Die Gründer

Erich Brost und Jakob Funke – ihre Namen stehen als Gründungsherausgeber im WAZ-Impressum. Sie hatten in schwieriger Zeit den Mut, eine neue Zeitung für das Ruhrgebiet aufzubauen.

Ihre Namen stehen als Gründungsherausgeber im WAZ-Impressum. Sie stehen auch in der Firmenbezeichnung der Muttergesellschaft der WAZ-Mediengruppe. Doch inzwischen hat der Generationenwechsel die Erinnerung getrübt.

Es gibt nur wenige, die noch Zeugnis ablegen können von jenen entscheidenden Anfangsjahren, in denen der Aufstieg der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zur Stimme des Ruhrgebiets begann. Dazu gehören Anneliese Brost, die Witwe des Lizenzinhabers, sowie Gisela Holthoff, die Tochter des WAZ-Mitgründers Jakob Funke.

Aufgabenteilung

Beide, Brost wie Funke, waren Journalisten. Doch in der WAZ übernahm der eine, Brost, die Aufgaben des Chefredakteurs, der andere, Funke, leitete den Verlag. Erich Brost, 1903 im westpreußischen Elbing geboren, war schon in jungen Jahren Redakteur bei der Danziger „Volksstimme”. In der Freien Stadt versuchte auch er, den Aufstieg der Nationalsozialisten zu verhindern. Doch die Danziger, nicht ahnend, dass sie den Untergang ihrer Stadt und den Verlust der Heimat heraufbeschworen, vertrieben ihn.

Ideale Ergänzung

Über Polen, Finnland und Schweden gelangte Brost schließlich noch während des Kriegs nach England. Das hatte den Vorteil, dass er in den skandinavischen Ländern und in England die Vorzüge einer modernen, demokratischen Presse kennen lernte. Es kam ihm zu Nutze, als er zunächst Chefredakteur der Neuen Ruhrzeitung wurde, dann, nach einem Zwischenspiel als Vertreter des SPD-Vorstands beim Alliierten Kontrollrat in Berlin, die eigene, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, gründen durfte.

Als Mitbegründer und Mitherausgeber erwählte er den nur zwei Jahre älteren Jakob Funke, der Brost zunächst in idealer Weise ergänzte. Er war in Essen, im Ruhrgebiet zuhause, hatte hier eine beispiellose Karriere hinter sich. Als „fleißiger und aufgeweckter Knabe” hatte er mit „leichten Büroarbeiten” begonnen. Bald wurde er Journalist. Als die Nazis 1941 das Ende des Essener Anzeigers erzwangen, war er dessen Chefredakteur. Schon kurz nach dem Krieg durfte Funke in den Journalismus zurückkehren. Was der WAZ zugutekam, waren sein ausgesprochenes Organisationstalent, seine intime Kenntnis des Ruhrgebiets sowie seine Verbindungen zu unbelasteten Fachleuten aus Verlagen und Redaktionen, die angeworben werden konnten. So entstand eine vom Typ her neue, unabhängige und überparteiliche Zeitung, die als erste das ganze Ruhrgebiet umfasste.

Brost lebt in der Erinnerung aller, die ihn noch kannten, als väterlicher Freund insbesondere der jüngeren Redakteure fort. Bis ins hohe Alter nahm er täglich an den Konferenzen teil, hörte meist zu und nahm nur dann das Wort, wenn er aus seiner profunden Kenntnis politischer Verhältnisse und Personen Entscheidendes beitragen konnte.

Seine Stimme hatte Gewicht und fand Gehör. Er blieb Sozialdemokrat, aber er fand Freunde und Gefährten auch in anderen Parteien. Von Konrad Adenauer über Josef Hermann Dufhues bis zu Helmut Kohl, von Kurt Schumacher zu Willy Brandt, Heinz Kühn und Johannes Rau reichte die Reihe der Politiker, die ihm vertrauten und die er respektierte. Bei allem Erfolg blieb er ebenso bescheiden wie Jakob Funke.

Vorschuss gewährt

Funke achtete in den ersten, kritischen Jahren auf Sparsamkeit. Doch er konnte auch großzügig sein. Er sorgte dafür, dass seine Mitarbeiter, auch die Redakteure, Wohnungen fanden, als die noch bewirtschaftet waren, er überließ ihnen Autos aus dem Firmenpark zu gutem Kurs, und er gewährte Vorschuss, als die Banken noch keine Überziehungskredite einräumten. – Die WAZ war für Brost wie für Funke ein Familienbetrieb im guten Sinne.

Unabhängigkeit betont

Ihr zunächst enges Verhältnis lockerte sich, durchlebte manche Spannung. Der spontane Funke konnte seine Vergangenheit als Journalist nicht verleugnen. Das kam der Redaktion dann zugute, wenn es galt, sich gegen Zumutungen zum Beispiel von Anzeigenkunden zu wehren. Dann musste ein enges kommerzielles Interesse zurückstehen. Vorrang hatte die Unabhängigkeit der Zeitung. Die Leser haben es ihr gedankt.

In den wichtigen Fragen entschieden die beiden Verleger gemeinsam. Funke erlebte so noch den Beginn der WAZ-Zeitungsgruppe, als die Westfälische Rundschau und die Westfalenpost in den WAZ-Verbund aufgenommen wurden. Technik und Verlag wurden zusammengelegt, doch die Redaktionen blieben erhalten, sicherten die Meinungsvielfalt auch im Zeichen der Konzentration.

Außerordentliche Ehre

Jakob Funke starb bereits 1975, Erich Brost 1995. Während Funke die Öffentlichkeit eher scheute, stand Brost oft in ihrem Rampenlicht. Acht Jahre nach seinem Tod, an seinem hundertsten Geburtstag, wurde ihm eine außerordentliche Auszeichnung zuteil. In Danzig, der Stadt seines frühen Wirkens, ehrten der deutsche und der polnische Staatspräsident gemeinsam sein Andenken.

 
 

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