Klaus Fischer wird 60

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Gelsenkirchen. Der Ex-Schalker und Bochumer Klaus Fischer feiert am 27. Dezember seinen 60. Geburtstag. Seinen berühmten Fallrückzieher beherrscht er immer noch.

In diesen Tagen musste er ihn wieder vormachen, so wie ein kleines Kunststück. Quer in der Luft liegend den Ball ins Tor schießen, elegant auf dem Boden landen – Fallrückzieher. Das Markenzeichen von Klaus Fischer. „Langsam”, lacht er, „muss ich mir Gedanken machen, ob ich den überhaupt noch kann. Ich werde ja nicht jünger.” Am 27. Dezember wird er 60. Klaus Fischer, der Mann mit dem Fallrückzieher.

Von manchen Menschen hat man ein Bild vor Augen, wenn man an sie denkt: Klaus Fischer liegt permanent in der Luft. Dabei will er als Fußballer eigentlich gar nicht auf diesen Fallrückzieher reduziert werden, den kein anderer so perfekt drauf hatte. „Ich habe doch noch so viele andere schöne Tore gemacht”, sagt er im Gespräch. Insgesamt 268 in 535 Bundesliga-Spielen – die meisten für Schalke.

Länderspiel gegen die Schweiz

Das allerschönste aber für die Nationalmannschaft: Am 16. November 1977 traf er im Länderspiel gegen die Schweiz (4:1) – natürlich per Fallrückzieher, nach einer Flanke seines Kumpels Rüdiger Abramczik. Der Treffer wurde nacheinander zum Tor des Monats, des Jahres, des Jahrzehnts und des Vierteljahrhunderts gewählt. Nur bei der Wahl zum Tor des Jahrhunderts kam er nicht an Helmut Rahn und dessen Treffer im WM-Finale 1954 vorbei. Zurecht, wie Fischer sagt, „wegen der Bedeutung dieses Tores”.

Man könnte hundert Anekdoten erzählen über diesen Mann, der 1970 als schüchterner Bursche aus dem bayerischen Zwiesel nach Schalke kam und im Ruhrgebiet heimisch geworden ist. Damals, als er mit dem Auto vorfuhr und Schalke zuerst gar nicht finden konnte, weil der Gelsenkirchener Ortsteil nicht an der Autobahn ausgeschildert war – Fischer landete wider Willen in Essen; Navigationsgeräte gab es ja noch nicht... Später, als er 1971 mit der Schalker Mannschaft für 2300 Mark das Heimspiel gegen Bielefeld verkaufte und für ein Jahr gesperrt wurde – „die größte Dummheit meines Lebens”. Aber auch, wie er im Oktober 1973 bei seinem Comeback gegen Wuppertal gleich drei Tore schoss. „Da gab es Leute auf der Tribüne, die haben vor Freude geweint. So etwas vergisst man nie.”

Fischer – er ist auf Schalke eine Legende. Er hat alles mitgemacht: Vom Bundesliga-Skandal über die beiden Vize-Meisterschaften 1972 und 1977 bis zum ersten Abstieg 1981. Schalke war ohne seinen Torjäger, der sich das Bein gebrochen hatte, in Not geraten. Musste Spieler verkaufen, und als auch Fischer zum 1. FC Köln ging, weil er nicht in der 2. Liga spielen wollte, wurde er mit „Judas”-Rufen verabschiedet. Auch das hat er nicht vergessen, aber es war nur eine Momentaufnahme. Als er drei Jahre darauf mit dem VfL Bochum, wo er seine Karriere ausklingen ließ, nach Schalke zurückkehrte, feierten ihn die Menschen. Jahre später wurde Fischer Co- und Amateurtrainer auf Schalke, hatte für die Saison 1992/93 sogar schon einen Vertrag als Cheftrainer unterschrieben, doch dann setzte ihm Präsident Günter Eichberg Udo Lattek vor die Nase. Lattek wollte Fischer als Co-Trainer behalten, der lehnte ab und sagt heute: „Das war mein größter Fehler.” Denn so blieb der Traum von der Trainer-Karriere unerfüllt.

Ansonsten hat er jedoch alles gehabt: Klaus Fischer vermisst nichts – auch nicht das große Geld, das einer wie er heute als Fußballer verdienen würde. „Ich gönne es den Jungs.” Was aus seiner Karriere geworden wäre, wenn er 30 Jahre später geboren wäre? Fischer schmunzelt. „Ich wüsste schon, wo ich heute spielen würde”, sagt er: „Wer heute regelmäßig um die 20 Tore schießt, der spielt in England, Spanien oder Italien. Aber kein Problem, ich habe gerne in der Bundesliga gespielt.”

Die Zeiten waren anders damals: Italien hatte die Grenzen für Ausländer geschlossen, England war noch nicht das Fußball-Paradies – es blieb nur Spanien. Einmal hatte er eine Anfrage, die ihn gereizt hätte: 1978 vom FC Barcelona. Doch dann kam die WM, bei der Deutschland die Schmach von Cordoba erlebte. „Bei mir lief nichts”, erinnert sich Fischer, „und dann haben die den Krankl genommen, weil der zwei Tore gegen uns geschossen hat.” So einfach.

Doch so ist Klaus Fischer mit seiner Ehefrau Margit im Revier heimisch geworden. Hier in Gelsenkirchen kennt ihn jeder, „hier sagt kaum einer Herr Fischer zu mir, hier bin ich für fast alle der Klaus.” Nur über Weihnachten ist er wie jedes Jahr zu Hause in Zwiesel, da feiert er Sonntag den 60.. Aber diesmal nur im kleinen Kreis auf einem Bauernhof – nach mehr ist ihm nicht zumute in einem Jahr, in dem er seinen besten Freund Rolf Rüssmann verloren hat. „Es ist kein Jahr zum Feiern”, sagt er nur, „der Tod von Rolli hat mich tief getroffen.” Silvester werden sie zusammen bei Eva Rüssmann verbringen, die Fischers und ein paar Freunde.

Flanken nicht mehr so präzise

In Gelsenkirchen erzählt Klaus Fischer dann doch noch vom Fallrückzieher. Neulich waren Fernsehteams vom WDR und von der Deutschen Fußball-Liga bei ihm und wollten ihn natürlich wie immer filmen: quer in der Luft. Seit ein paar Jahren wird es aber schwieriger, weil die Flanken nicht mehr so präzise kommen wie früher. Selbst von Rüdiger Abramczik nicht mehr. Und so plaudert Fischer aus, was die TV-Kameras nicht zeigen: Dass ihm selbst der „Abi” die Bälle mittlerweile besser mit der Hand zuwirft. Mit dem Verwandeln per Fallrückzieher hat Fischer aber kein Problem: „Ich kann ihn immer noch.”

 
 

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