Konkurrenz für Aldi? Russischer Discounter will Deutschland erobern

Foto: dpa

Leipzig. Es tut sich was auf dem deutschen Lebensmittelmarkt: Ein neuer Discounter aus Russland will sich neben der Konkurrenz um Aldi, Lidl und Co. in Deutschland etablieren.

Mit niedrigen Preisen und wenig aufwendigem Design will Torgservis Kunden zunächst in Ostdeutschland anlocken.

Russischer Discounter Torgservis in Deutschland: Eröffnung in Aldi-Filiale

Die erste Filiale steht in Leipzig: Der Blick in den ersten russischen Discounter in Deutschland erinnert an die Anfänge dieser Branche: Auf den hellen Fliesen stehen unter Neonlicht Paletten mit Warenkartons, in den Hochregalen stapeln sich Konserven und Gläser mit Lebensmitteln.

An diesem Dienstag soll die erste Filiale des russischen Discounters Torgservis in Leipzig eröffnen – ausgerechnet in einer alten Aldi-Filiale am nördliche Rand der Messestadt. Erstmals versucht ein russischer Discounter, auf dem deutschen Einzelhandelmarkt Fuß zu fassen.

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Günstig soll es sein

Beim Blick durch die Fensterscheibe auf die knapp 1000 Quadratmeter große Verkaufsfläche wird die puristische Einrichtung des Marktes deutlich. Hier werden Obst und Gemüse nicht unter schmeichelndem Licht angeboten.

Der Kunde greift die Ware direkt von der Palette ab. Auch die Einkaufswagen sind gebraucht. Günstig soll es eben sein.

Weitere Standorte gesucht

Das 2009 gegründete Unternehmen, das nach eigene Angaben in Osteuropa und Asien 928 Filialen betreibt, gibt sich sehr diskret.

Auf der Homepage macht die deutsche Tochter TS-Markt deutlich, dass zum Ausbau des Filialnetzes weitere Standorte gesucht werden. Vornehmlich in Ostdeutschland.

Gibt es einen Markt für Torgservis? – Andere erlebten Debakel

Für den Marketingexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf ist es kein Zufall, dass die erste Filiale des russischen Discounters in Ostdeutschland eröffnet. „Ich glaube, dass es eine Kundschaft in manchen Regionen Deutschlands für einen solchen Discounter gibt.“ Die Kaufkraft sei in Ostdeutschland teils geringer und es gebe mehr günstige Flächen als im Süden oder Westen Deutschlands.

Es ist nicht der erste Anlauf eines ausländischen Einzelhändlers, den anspruchsvollen deutschen Markt zu erobern. In der Vergangenheit gab es ähnliche Versuche, teils mit mäßigem Erfolg. Der US-Konzern Wal-Mart hat bei seinem Vorstoß in Deutschland ein Debakel erlebt.

Auch die französische Intermarché-Gruppe zog 2006 einen Schlussstrich unter ihr verlustreiches Deutschland-Engagement und verkaufte die Handelskette Spar an Edeka.

Konkurrenz ist aufmerksam

Ob es nun dem russischen Discounter Torgservis gelingt, bleibt abzuwarten. „Ich gehe davon aus, dass Aldi und Lidl den Start beobachten“, sagt Matthias Queck von Retailytics, der Analystengruppe der „Lebensmittel Zeitung“.

Die Branchenriesen könnten akzeptieren, wenn der Konkurrent günstiger bei geringerer Qualität wäre. „Wird aber jemand günstiger bei vergleichbarer Qualität, werden die Marktführer vehement zurückschlagen“, ist Queck überzeugt. (jg)

 
 

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