochumer Grünen-Politiker Cordes zeigte sich mit Blick auf dieses Steag-Geschäft sicher: „Wir wissen, dass Steag aus Ahaus aussteigt.“

 
 

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