Aldi schafft Hunderte Stellen in neuer Zentrale in Essen

An der Eckenbergstraße in Essen-Kray entsteht der Aldi-Nord-Campus. Der Turmwird von der A 40 zu sehen sein.
An der Eckenbergstraße in Essen-Kray entsteht der Aldi-Nord-Campus. Der Turmwird von der A 40 zu sehen sein.
Foto: Ingo Beckmann
  • Aldi Nord will einen vermutlich dreistelligen Millionenbetrag in ei­ne neue Konzernzentrale in Essen investieren
  • Der bisherige Gebäudekomplex in Kray aus den 70er-Jahren gilt nicht mehr als zeitgemäß
  •  Discounter investiert nicht nur in neue Zentrale: 2011 startete die Modernisierung aller Filialen

Essen/Gladbeck.. Der Discounter Aldi Nord will einen vermutlich dreistelligen Millionenbetrag in ei­ne neue Konzernzentrale in Essen investieren. Im Gespräch mit dieser Redaktion bestätigte Projektkoordinator Rainer Kämpgen, dass der Campus im Stadtteil Kray ab dem Jahr 2020 Platz für 800 Mitarbeiter bieten werde. Derzeit zählt die Zentrale von Aldi Nord, die das Filialnetz in neun Ländern steuert, 400 Beschäftigte. Baubeginn soll Anfang 2018 sein.

„Der neue Campus ist ein klares Bekenntnis von Aldi Nord zu seinem Traditionsstandort Essen und dem Ruhrgebiet“, sagte Kämpgen, der als Bevollmächtigter des Verwaltungsrats für IT und Verwaltung sowie für den Neubau im Unternehmen zuständig ist. Um Platz auf dem 100. 000 Quadratmeter großen Gelände zu schaffen, will Aldi Nord das dortige Logistikzentrum schließen und ab März 2017 abreißen.

„Die Belieferung der Filialen übernehmen dann unsere Logistikzentren in Datteln, Herten und Radevormwald,“ kündigt Kämpgen an. „Auf dem Areal, das mit dem Neubau zunächst Raum für 800 Mitarbeiter bieten wird, haben wir Expansionsmöglichkeiten für über 2000 Mitarbeiter,“ so Kämpgen.

Sportplatz oder Kita auf dem Dach

Die Aldi Nord-Zentrale platzte zuletzt aus allen Nähten. Seit 2013 hat das Unternehmen bereits Büros im Essener Ruhrturm angemietet. Der Gebäudekomplex in Kray aus den 70er-Jahren gilt nicht mehr als zeitgemäß. Das erhaltene Ar­beitszimmer des 2010 gestorbenen Aldi-Gründers Theo Albrecht soll als Museumsstück im lichtdurchfluteten Foyer des Neubaus fortleben.

Bei einem Wettbewerb hatten sich die Hamburger BN Architekten durchgesetzt. Sie haben ein Baukonzept entworfen, das sich nach Angaben von Aldi Nord an den Ergebnissen einer Umfrage un­ter allen Mitarbeitern orientiere. Der Entwurf sieht terrassenförmige Bürokomplexe, Glas, Grün, Wasser und eine zentrale „Plaza“ vor. Aus der Luft betrachtet, soll das geplante Gebäudeensemble an das „A“ von Aldi erinnern. Noch offen ist, ob auf dem Dach des Parkhauses ein Sportplatz entsteht und ob auf dem Areal eine Kindertagesstätte gebaut wird.

Filiale der Zukunft in Nussbaum-Optik

Der Discounter investiert nicht nur in seine neue Zentrale. 2011 startete die Modernisierung aller aktuell 2339 Filialen. In der Gladbecker Innenstadt eröffnete Aldi Nord Anfang September nun den ersten Markt der allerneuesten Generation. Nicht nur im Sortiment nähert sich der Essener Konzern den Supermärkten an, sondern jetzt auch optisch. Die Ladeneinrichtung in Nussbaum-Optik wirkt wertiger. Gleich am Eingang kann sich der Kunde einen Kaffee zapfen. Für den Becher ist eine Halterung am neu entwickelten Einkaufswagen mit zwei blauen Griffen vorgesehen.

Aldi Nord bietet jetzt auch Snacks für den Sofortverzehr an und hat die Frischeabteilung mit Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch ausgeweitet. Drogerieartikel werden auf beleuchteten Regalen drapiert, die Weine stärker in Szene gesetzt. Am Verkauf aus Kartons hält der Discounter allerdings fest.

Aldi-Nord-Chef Marc Heußinger kündigt an, dass das Gladbecker Konzept noch in diesem Jahr in 90 weiteren Filialen ausgerollt werden soll. „Höchste Qualität zum besten Preis zu bieten, reicht für einen Discounter heute nicht mehr – gleichzeitig stellen wir weiterhin sicher, dass jeder Schritt hocheffizient ist,“ sagt Heußinger. „Wir fokussieren uns heute mehr denn je ganz genau auf die Kundenbedürfnisse, schauen ganz genau hin, was die Kunden bewegt und was sie sich von ihrem Aldi wünschen.“

Konzept soll ausgerollt werden

Ein Trend, der auch bei den konkurrierenden Supermärkten zu Investitionen führt – und beim Schwesterunternehmen Aldi Süd in Mülheim. In der Filiale an der Essener Straße ist zu besichtigen, wie sich der Discounter die Zukunft vorstellt. Und in Saarn und Styrum verdoppelt Aldi Süd gerade seine Bürofläche.

Die Modernisierung der Märkte macht sich für Aldi Nord offenbar bezahlt. Bis einschließlich August konnte der Konzern nach eigenen Angaben ein Umsatzplus von 3,3 Prozent erwirtschaften, obwohl die Zahl der Filialen gesunken ist. 2015 setzte Aldi Nord in Deutschland 12,3 Milliarden Euro um.

Betrug der Umsatz einer Filiale im Jahr 2012 durchschnittlich 369 000 Euro pro Monat, lag er 2015 bereits bei 437 000 Euro. Das entspricht einer Steigerung um 19 Prozent.

 
 

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