Arbeitnehmerverleih geht auch sozial verträglich

An Rhein und Ruhr.  Es war etwas ganz Neues, als vor 20 Jahren hierzulande Gewerkschaften, Arbeitgeber und kommunale Spitzenverbände eine gemeinnützige Gesellschaft für Leiharbeit ins Leben riefen. Ausgestattet mit rund elf Millionen Mark von Land und Bund, sollte die „Start NRW GmbH“ benachteiligten Gruppen wie Ungelernten und Langzeitarbeitslosen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern und den „Arbeitnehmerverleih sozialverträglicher machen“.

Das bundesweit einmalige Modell basiert auf Erfahrungen einer niederländischen Gesellschaft. Arbeitslose werden von einer der 22 Geschäftsstellen der Firma als Leiharbeiter zum üblichen Aufschlag vermittelt. Die „NRW Start“ zahlt aus den so erwirtschafteten Einkünften Tariflöhne und Sozialabgaben.

400 Auszubildende mit den Partnern

Was mit einer Anschubfinanzierung auf Kreditbasis anfing – das Geld wurde übrigens bis 2000 in voller Höhe zurückgeführt –, ist heute ein erfolgreiches Zeitarbeitsunternehmen: mit 26 Niederlassungen im ganzen Land. „Start“ beschäftigt aktuell rund 180 interne und knapp 2500 externe Mitarbeiter. Zudem bildet man aus: rund 400 Auszubildende sind es mit Partnern. „In den 20 Jahren sind uns die guten Ideen nicht ausgegangen, daher sind wir am Markt erfolgreich“, betont Wilhelm Oberste-Beulmann, Vorsitzender der Start-Geschäftsführung.

Das Unternehmen entwickelt etwa innovative Instrumente, mit denen Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen (vor allem solche mit Vermittlungshemmnissen) in den Arbeitsmarkt integriert werden können. „Wir wollen Menschen langfristig in Beschäftigung bringen“, so Oberste-Beulmann: „Dabei setzen wir auf kontinuierliche Qualifizierung und tarifliche Bezahlung der Zeitarbeitnehmer.“ Gewinne werden nicht ausgeschüttet. Sie fließen in Qualifizierungen, die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze und in die Gesundheitsförderung – oder eben in die Rücklagen, denn auch in Krisenzeiten gibt es keine Subventionen.

Seit Gründung hat Start im Mittel Jahr für Jahr 2000 Menschen einen Arbeitsplatz vermittelt und somit eine neue Lebensperspektive gebracht. Zudem setzte Start rund 40 000 Zeitarbeitskräfte in Betrieben ein: darunter rund 25 000, die zu den schwer vermittelbaren Zielgruppen des Arbeitsmarkts zählen. Mehr als 17 000 Beschäftigte unterschrieben direkt im Anschluss an ihre Beschäftigungszeit einen Arbeitsvertrag in einem Entleihbetrieb. Das ist eine hohe Vermittlungsquote.

Seit 2010 kann man sich bei Start berufsbegleitend auf eine Externenprüfung der IHK vorbereiten. Mit dem Abschluss ihrer Ausbildung zum Facharbeiter können die Mitarbeiter ihre persönliche Qualifizierung verbessern, ein höheres Lohnniveau erreichen und so ihre Übernahmechancen vergrößern. Die Kosten für dieses Qualifizierungsprojekt werden von Start übrigens vollständig übernommen. Mehr als 100 Mitarbeiter machten bisher von diesem Angebot Gebrauch.

Neu ist das Konzept zur Aktivierung von Langzeitarbeitslosen. Wichtigster Motivationsfaktor: Wer einsteigt, erhält eine Arbeitsplatzgarantie nach erfolgreicher Qualifizierung. Zuwanderer aus EU- und Drittländern könnten während des Anerkennungsverfahrens so zum Beispiel zu Krankenpflegern ausgebildet werden.

Der Ruf von Zeitarbeitsfirmen

Nicht zuletzt engagiert sich das Unternehmen in der „partnerschaftlichen Ausbildung“, die von Firmen wie Azubis gut angenommen wird. Seit Gründung wurden mehr als 1000 Jugendliche eingestellt: besonders solche mit eingeschränkten Vermittlungsperspektiven wie z.B. Hauptschüler, Menschen mit Migrationshintergrund und Altbewerber. NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider bezeichnet Start als „Vorbild für die Branche“. Die Zeiten, in denen Zeitarbeitsfirmen als Arbeitgeber zweiter Klasse angesehen worden sind, seien vorbei. M.L.

 
 

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