Touristen auf der Suche nach der Heimat des Drachen Elliot

Marco Tripmaker

Wellington.  Auf Gummireifen schießen Annika, Wiebke und Laura durch das Höhlensystem 60 Meter tief in der Erde: Unter den drei Abiturientinnen der reißende Fluss, über ihnen Millionen von Glühwürmchen. Das Rafting in den Waitomo Caves zählt zu den Attraktionen, mit denen Neuseeland im vergangenen Jahr 3,3 Millionen Touristen anlockte. Jeder Vierte aber kam, um die Originalschauplätze von Blockbustern wie „Herr der Ringe“ oder dem aktuellen Disney-Film „Elliot, der Drache“ zu besuchen.

Auch für die drei jungen Frauen aus Nordrhein-Westfalen und Bayern waren die unwirklich-schönen Landschaften in den Filmen der Grund, für vier Monate nach Neuseeland zu reisen. Immer mehr Deutsche erfüllen sich diesen Traum. Bei Backpackern gibt es aktuell ein Plus von fast 30 Prozent.

Auch der neue Neuseeland-Kassenschlager „Elliot, der Drache“ wurde von der neuseeländischen Regierung mitfinanziert und soll Touristen dazu bewegen, schnell die Koffer zu packen. Dies scheint zu verfangen. „Für uns war seit der Hobbit-Trilogie klar, dass wir nach dem Abi nach Neuseeland müssen. Wir haben lange darauf gespart, nun einen Camper gemietet. Zwischendurch arbeiten wir auf Farmen, denn ganz billig ist Neuseeland nicht“, sagt Annika, die sich nach dem Höhlenabenteuer zitternd aus ihrem Neoprenanzug schält. Rund 6000 Euro rechnen die drei pro Kopf für ihren Aufenthalt, der Flug geht extra. Es soll das Abenteuer ihres Lebens werden, bevor es ans Studium geht.

Die schönen Bilder, die viele Touristen nach Neuseeland locken, entstehen in den Weta-Filmstudios in Wellington. Dort erscheint Richard Taylor, fünffacher Oscar-Gewinner und millionenschwerer Geschäftsmann pünktlich auf die Minute zum Interview. Seinen Reichtum sieht man ihm nicht an, der Weta-Mitbegründer trägt ein zerscheuertes rosa Hemd und eine zerfluste Cargohose. Taylors Hände sind vollkommen mit grauer Farbe beschmiert. „Entschuldigen Sie, ich habe gerade noch einen Felsen bemalt“, lässt er schmunzelnd wissen. Taylor hat Filme wie „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ mit seinen Spezialeffekten erst möglich gemacht und er hat nun auch „Elliott“ Leben eingehaucht.

Der Film wurde komplett in Neuseeland gedreht und animiert. „Auch Elliot wird wieder Touristen anlocken. Das ist auch kein Wunder, denn bis auf eine Wüste hat Neuseeland wirklich alle Landschaften zu bieten“, schwärmt Taylor.

Szenenwechsel. Auckland. Die kreative Zentrale von Tourism New Zealand. Kevin Bowler ist Chef der Regierungsorganisation, die den Tourismus seit Jahren erfolgreich ankurbelt. Waren es 2010 noch 2,5 Millionen Besucher im Jahr, so spricht man mittlerweile von 3,3 Millionen Urlaubern. 92 000 davon sind Deutsche. „Deutschland ist mit einem Plus von 12 Prozent ein ganz wichtiger Markt für uns, vor allem im Backpacker-Bereich. Dort haben wir sogar 30 Prozent Zuwachs“, sagt Bowler. „Jeder vierte Besucher kommt wegen der begeisternden Filmszenen.“ Kein Wunder also, dass die neuseeländische Regierung sich an den Produktionskosten mit bis zu 25 Prozent beteiligt. „Das ist es allemal Wert, diese Bilder von Neuseeland strahlen in die Welt.“

Queenstown explodiert in der Saison

In einem Land, in dem sogar die eigene Fluggesellschaft, Air New Zealand, so begeisternde Sicherheits-Videos produziert, dass sich die Passagiere schon vor dem Start die Bäuche halten vor Lachen, ist die Abenteuerstadt Queenstown auf der Südinsel ein Beispiel für perfekt durchorganisierten Tourismus. Die Stadt an den Ausläufern der neuseeländischen Alpen ist Schauplatz von „Elliot, der Drache“ und der Abenteuerspielplatz für junge Leute aus aller Welt: Im Winter und im Sommer werden aus 20 000 Einwohnern plötzlich 60 000.

Auch die drei Abiturientinnen aus Deutschland waren schon dort und sind begeistert: „Man trifft junge Leute aus aller Welt und wächst zu einer richtigen Familie zusammen. Vor allem ist es aber auch total leicht, einen Job zu finden“, sagt Wiebke. Und natürlich haben sich die Freunde auch von den bekannten Filmlandschaften verzaubern lassen. Ihr nächstes Ziel steht schon fest: „Ganz klar die Weta-Studios in Wellington. Das ist ein Muss für jeden Hobbit-Fan.“