Wenn der Hotelgast klaut

Essen/Düsseldorf. Handtücher, Bademäntel, Blumen, Bilder oder das Hotel-Besteck – alles, was nicht niet- und nagelfest ist, verschwindet aus Hotels. Auf mehrere Millionen Euro jährlich schätzt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Berlin den Schaden.

Zu den Gästen, die sich kostenlose Souvenirs mit nach Hause nehmen, gehört der Banker Fritz T. Ein Mann, der viel reist. Die Nobelhotels, in die er sich dabei einquartiert, haben dem 50-Jährigen zu einem Hobby verholfen. Fritz T. sammelt Kaffeetassen. Bevorzugt solche mit Schriftzügen von Luxusherbergen wie „Ritz”, „Sacher” oder „Hilton”. Kommt der Mann nicht legal an das Objekt seiner Begierde, weil ein Hotel keine Tassen verkaufen will, macht der Banker lange Finger. Keine Skrupel? „Das trifft doch keine Armen”, winkt Fritz T. lachend ab, der seine „Beute” stolz in einer Glasvitrine seines Wohnzimmers präsentiert.

"Das wird als Sport betrieben"

Jürgen Benad, Justitiar beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, glaubt, dass die meisten Menschen beim Klauen im Hotel kein Unrechtsbewusstsein haben: „Das wird als Sport betrieben.” Obwohl dies natürlich Diebstahl sei. „Ehrliche Gäste bezahlen das mit. Alles wird auf die Preise umgelegt.”

Große Hotelketten versuchen gegenzusteuern und bieten Handtücher, Badeschlappen oder Gläser mit dem Hotel-Logo – bei Souvenirjägern extrem beliebt – im eigenen Shop an. Die Luxushotelkette Sofitel weist an ihrer Ausstattung Interessierte auf das Internet hin (na.soboutique-hotelsathome.com), wo alles – vom Bett bis zur Blumenvase – erworben werden kann.

"Da wird nicht die Polizei gerufen"

Maximilian Bosse ist Chef des „Essener Hofes”, ein 123-Zimmer-Haus. Bosse vermutet, dass die Hemmschwelle, etwas mitzunehmen, desto niedriger sei, je höher der Zimmerpreis ausfalle. Kollegen, die solche Häuser leiteten, lösten das Problem in der Regel diskret. „Da wird nicht die Polizei gerufen, sondern ein Brief geschrieben mit dem Inhalt: Sie haben den Bademantel vermutlich irrtümlich eingesteckt und können ihn zurückschicken oder auch kaufen.”

Jörg Thomas Böckeler ist Chef des Düsseldorfer Intercontinental Hotels an der Königsallee. Hier fühlen sich Musik-, Film- und Theaterstars wohl. Hausherr Böckeler winkt ab, wenn man ihn auf Langfinger anspricht und verweist auf seine zahlungskräftigen Gäste. „Unsere Zimmerpreise liegen zwischen 260 und 600 Euro.” Nur Bücher, die würden schon mal mitgenommen. Dann erzählt der Manager noch, dass er an seinen früheren Wirkungsstätten, „auch Hotels mit großen Namen”, durchaus erlebt habe, dass Fernseher aus Zimmern verschwunden seien. „Da wurde sogar einmal ein Safe aus der Wand gerissen.”

Hier nächtigt die Königsfamilie von Kuwait

Auch Henning Thomas Graf von Schwerin ist ein Fünf-Sterne-Mann, Chef im Düsseldorfer Steigenberger Parkhotel mit der piekfeinen Adresse Königsallee 1 a. Ein Traditionshaus, in dem Sophia Loren logierte und heute immer wieder Mitglieder der Königsfamilien von Kuwait und Katar ihre Nächte verbringen. Auch der Graf beteuert: Gäste, die stehlen, habe er nicht.

Dafür erinnert er sich schmunzelnd an eine frühere Begebenheit. Da war der Dinslakener noch Vizedirektor des Hotels auf dem Petersberg bei Bonn. „Ein Staatspräsident hat nach einer Vertragsunterzeichnung einen Füllfederhalter eingesteckt. Das Außenministerium hat ihn nachträglich als Geschenk deklariert.”

 
 

EURE FAVORITEN