A400M-Absturz in Spanien Teil eines "Millionen-Desaster"

Ein Militärtransporter vom Typ Airbus A400M ist am Samstag in Spanien abgestürzt.
Ein Militärtransporter vom Typ Airbus A400M ist am Samstag in Spanien abgestürzt.
Foto: dpa
Die A400M war ein Versprechen an Militärs in aller Welt – und brachte nur Enttäuschung. Der Absturz in Spanien ist ein weiterer Rückschlag für Airbus.

Sevilla.. Milliarden Euro Mehrkosten, ellenlange Mängellisten – und jetzt auch noch ein Absturz mit vier Toten: Der Militär-Transportflieger A400M, einst ein Hoffnungsträger europäischer Streitkräfte, ist längst zum Pechvogel geworden. Weder die Steuerzahler noch der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus haben viel Freude an dem Flugzeug, dessen Fähigkeiten auf dem Papier glänzend aussehen, aber in der Realität bislang kaum zum Zuge kommen. Der verunglückte Testflug in Südspanien könnte den Ruf des Flugzeugs noch weiter ramponieren.

Die A400M ist eines der bedeutendsten Rüstungsprojekte in Europa - und dringend benötigter Ersatz für die alten Transall-Maschinen der Bundeswehr. Airbus verspricht den Militärs bei der A400M nicht weniger als einen technischen Quantensprung. Lasten von bis zu 37 Tonnen kann der Flieger transportieren, weit mehr als andere Modelle. Gepanzerte Fahrzeuge, Hubschrauber oder schweres Räumgerät soll er zum Einsatzort bringen, selbst bei voller Beladung soll er noch über 3000 Kilometer weit kommen. Die Maschine kann sogar auf dem Rücken fliegen, und für Start und Landung soll ihr eine kurze Graspiste von 1000 Metern genügen.

Ehrgeizige A400M-Pläne brachten Milliardendesaster

Doch die ehrgeizigen Pläne brachten jahrelange Verzögerungen - und ein Milliardendesaster. Es hakte an allen Enden: den Triebwerken, der Elektronik, an der Stabilität des Rumpfs. Vor fünf Jahren, kurz nach dem Erstflug, brachten Mehrkosten von fünf Milliarden Euro das Projekt fast zum Platzen. Am Ende teilten sich Airbus und die sieben Erstbesteller den Mehraufwand, die Zahl der bestellten Flugzeuge wurde reduziert. "So einen Vertrag wie beim A400M unterschreiben wir nie wieder", schimpfte Airbus-Chef Thomas Enders im Magazin "Cicero". Größter Abnehmer des Flugzeugs sind Deutschland und Frankreich, auch Großbritannien, Spanien, Luxemburg, Belgien und die Türkei gehören dazu. Außer ihnen hat bisher nur Malaysia vier Maschinen geordert.

Das Unglück mit vier Toten war der erste Crash einer A400M. Das abgestürzte Exemplar sollte das dritte für die Türkei sein. Nach den Daten von flightradar24.com flog das Flugzeug kurz nach dem Start eine scharfe Linkskurve. Spanischen Medien zufolge kollidierte es wenig später mit einer Hochspannungsleitung - offenbar beim Versuch einer Notlandung. Von der Maschine sind nur noch verkohlte Trümmer übrig.

Der Absturz dürfte die Sorgen der Verteidigungspolitiker in den Partnerländern des Projekts noch vergrößern. Wie gravierend der Rückschlag für Airbus sein wird, dürfte maßgeblich davon abhängen, aus welcher Ursache die Maschine gleich nach dem Start in Sevilla abstürzte. Auch am Tag nach dem Unglück war noch unklar, ob dabei ein technisches Problem oder ein Pilotenfehler eine Rolle gespielt hatte - oder beides.

Für Airbus-Konzern ein Halbjahr der Unglücke

Für den Airbus-Konzern ist es ein Halbjahr der Unglücke: Ende Dezember stürzte ein A320-Mittelstreckenjet der Fluglinie AirAsia ab. Ende März krachte eine A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings in Frankreich gegen einen Berg. Nach bisherigen Erkenntnissen riss der Copilot dabei bewusst 149 Menschen mit sich in den Tod.

Auf den Absturz am Samstag reagierte die Bundeswehr sofort: Die einzige A400M, die bisher an die Deutsche Luftwaffe ausgeliefert wurde, soll bis zur Klärung der Unfallursache am Boden bleiben. Auch die Briten lassen ihre beiden Maschinen vorerst nicht mehr fliegen. Dabei benötigt Deutschland die bestellten viermotorigen Turboprop-Flugzeuge dringend. Die bisher genutzten Transall-Maschinen sind inzwischen bis zu 46 Jahre alt, und die Pannen häufen sich.

Aber auch Airbus braucht bei der A400M dringend den Erfolg. An den bisher bestellten Maschinen verdient der Konzern keinen Cent. Neue Verzögerungen schlugen bei dem Hersteller 2014 zusätzlich mit mehr als einer halben Milliarde Euro zu Buche. Der Chef der Militärflugzeugsparte, Domingo Ureña-Raso, musste seinen Hut nehmen. Insgesamt wurden bisher erst zwölf Maschinen ausgeliefert, in diesem Jahr sollten 14 bis 18 hinzukommen. Längst setzt Airbus alle Hoffnung darauf, dass die technischen Möglichkeiten der A400M auch Militärs anderer Staaten zu Großbestellungen animieren. Selbst die USA könnten Interesse zeigen, hieß es zwischenzeitlich. Für die nächsten 30 Jahre hielten Manager den Absatz von 400 bis 500 Maschinen für möglich.

Kunden von versprochenen Hightech-Leistungen enttäuscht

Doch bei den Kunden sorgten die versprochenen Hightech-Leistungen bislang für Enttäuschung. Das Bundesverteidigungsministerium listete an Deutschlands erstem, mit vier Jahren Verspätung ausgelieferten Flugzeug 161 Mängel auf. So fehle ein Schutzsystem für gefährliche Einsätze, es gebe Einschränkungen beim Absetzen von Personal und Material sowie beim Tiefflug. Auch das Landen auf unbefestigten Pisten sei nicht in der Weise möglich wie es eigentlich versprochen wurde. Das klingt nicht gerade nach einer Werbebotschaft für die A400M an Militärs in aller Welt. (dpa)

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