Max Beckmann in New York

Else Ebel

New York.  . Der Mann stürzt in die Tiefe, kopfüber. Hinter ihm steigt Rauch aus einem brennenden Hochhaus, engelhafte Gestalten schweben am Himmel. In seinem Gemälde „Falling Man“ von 1950 hat Max Beckmann eine Szene vorweggenommen, die sich so ähnlich ein halbes Jahrhundert später in New York abspielen sollte – Menschen nämlich, die bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 aus den Wolkenkratzern in den Tod sprangen.

Referenzen an die Metropole

Die neue Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum of Art, die noch bis zum 20. Februar 2017 läuft, steckt voller Referenzen an Beckmanns kurze Schaffensphase in der Millionenmetropole. Den 1884 in Leipzig geborenen Expressionisten, dessen Kunst im Nationalsozialismus als „entartet“ galt, hatte es nach zehn Jahren im Exil in Amsterdam erst nach St. Louis in Missouri verschlagen. Eine Professur an der Brooklyn Museum Art School führte ihn 1949 nach New York, wo er 16 Monate bis zu seinem Tod lebte.

Es ist eine umfassende, 40 Gemälde zählende Schau auf Beckmanns Werk, für die Museen in Frankfurt, München, Darmstadt, Würth und deutsche Privatsammler ihre Gemälde zur Verfügung gestellt haben. Sie zeigt, welche Faszination New York auf den Maler ausgeübt hat. „Er hat sich in New York verliebt. Für ihn war es Berlin, hundertmal verstärkt“, so Kuratorin Sabine Rewald.

Straßenszenen New Yorks malte er trotzdem nie, mit Ausnahme des nicht fertiggestellten „Optician’s Window“, zu dem ihn das Schaufenster eines Optikers in der Lower East Side inspiriert hatte. „Ich glaube, es gab zu viel Auswahl für ihn“, sagt Rewald. In „The Town (City Night)“ greift er dafür die Verlockungen und Gefahren der Großstadt auf: Eine nackte, als unschuldig dargestellte Frau wird umgeben von zwielichtigen Nachtgestalten, die für Prostitution, Armut, Gier, Gewalt sowie das Vulgäre der Metropole stehen.

Obwohl Beckmann mit dem schmalen Gehalt aus seiner Lehrtätigkeit auskommen musste, war er in edlen Restaurants und Bars ein häufiger Gast. Während er vergeblich versucht hatte, auf dem französischen Kunstmarkt Fuß zu fassen, feierte ihn die New Yorker Presse für seine klare Haltung gegen die Nazis.

Es ist nicht das erste Mal, das der Name Beckmann im „Met“ auftaucht: 1950 wurde dort sein „Selbstbildnis in blauer Jacke“ gemeinsam gezeigt. Der nicht besonders soziale Maler blieb der Eröffnung fern, machte sich aber an einem sonnigen Dezembertag auf den Weg, um es zu betrachten. Ins Museum schaffte er es nicht – nahe des Central Parks erlitt er einen Herzinfarkt und starb.