Der kleine Tierpark für zwischendurch

Hubert Wolf

Oberhausen.  Gerade wimmelt es von Kindern. Laufradkindern und Mittagsschlafkindern, Laufnasenkindern und Windelkindern und Rollerkindern und Aufstampfkindern, letztere he­ben die Arme und plärren: „Du sollst mich tra-gen.“

Eltern und Großeltern sind nämlich dabei, aber im Kern wendet sich das Tiergehege Kaisergarten in Oberhausen an die Jüngsten, die lieber ein Schaf streicheln, als einen Löwen zu sehen. Bei Anette Perrey heißen die Großen Fünf, die unverzichtbaren Tiere daher so: Pferd, Ziege, Schaf, Huhn, Schwein. „Das kennen sie aus ihren Bauernhof-Bilderbüchern. Da kommt man leicht an die Kleinen heran.“ Die Tierpflegerin und studierte Biologin leitet das Gehege, freilich setzt einen dieser Begriff entschieden auf die falsche Fährte.

Denn hier wohnen auch Wolf und Luchs, Wildschwein und Alpaka, Lockengans und Farbmaus, 450 Säuger, 200 Vögel. „Das kleinste Schaf der Welt“, „Das kleinste Rind Europas“, „Das Schwein im Schafspelz“, „Das Huhn des kleinen Mannes“, um mal Überschriften von Infotafeln zu zitieren. Darunter dann ein schönes Beispiel für die schwerelose Unterrichtung von Kindern: „Wachsen deine Zähne ständig nach? Dann bist du auch ein Nagetier.“

Gehege gibt es viele im Ruhrgebiet, in Mülheim, Witten, Bochum, Castrop-Rauxel, Herne, Wanne-Eickel, ohne Anspruch auf Vollständigkeit; doch das im Kaisergarten erhebt einen zoologischen Anspruch und ist das größte seiner Art, das keinen Eintritt nimmt. Ein Wunder!

„Das ist so gesetzt hier, dass sich keine Partei daran traut“, sagt Anette Perrey: „Wir haben Besucher in der x-ten Generation.“ Die Oberhausener lieben es, aber auch auswärtige Kronzeugen sind im Umdrehen gefunden: Da kommt Renate Boeing mit ihren Zwillingsenkeln Elias und Philip (2/2) des Weges. „Früher war ich schon oft mit meinen vier Kindern hier“, sagt die Frau aus Wesel.

Auf unspektakuläre Weise ist das schön: der alte Seitenarm der Emscher, die Gehege unter Eichen, Buchen und Erlen. Verglichen mit einem Zoo, natürlich klein. Klein, aber Hain!

Freilich müssen auch Gehege immer neue Höhepunkte schaffen, um ihre öffentlich-rechtliche Existenz zu rechtfertigen. „Drei Schafe und zwei Ponys, da kommen die Leute nicht“, sagt Anette Perrey. Zuletzt ist sie in der Politik nicht durchgedrungen mit ihrer Idee, Berberaffen anzuschaffen. Nun soll es ein Nachthaus für Nager geben und eine Anlage für Ziesel – sie ähneln Erdmännchen, aber Erdmännchen hat gerade jeder.

Der Tag schreitet voran. Meistgehörter Ausruf Kinder: „Sind die süß!“ Meistgehörter Ausruf Eltern: „Wir müssen los!“ Am Ausgang steht: „Bis zum nächsten Mal!“ Lange dauern wird’s vermutlich nicht.