Wie die Vulkankrise die Wirtschaft trifft

Essen. Noch sind die Folgen für die deutsche Wirtschaft nicht absehbar, doch sicher ist: Der ökonomische Schaden durch die Vulkanasche-Wolke aus Island ist immens. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Flug- oder Reiseunternehmen sowie Logistik- und Postbetriebe trifft die Krise besonders heftig. Doch auch die Autobranche oder die chemische Industrie seien auf Lieferungen aus dem Ausland oder in das Ausland angewiesen, betonte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schätzt den Schaden bei einem kompletten Flugverbot auf etwa eine Milliarde Euro pro Tag. Die meisten Exportgüter werden zwar per Containerschiff, Bahn und Lkw bewegt. „Doch per Luftfracht werden besonders die teuren und höherwertigen Güter transportiert“, sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier. Ein zwei Wochen langes Flugverbot könne bis zu 0,5 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum kosten.

Womit müssen die Verbraucher rechnen?

Die Konsumenten müssen nach Einschätzung des Handelsverbands HDE auch bei einem länger anhaltenden Flugverbot keine leeren Regale in Supermärkten oder Kaufhäusern befürchten. „Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet“, betonte HDE-Sprecher Kai Falk. Der Handelskonzern Metro beschafft eigenen Angaben zufolge bis zu 90 Prozent seiner Waren für den heimischen Markt in Deutschland. „Für die Konsumenten in Deutschland ändert sich kaum etwas. Die Regale sind gut gefüllt“, sagte André Schwarz vom Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA).

Könnten einige Waren im Supermarkt knapp werden?

Bei allen Waren, die vor allem als Luftfracht nach Deutschland gelangen, könnte es Lieferengpässe geben. „Es kann sein, dass einmal ein exotischer Fisch im Frischfisch-Angebot fehlt“, sagte ein Sprecher des größten deutschen Lebensmittelhändlers Edeka.

Der HDE hält Lieferprobleme bei Luxusprodukten wie Baby-Ananas und Flug-Mangos für möglich. Insbesondere bei verderblichen Waren – aber auch bei Blumen – seien Engpässe wahrscheinlich, sagte Gunnar Gburek, Bereichsleiter Logistik beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). Bei bestimmten Kosmetika und Medikamenten, die gekühlt transportiert werden müssen, sei mit Problemen zu rechnen. Auch elek­tronische Bauteile, USB-Speichersticks sowie Chips für Computer und Handys werden oft mit dem Flugzeug transportiert.

Wie wirkt sich die Krise auf die Industrie aus?

„Wir sind als Exportnation besonders stark auf funktionierende Exportwege angewiesen“, sagte BGA-Sprecher Schwarz. „Probleme könnte es bei der Ersatzteilversorgung von Deutschland ins Ausland geben. Hier könnte heimischen Herstellern ein Schaden entstehen, etwa durch Vertragsstrafen.“ Entscheidend werde sein, „wie lange dieser Ausnahmezustand anhält“.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zeigte sich alarmiert. Die Wirtschaft dürfe wegen der Lage in der Luftfahrt „nicht ins Hintertreffen“ geraten, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel.

Kommt die Post noch pünktlich an?

Auch die Beförderung von Briefen und Paketen nach Deutschland wurde beeinträchtigt. Die Deutsche Post erklärte, sie weiche beim Transport, wenn möglich, auf den Landverkehr aus. Innerhalb Deutschlands gebe es ohnehin planmäßig nur drei Luftpost-Flüge pro Nacht.

Müssen Verbraucher mit höheren Preisen rechnen?

„Eine Woche Ausfall ist im Luftfrachtgewerbe eine Katastrophe“, sagte Logistik-Experte Gburek. Probleme ließen sich bisher oft noch lösen, aber das gehe ins Geld. Daher würden für bestimmte Waren die Preise tendenziell steigen. Einige Fluggesellschaften hätten bereits höhere Preise angekündigt, sagte Barbara Rauch vom Deutschen Speditions- und Logistikverband (DSLV).

 
 

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