Obwohl es verpflichtend ist: So viele Deutsche kriegen für ihre Arbeit keinen Mindestlohn

Trotz gesetzlichen Mindestlohns verdienten viele Arbeitnehmer immer noch weniger als die für 2016 vorgesehenen 8,50 Euro pro Stunde.
Trotz gesetzlichen Mindestlohns verdienten viele Arbeitnehmer immer noch weniger als die für 2016 vorgesehenen 8,50 Euro pro Stunde.
Foto: Carsten Rehder / dpa
  • 1,8 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten unterhalb der Mindestlohngrenze
  • Arbeitgeber tricksen vor allem bei der Arbeitszeit

Berlin.  1,8 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland verdienen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn, obwohl sie einen Anspruch darauf haben. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin für das vergangene Jahr ermittelt, indem es Beschäftigte befragte. Die amtliche Statistik dagegen befragt die Arbeitgeber und kommt auf 1,1 Millionen Menschen, die weniger als die 2016 vorgesehenen 8,50 Euro verdienten.

„Offensichtlich – und keineswegs unerwartet – wird das Mindestlohngesetz nicht in jedem Betrieb eins zu eins umgesetzt“, sagte Studienautorin Alexandra Fedorets. Aus ihrer Sicht trickst ein Teil der Betriebe, etwa indem sie Bereitschaftszeiten nicht mehr bezahlen oder Kosten für Arbeitsmaterial vom Lohn abziehen.

Unbezahlte Überstunden nicht eingerechnet

Das DIW hatte die Beschäftigen in seiner „Langzeitumfrage sozioökonomisches Panel“ auch nach ihrer tatsächlichen Arbeitszeit gefragt. Werden unbezahlte Überstunden beim Stundenlohn berücksichtigt, erhielten demnach sogar 2,6 Millionen Beschäftigte weniger als den Mindestlohn.

Keinen Anspruch haben Selbstständige, Azubis und Beschäftigte in Branchen mit Übergangsfristen. Werden sie mitgezählt, erhalten sogar 4,4 Millionen Erwerbstätige weniger als den Mindestlohn, wie das DIW ermittelte.

Mindestlohn 2017 noch einmal gestiegen

Insgesamt habe der 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn bedeutende Lohnsteigerungen gebracht, sagte Fedorets. „Jetzt muss alles daran gesetzt werden, dass der Mindestlohn tatsächlich alle erreicht, denen er laut Gesetz auch zusteht“. Zu Jahresbeginn war der Mindestlohn auf 8,84 Euro gestiegen. (dpa)

 

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