In Busunu geht das Licht an – dank NRW

Integrationsminister Armin Laschet wirbt in Ghana um Aufträge. Und er will prüfen, ob die Hilfe aus Düsseldorf bei den Armen ankommt

Accra. Mehr geht nicht in Ghana - der Präsident gewährt einen Empfang. Man kann nicht behaupten, dass der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet und John Evans Atta Mills sich politisch auf Augenhöhe bewegen. Aber es ist genau diese hierarchische Unwucht, die die 20-Minuten-Visite an diesem Vormittag in der Hauptstadt Accra für den CDU-Politiker so wertvoll macht: „Seine Exzellenz” nimmt sich Zeit für den deutschen Landesminister, der schräg gegenüber des königlich auftretenden Staatsoberhaupts in einem goldumrandeten Sessel Platz nehmen darf.

Und Atta Mills, vor dem sich sogar sein Außenminister zu verbeugen hat, findet nur lobende Worte für das 2007 unterzeichnete Partnerschaftsabkommen zwischen NRW und dem westafrikanischen Staat. „Wir sind dankbar und stolz. Nordrhein-Westfalen leistet Großes für unser Land.” Und als ob er um die hierzulande oft geäußerte Skepsis gegenüber den entwicklungspolitischen Ambitionen von NRW nur zu genau kennen würde, fügt er sofort hinzu: „Auch Ihre Bürger werden davon profitieren.” In Form von Infrastruktur-Aufträgen und einer klima-schonenden Energiepolitik beispielsweise.

Um genau dies zu überprüfen, ist mit Armin Laschet erstmals seit 2007 ein NRW-Minister nach Ghana gereist. In ein Land, das in Afrika zwar als demokratischer Musterstaat gilt, in dem aber nach wie vor ein Großteil der rund 24 Millionen Menschen in brutaler Armut lebt. Ein Land, das trotz der ausländischen Geldzuschüsse von jährlich rund 350 Millionen Dollar enorme Liquiditätsprobleme hat und deren Menschen darauf hoffen, dass die milliardenschweren Ölfunde im Golf von Guinea ab 2011 vieles zum Guten wenden. Aber Armin Laschet hat ein anderes Anliegen: Er will sehen, ob die Hilfe aus NRW unten, bei den Kindern, bei den Bauern und den Ärmsten der Armen ankommt.

In Busunu, einem Dorf im kargen Norden, hat er daran keinen Zweifel. Hunderte Bewohner sind auf den Beinen, als der Ehrengast eintrifft. Sie wissen zu schätzen, dass er eine mehrstündige Bustour über eine Buckelpiste auf sich genommen hat. Unter einem Schatten spendenden Baum tanzen und singen die Kinder. Ein traditionelles Gewand als Geschenk, ein halbes Dutzend Dankesreden, und dann endlich dürfen die Bewohner ihren ganzen Stolz vorzeigen: Hinter den Lehmhütten stehen die zwei Anlagen, die mit NRW-Hilfe gebaut wurden und die den Menschen ein Wunder beschert haben: Eine kleine Solaranlage und eine Biogasanlage liefern Strom. In Busunu geht abends Licht an - dank NRW.

Und für diese praktischen Fortschritte, mögen sie auch noch so klein sein, gibt es mittlerweile zahlreiche Beispiele. Seit 27 Jahren unterstützen 30 Gemeinden aus dem Bistum Münster je eine Partnergemeinde in Ghana, Bonn pflegt eine Städtepartnerschaft mit Cape Coast, mehrere NRW-Unis kooperieren mit ghanaischen Hochschulen - Misereor, Aktion Medeor, der Landessportbund, die Handwerkskammer Düsseldorf: Sie alle schwingen wenig große Reden und bemühen sich stattdessen um die so sehnsüchtig erhoffte konkrete Hilfe. Auch Erzbischof Philip Naameh, der in Münster promoviert hat, ist dankbar: "Das macht nicht nur den Menschen Mut. Es stärkt auch unsere junge Demokratie."

Aber auch politisch bekommt Armin Laschet in diesen Tagen zumindest zum Teil das zu hören, was er sich gewünscht hat: Außenminister Mohammed Mumuni stellt in Aussicht, dass Ghana für Bonn statt für Dubai als Sitz der geplanten internationalen Agentur für erneuerbare Energie votieren wird. Zum Dank gibt es für Mumumi wie für alle anderen ghanaischen Gastgeber einen in NRW-Papier eingepackten Stift. Nur für die Kirchenvertreter, die er traf, gab es vom Land NRW noch ein Schmankerl obendrauf: eine Flasche Korn oder Whiskey.

 
 

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