Kindernothilfe zeichnet Bilder aus, die berühren

Foto: WAZ FotoPool

Berlin. Mit geladenen Gästen und Künstlern, die noch selbst Spenden mitbrachten, statt Gage zu nehmen, feierte die Kindernothilfe am Freitag in Berlin die Vergabe des Medienpreises zum Thema Kinderrechte.

Kinderrechte werden auf unzählig viele Arten verletzt, überall auf der Welt. Die Kindernothilfe zeichnete am Freitagabend in Berlin vor 200 geladenen Gästen engagierte journalistische Beiträge aus, die solchen Verletzungen auf besondere Weise nachspüren. Schirmherrin der 11. Medienpreis-Verleihung der Kindernothilfe ist Christina Rau. Die Preise sind mit 2500 Euro je Sparte dotiert. Die Preisgelder stiftete in diesem Jahr Anneliese Brost, Gesellschafterin der WAZ-Mediengruppe.

Ausgezeichnet wurden Arbeiten in vier Sparten: Fernsehen, Print, Hörfunk und Foto. Nominiert waren elf Beiträge mit Reportagen, Fotos und Filmen u.a. aus Deutschland, Indien, Israel, dem Jemen und Ghana. Dabei sind sehr unterschiedliche Verletzungen von Kinderrechten dokumentiert worden. Das Leid hat viele Gesichter, Ausprägungen.

Norbert Blüm, Vorsitzender des Kindernothilfe-Stiftungsrates, prämierte in der Sparte Fernsehen die Dokumentation von Rebecca Gudisch und Tilo Gummel über Kindersklaven in Indien. Sie hatten für einen WDR-Beitrag Kinder aufgespürt, die bis zu 15 Stunden am Tag in Kellern bei Kerzenlicht Stoffe besticken, Schmuckdöschen bekleben. Vieles davon wird „supergünstig” nach Deutschland exportiert. Und die Endverkäufer beteuern, nichts von den elenden Umständen gewusst zu haben. Die Filmemacher trafen Kinder, die in indischen Steinbrüchen Steine klopften. Und deckten u.a. auf, dass die Pflastersteine auf dem Kölner Heumarkt Kinder in Indien behauen haben.

Doch auch in Deutschland werden Kinderrechte massiv verletzt. In ihrer preisgekrönten Hörfunkdokumentation lässt die am Niederrhein lebende freie Journalistin Monika Hanewinkel Kinder beschreiben, was erlebte häusliche Gewalt in ihnen auslöst, wie sie damit umgehen. Wie sie sich in sich selbst zurückziehen. Wie sie trotz erlittener Schläge und Bedrohungen ihre gewalttätigen Eltern immer noch lieben, verteidigen.

Ausweiden von Schrott unter Lebensgefahr

Print-Preisträger Michael Bitala hat für die Süddeutsche Zeitung aus Accra in Ghana berichtet, wo Kinder vom Ausweiden westlicher Schrott-Computer leben. Dabei ruinieren sie, auf verseuchtem Boden hockend, ihre Gesundheit. Gifte wie Cadmium und Quecksilber treten beim Zertrümmern der Gehäuse ungefiltert aus. WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz verband seine Laudatio für die Reportage mit dem Appell und der Hoffnung, dass Nordrhein-Westfalen als Partnerland Ghanas bei der Überwindung der Missstände helfen könne.

Der Foto-Preis ging zu gleichen Teilen an Sandra Hoyn für ihre Reportage aus Indien „Das Geschäft mit dem Mitleid” und an Peter Dammann für seine Arbeiten zur Jugendorchesterbewegung in Venezuela.

 
 

EURE FAVORITEN