Arbeitnehmer wünschen sich die 30-Stunden-Woche

Laut IG Metall wünschen sich viele Arbeitnehmer eine 30-Stunden-Woche.
Laut IG Metall wünschen sich viele Arbeitnehmer eine 30-Stunden-Woche.
Foto: dpa
Die IG Metall will in der kommenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie über individuelle Arbeitszeitmodelle verhandeln. Bei der Beschäftigtenbefragung 2013 sei auffallend häufig der Wunsch nach leicht abgesenkten Arbeitszeiten von 30 Stunden geäußert worden.

Berlin. Die IG Metall will eine Diskussion über Vollzeitarbeit mit weniger Wochenstunden anstoßen. Neue Arbeitszeitmodelle wie die "reduzierte Vollzeit" würden in der Tarifrunde 2015 thematisiert, kündigte Gewerkschaftsvize Jörg Hofmann in der "Welt" vom Montag an. Die große Mehrheit der Arbeitnehmer würde einer Umfrage der IG Metall zufolge gern weniger arbeiten.

Fast drei Viertel der Beschäftigten arbeiten laut der Umfrage mehr als 35 Stunden in der Woche, die Hälfte arbeitet 40 Stunden oder mehr. Dabei sähen 45 Prozent eine 35-Stunden-Woche als ideal an, fast ein Viertel würde gerne weniger als 35 Stunden pro Woche arbeiten.

Zusätzlich wünschen sich viele Arbeitnehmer die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit vorübergehend senken zu können, um etwa mehr Zeit für die Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen zu haben. 78 Prozent sind der Ansicht, dass sich so Privatleben und Arbeit besser in Einklang bringen ließen. An der Umfrage beteiligten sich im vergangenen Jahr nach Angaben der IG Metall gut 500.000 Menschen, darunter etwa ein Drittel Nicht-Mitglieder.

Bundesfamilienministerium begrüßt Vorstoß der IG-Metall

Die Befragung zeige, dass die "Vereinbarkeit von Beruf und Leben" immer wichtiger werde, sagte Gewerkschaftsvize Hofmann der "Welt". Der Wunsch nach "reduzierter Vollzeit", etwa mit einer 30-Stunden-Woche, sei auffällig. "Wir brauchen eine neue Debatte über Arbeitszeit", folgerte Hofmann.

Wichtig sei, dass reduzierte Arbeitszeit nicht als Teilzeit, sondern weiterhin als Vollzeit gelte, sagte der Gewerkschafter. "Sonst wird es schwierig, wieder zur Vollzeit zurückzukehren." Ob dafür auch ein Lohnausgleich gefordert werden soll, sei noch offen, sagte Hofmann.

Eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums sagte in Berlin, der Vorstoß der IG-Metall sei zu begrüßen. Hier zeige sich, wie wichtig die Debatte über familienfreundliche Arbeitszeiten sei. Väter und Mütter wollten mehr Zeit für die Familie haben, aber auch im Beruf vorankommen.

Schwesig mit Vorschlag 32-Stunden-Woche gescheitert

Die Sprecherin verwies darauf, dass Ministerin Manuela Schwesig (SPD) bereits Gespräche mit der Wirtschaft, Arbeitgebern und Gewerkschaften über diese Frage angekündigt habe. Kürzlich hatte Schwesig eine staatlich geforderte 32-Stunden-Woche für Eltern vorgeschlagen, was jedoch nicht auf Zustimmung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stieß.

Der IG Metall geht es Hofmann zufolge nicht nur um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern auch um das Thema Weiterbildung. Vorstellbar seien etwa Modelle einer "echten und geblockten Teilzeit", sagte Hofmann. So könnten Arbeitnehmer innerhalb von drei Jahren ihre Arbeitszeit um ein Drittel reduzieren - und davon zwei Jahre Vollzeit arbeiten, um im dritten Jahr etwa die Fachhochschulreife nachzuholen. (afp)

 
 

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