Der Kanzlerkandidat, die Kumpel und die Kohle

Sabine Brendel
Foto: Dirk Bannert

Wahlkampftour: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) besucht ein Bottroper Bergwerk und rüttelt am Steinkohleausstieg

Mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier geht's bergab. Steil bergab. Zehn Meter je Sekunde, dahin, wo alles tiefschwarz ist. Und wo es heiß ist, feucht und die Luft voll vom Toben der Maschinen. Steinmeier, Bundesaußenminister und Westfale, ist auf Wahlkampf-Tour. Diesmal in Bottrop, also im Ruhrgebiet, das früher fest in SPD-Hand war. Hier besucht er Kumpel unter Tage, tausend Meter unter der Erde im Bergwerk Prosper-Haniel.

Nur wenige Kumpel sind in den langen Gängen zu sehen. Dafür umschwärmen Steinmeier eine ganze Menge Mitarbeiter des Kohlekonzerns RAG, der das Bergwerk betreibt. Steinmeier trägt hellgraue Bergmannskluft. Sein Gesicht aber bleibt auch nach mehr als zwei Stunden Grubenluft fast unberührt vom Kohlestaub. Dann steigt er in den Aufzug, der ihn – wieder mit zehn Meter je Sekunde – ans Tageslicht bringt. Dort warten schon die Presse-Fotografen auf den Kanzlerkandidaten. Steinmeiers Gesicht ist nach der Aufzugfahrt auf einmal kohlegeschwärzt.

Der SPD-Wahlkämpfer weiß, was Kumpel wollen. Über die anwesenden Journalisten richtet er ihnen aus: „Ihr wisst, wir stehen an Eurer Seite.” Steinmeier sagt, er sei dafür, Steinkohle auch nach 2018 zu fördern. Eigentlich soll dann, so ist es gesetzlich festgelegt, Schluss sein mit der Förderung, die mit Milliarden Euro subventioniert wird. 2012, auch das ist festgelegt, soll der Bundestag den Ausstieg noch einmal überdenken. Darüber könne man angesichts der rohstoffhungrigen Welt früher diskutieren, findet Steinmeier. Was er diesbezüglich konkret zu tun gedenkt, sagt er auch auf Nachfrage nicht. Der Wahlkampf ist keine Zeit für Details, für schöne Worte – zum Beispiel für strukturwandelgeplagte Bergleute. Die jedenfalls sind, sagt ein Kumpel, dankbar, dass Steinmeier da ist und Medien darüber berichten. „Heute gibt es kaum mehr Untertage-Berichte, früher war das anders.”