A 45 bleibt eine Dauerbaustelle

Hagen..  60 bis 80 Jahre Lebensdauer wurde ihnen vorhergesagt. 40 sind es geworden – 15 bis 20 Jahre sollten Beläge und Abdichtungen halten. Die Brücken auf der Autobahn 45 sind marode und müssen Stück für Stück neu gebaut werden. Den Anfang macht die Lennetalbrücke bei Hagen. Ein Desaster für Unternehmen, Speditionen und Privatleute, denn jahrelange Dauerstaus, und schwere Unfälle in den Baustellen sind absehbar.

Dass es so heftig kommt, wirft Fragen auf: Entsprach die damalige Spannbeton-Bauweise dem Stand der Technik? Waren die Annahmen für die künftige Verkehrsbelastung vor allem durch schwere Lkw falsch? Oder für ihr Gesamtgewicht? Wurden kleinere Schäden immer sofort erkannt und repariert, bevor sich daraus größere entwickeln konnten? Lag es am fehlenden Geld?

Dr. Horst Metzler, bis 2006 bei Straßen NRW zuständig für das Erhaltungs-Management der Autobahnen im Land, weiß, wovon er spricht. „Es wurde nach dem Stand der damaligen Erkenntnisse gebaut“, sagt er. „Die Spannbetonbauweise der Brücken war nicht veraltet, sondern noch jung. Auch die Lastannahmen waren auf der Höhe der Zeit.“

Personell abgespeckt

Aber man konnte oder wollte nicht gut genug in die Zukunft schauen. Die Planer unterschätzten vor allem die Auswirkungen vieler langer Winter auf den Höhen des Sauerlandes, die Verkehrsdichte sowie die Gewichtsbelastung. „Was man nicht vorhergesehen hat, war die Menge des Tausalzes, die Masse des Verkehrs und das zunehmende Gewicht der Lkw“, ergänzt Metzler.

Dieses Problem betrifft im übrigen alle alten Bundesländer, aber in unterschiedlichem Maße. „Nicht alle Bundesländer haben zwischen 1965 und 1975 so viele Brücken gebaut wie Nordrhein-Westfalen“, so der Experte – allein in Westfalen sollen es 27 Großbrücken gewesen sein. Nach 1980 wurde nach Metzlers Worten „wesentlich besser“ gebaut: Man hatte die Schwachpunkte erkannt und bemaß die Statik anders. Das kam den neuen Bundesländern zugute.

An der Pflege hat es Metzler zufolge auch nicht gelegen, „da wurde immer intensiv geprüft und nie irgend etwas vernachlässigt, man wusste immer, wo die Mängel sind.“ Die Instandsetzungen seien auch keine Frage des Geldes gewesen, aber: „Man muss die Frage stellen, wieviel Leute da sind, die das in den Verwaltungen abarbeiten.“ In der Tat haben die Straßenbauverwaltungen wie Straßen NRW mit den Jahren personell deutlich abspecken müssen, teilweise bis an die Grenze der Belastbarkeit.

„Das hat mit Planung zu tun“, bestätigt Jan Tornow, Fachbereichsleiter Verkehr bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK). Man sollte wohl bei Straßen NRW Planung zusätzlich extern einkaufen, weil man glaubte, ein Unternehmen der freien Wirtschaft könne preiswerter arbeiten, spekuliert er. Ob das dann auch geschehen ist, weiß Tornow auch nicht. Augenfällig ist seiner Ansicht nach, dass in NRW baureife Projekte Seltenheitswert haben. „Die Planung stockt vielfach, vieles bleibt politisch auf der Strecke.“ Bayern und Baden-Württemberg seien da oft weiter.

SIHK fordert mehr Mittel

Tornow sieht die langjährige Forderung der Industrie- und Handelskammern bestätigt, Mittel in den Straßenbau umzuschichten. „In diesen Bereich fließt zu wenig Geld.“ Zwar seien die Maut-Einnahmen zweckgebunden, aber der Verkehrsetat sei in gleichem Umfang reduziert worden. „Das ist ein Nullsummenspiel.“ Für die Autobahn 45 hat er trotz aller schlechten Aussichten nur eine Hoffnung: „Ich gehe davon aus, dass der Verkehr wenigstens vierspurig durch die Baustellen rollt.“

 
 

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