Zu wenig Geld für arme Studenten

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Essen.. An dieser Stelle kommentieren Professoren aus der Region jeden Montag aktuelle wirtschaftliche Themen. Prof. Dr. Gerhard Bosch von der Uni Duisburg-Essen bemängelt die Benachteiligung ärmerer Studenten.

Die unzureichende Förderung von Talenten aus allen Schichten der Bevölkerung untergräbt auf Dauer die Innovationskraft der Wirtschaft und vermindert Wirtschaftswachstum. Mit dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) von 1971 sollte daher Jugendlichen auch aus einkommensschwächeren Familien ein Studium ermöglicht werden. Dieses Ziel wurde nur teilweise erreicht, da die Fördersätze des Bafög hinter dem wirklichen Bedarf zurückblieben.

Weit mehr als in anderen entwickelten Ländern entscheidet in Deutschland die soziale Herkunft über eine Studienteilnahme. Der unzureichende Ausbau des Bafög ist einer der wesentlichen Gründe für diese Ungleichheit. Nach Zahlen der OECD gibt Deutschland nur 0,22 Prozent des Bruttosozialprodukts für die Studienförderung aus, während es z.B. in Dänemark mit 0,67 Prozent dreimal und in Norwegen mit 0,86 Prozent fast viermal soviel sind.

Je größer die finanziellen Probleme, desto geringer die Studierneigung

Wie wichtig eine gute Finanzierung für die Aufnahme eines Studiums ist, wissen wir aus repräsentativen Befragungen von Abiturienten: Je größer die finanziellen Probleme eingeschätzt werden, desto geringer ist die Studierneigung. Außerdem brechen Studenten mit finanziellen Problemen häufiger ihr Studium ab. Durch Geldmangel gehen den Hochschulen also viele Studenten verloren.

Umso überraschender die Entscheidungen des Bundesrats. Er hat soeben eine Erhöhung der Bafög-Sätze abgeschmettert, gleichzeitig aber ein neues nationales Stipendienprogramm verabschiedet. Danach sollen künftig bis zu 160 000 begabte Studierende einkommensunabhängig mit 300 Euro pro Monat unterstützt werden. Der Bund soll 300 Millionen Euro beitragen, die Wirtschaft den gleichen Betrag zuschießen.

Reiner Mitnahmeeffekt ohne jede Steuerungswirkung

Aus ökonomischer Sicht ist dieses Geld schlecht angelegt. Die begabten Studenten aus gut verdienenden Familien werden ohnehin studieren. Natürlich werden sie die Zusatzförderung gerne annehmen. Das ist aber ein reiner Mitnahmeeffekt ohne jede Steuerungswirkung. Noch schlechter sieht die Bilanz aus, wenn man nach den Erträgen alternativer Verwendungsmöglichkeiten fragt. Mit 300 Millionen Euro könnte man mehr Jugendliche aus einkommensschwächeren Familien zum Studium bewegen und das Risiko von Studienabbrüchen verringern. Nur solche nachweisbaren Zusatzeffekte rechtfertigen den Einsatz öffentlicher Gelder.

Gegen eine zielgerichtete Förderung begabter Studenten ist im Übrigen nichts einzuwenden. Das Bafög hat schon immer besondere Leistungen honoriert. So wurden die jahrgangsbesten Absolventen beispielsweise durch einen Teilerlass ihres Darlehens belohnt. Die Bundesregierung hat jedoch vorgeschlagen, dies zu streichen. Kürzungen bei den Bedürftigen und Geschenke an Nichtbedürftige verfestigen aber soziale Ungleichheit und sind ein Beitrag zur Refeudalisierung unserer Gesellschaft.

Der Wirtschaft ist es unbenommen, Stipendien an gute Studenten zu vergeben. Sie hat daran auch ein ureigenstes Interesse, will sie gute Absolventen an sich binden. Die Personalbeschaffung von Unternehmen sollte aber nicht mit öffentlichen Mitteln subventioniert werden.

 
 

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