Raritäten aus dem Ersten Weltkrieg

Das Klavierduo Yaara Tal/Andreas Groethuysen erschließt gern Raritäten. „1915“ ist ein leicht verspätetes Weltkriegserinnern mit Werken von Reynaldo Hahn und Claude Debussy. Beide Komponisten waren in diesen Krieg, speziell in die deutsch-französische Konfrontation, verwickelt. Hahn, 1874 in Caracas geboren, seit 1907 Staatsbürger Frankreichs, meldete sich 1914 freiwillig an die Front. Debussy war wegen einer Krebserkrankung vom Dienst befreit, floh aber vor den deutschen Angriffen aus Paris in die Provinz. Seine Gedanken kreisten um Alter, Leiden und Tod, verbunden zunächst mit einer Schreibblockade.

Hahns schöpferische Reaktion auf den Schrecken der Schlachten macht das Spannungsfeld der CD aus, im Vergleich zu Debussy gar verstörend. Seine 12 Walzer für zwei Klaviere mit dem Titel „Das entknotete Band“ reflektieren nicht die Katastrophe, sondern stellen ihr eine nostalgische Gegenwelt gegenüber.

Geschmackvolle Dezenz

Beide Werke wurden 1915 voll­en­det, wie auch Debussys „En blanc et noir“ für zwei Klaviere. So sehr der Titel Sachlichkeit suggeriert, so entschlossen hat der Komponist in diese Musik alles Leid gelegt. Der zweite Satz ist Nationalismus in Noten: das Abschütteln aller deutschen Einflüsse – als Schlachtenmusik.

Yaara Tal und Andreas Groethuysen zeichnen sich hier durch Sinn für dramatische Gestaltung aus, spielen äußerst nuanciert, immer auf die Kraft der Farben fokussiert. Wie ihnen in Debussys „Six épigraphes antiques“ für Klavier vierhändig ein subtil durchsichtiges Klangbild gelingt. Und die Interpretation von Hahns Musik besticht durch klar artikulierte metrische Wechsel in den Walzern sowie durch geschmackvolle Dezenz in den Wiegenliedern.

 
 

EURE FAVORITEN