China überrollt den neuen Stromauto-Markt

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Duisburg. Burkhard Göschel kennt sich aus. Als Technik-Chef war er jahrelang für die Freude am Fahren bei BMW verantwortlich. Für den Schwaben muss man nicht lange rechnen, um zu dem Schluss zu kommen: Die Automobilbranche steht durch den elektrischen Antrieb vor tiefgreifenden Umwälzungen.

Seit seiner altersbedingten Zwangspensionierung leitet der 63-Jährige den gesamten technischen Bereich bei Magna, dem Opel-Interessenten. Für ihn ist klar: China gibt sehr viel Geld aus, um mit dem Strom zu schwimmen.

Göschel sprach vor über 200 Insidern der Branche auf dem Wirtschaftsforum Automotive der Universität Duisburg-Essen, organisiert von Ferdinand Dudenhöffer. Laut Göschel wird es für alle Hersteller, im Fachjargon OEM abgekürzt, immer schwieriger, sich über technische Eigenheiten im Antriebsbereich zu differenzieren. Schon jetzt ist die eigene Getriebefertigung eine Seltenheit, und bei Achsen und selbst bei Motoren komme es genauso. Die Produktion übernehmen Zulieferer.

Chinesen setzen auf Lithium-Batterien

Der entscheidende Punkt ist für Göschel die rasante Weiterentwicklung der Batterien für das reine Elektro- und das zusätzlich elektrisch betriebene Hybridauto. Die Kosten der modernen Stromspeicher mit Lithium-Ionen-Technik (LI) liegen zurzeit bei rund 500 Euro pro Kilowattstunde, sind aber laut dem Magna-Manager auf dem steilen Weg nach unten Richtung 250 Euro. Mindestens zehn Kilowattstunden muss ein E-Smart mit knapp 100 Kilometer Reichweite speichern können.

China pumpe zurzeit sehr hohe staatliche Subventionen in die gesamte Elektromobilität. Um an die Spitze im Automobilbau zu kommen, überspringen die Chinesen bewusst die jetzige Entwicklungsstufe der Verbrennungsmotoren und setzen voll auf die Führungsrolle bei der Lithium-Batterie. Gelingt dies, geraten scheinbar fest gefügte Positionen der etablierten Hersteller ins Wanken.

Vollwertiger Kompakt-Pkw für 16 000 Euro

Das erste tatsächlich in größere Serie gebaute moderne Stromauto kommt vom chinesischen Anbieter Build Your Dream (BYD), eigentlich ein Batteriehersteller. Der vollwertige Kompakt-Pkw soll in China nur knapp 16 000 Euro kosten und möglichst schnell auch in Europa vertrieben werden.

Mit dem Preisverfall der LI-Batterie halbiere sich der Aufpreis für Hybridfahrzeuge, die dadurch rentabel werden. Andererseits verliere die mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzelle weiter an Marktchancen.

Göschel selbst hatte bei BMW die Wasserstofftechnik noch für das Zukunftsmodell gehalten. Aber man wird sich ja auch mal irren dürfen.

 
 

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