3D-Druckerläden erobern Deutschland

Die Auflösung der 3D-Drucker ist bereits so fein, dass sich Details in den Gesichtszügen wiedererkennbar darstellen lassen.
Die Auflösung der 3D-Drucker ist bereits so fein, dass sich Details in den Gesichtszügen wiedererkennbar darstellen lassen.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
Immer mehr 3D-Shops in Deutschland drucken eingescannte plastische Vorlagen dreidimensional aus. Für rund 200 Euro kann sich jeder selbst als Statuette verewigen. Dem Verfahren wird zugetraut, viele Produktionsabläufe radikal zu ändern.

Berlin.. Es dauert nur eine Tausendstel Sekunde, bis der Kunde im ersten 3D-Shop Deutschlands rundum abgelichtet ist. Die Belichtungszeit ist so kurz, dass selbst Sportler im Sprung exakt in ein dreidimensionales Abbild umgewandelt werden können. Die Anlage hat der Geschäftsführer der Firma Botspot, Manfred Obermeier, selbst konzipiert und gebaut. „Das ist der größte Scanner in Europa“, sagt der Gründer des am Dienstag eröffneten 3D-Drucker-Stores.

Aus dem später am Computer noch korrigierten Bild entsteht im Nebenraum Schicht für Schicht ein genaues Abbild des Kunden. Am Ende halten er oder sie sich dann als Statuette in der Hand. Aus einer Länge von 1.80 Meter wird ein Ebenbild von 18 Zentimetern Höhe, das man anschließend den Liebsten schenken oder sich auf den Schreibtisch stellen kann. Sogar die Farbe der Kleidung stimmt. 240 Euro kostet das bei Botspot. Und auch die Wunschmaße sind drin. „Wir können den Bauch kleiner und die Brust größer machen“, sagt Ostermeier.

Viele nützliche Dinge erzeugen

In dem Laden im Berliner Bezirk Kreuzberg hofft der gelernte Kameramann nun auf große Nachfrage. Interessenten gibt es seiner Aussage nach zuhauf. Modefirmen verewigen ihr Models, Sportler zeigen sich in Pose, Unternehmer als Macher. Kein Zweifel, die Technologie des 3D-Drucks wird langsam, aber sicher zum Publikumsrenner.

Auch in Düsseldorf können sich Menschen schon in Kunststoff und Gips in ein paar Minuten ausdrucken lassen. Dort ist die Wartezeit mittlerweile so groß, dass man Wochen auf das Abbild warten muss.

Doch die Statuetten sind eine Spielerei im Vergleich zu den Möglichkeiten der Technik. In Ostermeiers Geschäft stehen mehrere Drucker. Sie können aus Kunststoff mal eben ein dringend benötigtes Kleinteil für den Haushalt herstellen oder aber selbst kreierte Formen für die Weihnachtskekse, Modelle für Architekten und Museen oder auch den bunten Schirm für die Nachttischlampe. Mit einem Stückpreis von 1400 Euro sind diese Drucker längst auch an der Schwelle für den privaten Gebrauch angelangt. Eine Spule mit aufgerollten 750 Gramm Kunststoff kostet gerade einmal 37 Euro im Einkauf. Daraus lassen sich viele nützliche Dinge erzeugen.

Lebensgroß für 15.000 Euro

„Die Technologie wird ganze Fertigungslinien verändern“, ist sich Ostermeier sicher. Die Auswahl an Beispielen lässt erahnen, wie revolutionär diese Anwendung werden könnte. Die Nasa erprobt gedruckte Triebswerksteile, Kronen und Zahnersatz werden bereits auf diese Weise in Serie hergestellt. Das Berliner Herzzentrum druckt sich die Herzklappen selbst. So könnte die industrielle Fertigung wieder einmal einen Schub in eine neue Richtung erhalten. Selbst Metalle werden mittlerweile verarbeitet. Denkbar ist zum Beispiel, das Autohersteller ihre Ersatzteile nur noch als 3D-Bilder ins Internet stellen und Werkstätten sich benötigte Materialien selbst ausdrucken.

Bei dem Druckverfahren wird nach und nach eine jeweils extrem dünne Schicht, zumeist erhitzter Kunststoff, manchmal auch eine Holzmasse, aufeinander geklebt. Der Rechner gibt die jeweilige Kontur vor. Nach und nach entsteht so ein dreidimensionales Objekt, zum Beispiel die Hülle für ein Smartphone oder eben auch ein Implantat. Noch sind die Drucker für viele Anwendungen noch zu teuer, vor allem wenn es um große Stücke geht. Eine lebensgroße Statue kostet im Düsseldorfer Shop Deep End Productions noch 15.000 Euro.

 
 

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