Viel zu viel Impfstoff

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Berlin. Nach den Engpässen im November wollen die Bundesländer nun 2,2 Millionen überflüssige Dosen Schweinegrippe-Impfstoff ins Ausland verkaufen.

Dies teilte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) gestern nach einem zweiten „Impfgipfel” mit. Bislang hätten sich lediglich fünf Prozent der Bürger impfen lassen. Bei Ärzten und Pflegepersonal liege die Quote bei 15 Prozent.

Obwohl die Zahl der Neuerkrankungen zuletzt zurückgegangen sei, mahnte Rösler die Bürger, sich impfen zu lassen. Die Grippe komme in Wellen. „Daher kann man nicht davon ausgehen, dass die Krankheit ihre Gefahr verloren hat.” Auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hacker, gab keine Entwarnung: „Wir haben den Scheitel möglicherweise erst erreicht.” Bislang sind 190 000 Menschen in Deutschland an der Schweinegrippe erkrankt. Dabei gab es 86 Tote.

Neben der Impfmüdigkeit der Bürger tragen auch neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) zum Überschuss an Impf-Dosen bei. So brauchen Unter-Zehnjährige nur eine halbe Dosis. Ursprünglich hatte die Stiko das Doppelte empfohlen.

Der Bund werde nun in anderen Staaten nachfragen, ob sie Impfstoff benötigten, teilte Rösler mit. So habe die Ukraine bereits Interesse bekundet. Mit Blick auf die Forderung einiger Bundesländer, der Bund möge sich an der Finanzierung der überflüssigen Dosen beteiligen, sagte Rösler: „Der Finanzminister hat dies bislang abgelehnt.” Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Carola Reimann (SPD), wurde deutlicher: „Der Kauf und die Durchführung der Grippe-Impfung ist Sache der Länder. Es kann nicht sein, dass der Bund nun finanziell in die Bresche springen soll”, sagte Reimann dieser Zeitung. Zudem sei es richtig gewesen, 50 Millionen Impfdosen zu bestellen. „Schließlich waren alle Experten im Sommer davon ausgegangen, dass der Mensch zwei Impfungen und nicht nur eine braucht.”

Zum Rundumschlag holte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, aus. Er sprach von „erheblichen Pannen” im Vorfeld der Impfungen. Die Auslieferung der Stoffe sei teils „chaotisch” verlaufen. Dem Impfgedanken sei Schaden zugefügt worden.

 
 

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