ADAC trennt sich von Geschäftsführer Obermair

ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair soll bald seinen Hut nehmen. Man habe mit ihm "Gespräche über die einvernehmliche Beendigung seiner Tätigkeit begonnen", teilte der Club am Dienstag mit.
ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair soll bald seinen Hut nehmen. Man habe mit ihm "Gespräche über die einvernehmliche Beendigung seiner Tätigkeit begonnen", teilte der Club am Dienstag mit.
Foto: Lukas Barth/dpa
Im Zuge des Fälschungsskandals um den Autopreis "Gelber Engel" entlässt der ADAC nun auch seinen Geschäftsführer Karl Obermair. Er hatte die Manipulationen anfangs bestritten. Tatsächlich gibt es aber schon seit zehn Jahren Ungereimtheiten, wie die externen Prüfer vom Beratungsunternehmen Deloitte am Dienstag mitteilten.

München. Der ADAC will nach seinem Präsidenten Peter Meyer auch seinen umstrittenen Geschäftsführer Karl Obermair loswerden. Man habe mit Obermair "Gespräche über die einvernehmliche Beendigung seiner Tätigkeit begonnen", teilte der Club am Dienstag mit.

Hintergrund sind die wiederholten Fälschungen beim ADAC-Autopreis "Gelber Engel", die Obermair anfangs bestritten hatte. Im Zuge des Skandals waren auch andere Ungereimtheiten bei dem Club mit mehr als 18 Millionen Mitgliedern publik geworden.

Vom Mitglied der Geschäftsführung Stefan Weßling hat sich der ADAC demnach bereits getrennt. Er wolle den Weg für den Reformprozess des ADAC frei machen, wurde Weßling in einer Mitteilung zitiert. Zuvor hatten schon Kommunikationschef Michael Ramstetter und Clubpräsident Peter Mayer ihre Jobs aufgegeben. In die Geschäftsführung rückt zum 1. März Marion Ebentheuer nach, die seit 1996 beim ADAC ist und dort zuletzt Vizevorsitzende des Vorstandes der ADAC-Schutzbrief Versicherungs-AG und der ADAC Rechtsschutz Versicherungs-AG war.

Deloitte-Bericht wurde am Dienstag vorgestellt

Der ADAC präsentierte am Dienstag auch den Prüfbericht des Beratungsunternehmens Deloitte. Nach diesem Bericht hat der ADAC lediglich bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen manipuliert. Eine Manipulation in den restlichen neun Kategorien der Preisverleihung "Gelber Engel" in den vergangenen zehn Jahren habe nicht nachgewiesen werden können, berichtete der Autoclub am Dienstag.

Deloitte hatte in den vergangenen Wochen sämtliche Kategorien des Preises untersucht, nachdem Manipulationen bei der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" den ADAC Mitte Januar in eine tiefe Krise gestürzt hatten.

Transparenz war nicht immer gegeben

In dem Bericht wird jedoch kritisiert, dass im Laufe der vergangenen zehn Jahre die Bewertungskriterien für einzelne Kategorien teilweise mehrfach verändert worden seien.

"Das mag zwar gute Gründe gehabt haben, Transparenz und Konsistenz waren dadurch aber nicht immer gegeben. Zumal interne Entscheidungen nicht immer schriftlich festgehalten wurden und insbesondere Daten aus den Vorjahren nicht mehr vollständig vorhanden waren", sagte Frank Marzluf von Deloitte. Bei der Leserwahl zum "Lieblingsauto" sei dagegen nachweislich manipuliert worden, heißt es in dem Bericht weiter.

ADAC will verlorene Glaubwürdigkeit zurückgewinnen

"Die nachgewiesenen Fälschungen haben das Vertrauen in den ADAC im Kern erschüttert. Wir arbeiten jetzt mit voller Kraft an einem Neubeginn", sagte der kommissarische ADAC-Präsident August Markl. Der ADAC müsse sich von innen heraus erneuern, um die verlorene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Arbeits- und zivilrechtliche Schritte gegen den ehemaligen Kommunikationschef des ADAC werden auf Grundlage des nun vorliegenden Deloitte-Abschlussberichts weiter vorbereitet und konkretisiert. Darüber hinaus behält sich der ADAC weitere juristische Schritte vor. (dpa)

 
 

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