Wirtschaft warnt vor Alleingang beim Klimaschutz

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Kopenhagen. Deutsche Konzernchefs fordern in Kopenhagen, den Handel mit Verschmutzungsrechten weltweit zu organisieren. Sonst hätte Europa einen Wettbewerbsnachteil, warnen sie. "Wir brauchen ein Spielfeld, auf dem die gleichen Regeln für alle gelten", sagte BDI-Präsident Keitel.

Die deutsche Industrie warnt vor einem Alleingang Deutschlands im Klimaschutz. „Wir brauchen ein Spielfeld, auf dem die gleichen Regeln für alle gelten”, sagte Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), vor der entscheidenden Phase des Kopenhagener Gipfels.

Keitel forderte die Ausweitung des Handels mit Kohlendioxid-Zertifikaten auf die gesamte Welt. Andernfalls gebe es Wettbewerbsverzerrungen. Stellen würden in Länder ohne Emissionshandel verlagert. Keitel bekannte sich zu den Klima-Zielen der Bundesregierung, sagte aber, das neue Abkommen müsse umfassend sein: „Die deutsche Industrie ist stolz darauf, im Klimaschutz so früh in Vorleistung gegangen zu sein. Wir ermutigen nun die USA, die Vorreiterrolle zu übernehmen.”

Dagegen befürchten Unternehmen der energieintensiven Branchen in Deutschland, die Verlierer des Klimagipfels von Kopenhagen zu werden. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Metalle, Ulrich Grillo, forderte von der Bundeskanzlerin, sich in Brüssel für einen Ausgleich der CO2-bedingten Kosten einzusetzen. Hintergrund: Die EU-Wettbewerbsbehörde sträubt sich, deutsche Hilfen für Unternehmen mit hohem Energieverbrauch zu genehmigen. Grillo sieht die größte Aluminium-Hütte Deutschlands in Neuss in Gefahr: „Wir haben die Schließung auf Mitte Januar verschieben können”, sagte er. Das zum Norsk-Hydro-Konzern gehörende Unternehmen hat über 700 Mitarbeiter.

"Bermerkenswerter Vorteil"

Klimaökonom Ottmar Edenhofer hält die Warnungen der Wirtschaft für teils übertrieben: „Wenn wir nun in den Klimaschutz investieren, werden wir im Jahr 2030 unseren Wohlstand lediglich ein paar Monate später erreichen.” Für Unternehmen, die im Klimaschutz vorangingen, gäbe es im Wettbewerb einen „bemerkenswerten Vorteil”.

Auch aus Sicht der Energiekonzerne soll ein Abkommen die Lasten fair verteilen: „Wir sind am Beginn einer Reise, die wir gemeinsam unternehmen”, sagte Eon-Chef Wulf Bernotat. RWE-Chef Jürgen Großmann warnte, Deutschland sei dabei, neue Technologien zu verschlafen.

Als Beispiel nannte er die Abscheidung und unterirdische Speicherung von Kohlendioxid, die in Deutschland auf Eis liege: „Weder haben wir im Moment dafür einen rechtlichen Rahmen, noch gibt es in der Öffentlichkeit eine Akzeptanz für die Technik.”

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) betonte, die deutsche Industrie müsse sich auf den Übergang in eine kohlenstoffarme Wirtschaft einstellen: „Investieren wir in alte Technologien oder in neue, die Innovation und Arbeitsplätze schaffen? Ich bin überzeugt, letzteren Weg zu gehen. Davor habe ich keine Angst.”

 
 

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