Ist Amazon Schuld am Ladensterben? Das sagt der Deutschland-Chef des Versandriesen – und das ein Handelsexperte

Amazon Schuld am Ladensterben? Deutschland-Chef vs. Handelsexperte.
Amazon Schuld am Ladensterben? Deutschland-Chef vs. Handelsexperte.
Foto: imago images, Montage: DER WESTEN

Der deutsche Handelsverband schlägt Alarm: Immer mehr kleinen Händlern geht es an den Kragen.

Die düstere Prognose des Verbands: Bis 2025 könnte jeder zehnte Laden in Deutschland für immer schließen – das wären 50.000 Geschäfte.

Es droht ein Ladensterben. Und das, obwohl die Konsumlust der Deutschen ungebrochen ist. Der große Sieger ist der Online-Handel – und allen voran der Versandhandel-Gigant Amazon.

Amazon: Zu verlockend für gemütliche Shopper

„Der Kunde wird mit jeder Geschäftsschließung in seiner Stadt mehr gezwungen, im Internet einzukaufen. Innenstädte werden dadurch immer unattraktiver. Eine Spirale, die Geschäften den Boden entzieht“, weiß auch Handelsexperte Dr. Thomas Roeb im Gespräch mit DER WESTEN.

Der Warenkauf über Amazon ist einfach zu verlockend: Die Plattform hat fast alles im Angebot, was es auf der Welt gibt. Ohne das Haus verlassen oder Abstriche in der Qualität machen zu müssen, bekommt man Dinge innerhalb eines Tages an die Tür geliefert – und zahlt häufig trotzdem weniger als im Geschäft.

„Es ist ein Google für Waren. Daraus ist eine Monopol-Stellung geworden, durch die selbst andere Onlineshops nicht mehr auf die Füße kommen“, so Roeb, Professor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Seine Vorzüge machten den Online-Händler aus Seattle in Windeseile zum Marktführer, ach was, zum Dominator im Einzelhandel – und der Händler in der Innenstadt hat keine Chance.

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Amazon ist also Schuld am Ladensterben? So einfach ist es nicht – sagt Ralf Kleber. Der Deutschland-Chef von Amazon verweist darauf, dass jeder Händler die Möglichkeit hat, vom Amazon-Erfolg zu profitieren. „Händler sollten den Mut aufbringen, im Internet etwas auszuprobieren“, fordert er.

58 Prozent der Waren auf Amazon werden von externen Händlern angeboten – jeder Händler kann seine Artikel dort anbieten. „Geschäfte überleben, wenn sie Kunden dort treffen, wo sie sich bewegen. Das war schon immer so. Heute erreichst du die Kunden eben auf dem Smartphone“, sagt Kleber gegenüber DER WESTEN.

Handelsexperte: „Weg zu Amazon ist für Händler keine Alternative“

„Der Händler, der über diese Entwicklung schimpft, hat sich dem Internet nicht geöffnet. Der Kunde verändert sich. Wer sich nicht mit seinem Kunden auseinandersetzt, muss zusehen, wie die Wirtschaft sich weiterentwickelt, statt sie selber mitzugestalten“, erklärt Kleber seine Sicht der Dinge.

Handelsexperte Roeb aber sagt: „Der Weg zu Amazon ist für Händler keine Alternative. Die gewaltigen Gebühren, die er für jedes verkaufte Produkt an Amazon abgeben muss, fressen den Gewinn auf. 15 Prozent des Umsatzes können hier schnell 100 Prozent des Gewinns sein.“

Denn: Wer seine Ware als Händler auf Amazon anbietet, akzeptiert die Spielregeln des Online-Giganten. Dazu zählt auch eine Abgabe von acht bis 15 Prozent pro verkauftem Artikel. „Außerdem setzt man sich einem weltweiten Konkurrenzkampf aus, den man nur gewinnen kann, wenn man ein ganz spezielles Produkt anbietet.“

Wenn das Geschäft in der Innenstadt nicht mehr läuft und Amazon keine Alternative ist: Welche Möglichkeit bleibt dem Händler dann noch? „So traurig das ist, leider gar keine“, sagt Roeb.

 
 

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