Teure Medizin

Arzneimittelreport 2009 prangert überhöhte Arzneimittelpreise an.

Der deutsche Arzneimittelmarkt ist der teuerste der Welt. Patienten und Krankenkassen zahlten 2008 laut Arzneimittelreport 6,1 Milliarden Euro zu viel für Medikamente. Neue Medikamente, Impfstoffe und auch Generika sind in Deutschland teurer als in anderen Staaten.

In seiner 25. Ausgabe stellt der Arzneimittelreport 2009 weiter steigende Ausgaben für Medikamente fest. Der Arzneimittelreport basiert auf 723 Millionen Verordnungen für gesetzlich Krankenversicherte, die im vergangenen Jahr von rund 135 000 Vertragsärzten ausgestellt wurden. Mit 29,2 Milliarden Euro gaben 2008 die gesetzlichen Krankenkassen 5,3 Prozent mehr für Medikamente aus als im Vorjahr – mehr als für die eigentliche Behandlung beim Arzt. Hauptverantwortlich sind wenige kostenintensive Arzneimittelgruppen: Blutdrucksenker (plus 113 Mio Euro), Antidiabetika (plus 125 Mio Euro) Immuntherapeutika (plus 235 Mio Euro) und Krebsmedikamente (plus 235 Mio Euro. Zugelegt haben auch Impfstoffverordnungen um 230 Mio Euro, vor allem gegen Gebärmutterhalskrebs.

Konkret prangert der Arzneimittelreport einzelne überteuerte Medikamente an: Die HPV-Impfstoffe gegen Gebärmutterhalskrebs kosten in Deutschland 477 Euro, in den USA nur 247 Euro und in der Schweiz 314 Euro. „Es gibt keinen Grund, warum die Arzneimittelpreise bei uns soviel höher sein müssen als in Ländern wie etwa der reichen Schweiz”, sagte Prof. Ulrich Schwabe vom Pharmakologischen Institut der Uni Heidelberg und Verfasser des Reports. Die Preise für die Anti-Rheumamittel Humira, Enbrel und Remicade lägen um 70 Prozent höher als in den USA.

Weitere Kostentreiber seien teure Analogpräparate ohne Zusatznutzen. Seit 1999 habe sich der Umsatz auf 5,1 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Besonders krass sei der Preisunterschied beim Cholesterinsenker Inegy, der 13-mal teurer sei als eine Therapie mit Generika. Studien hätten keinen zusätzlichen medizinischen Nutzen festgestellt.

 
 

EURE FAVORITEN