Essen

Uli Hoeneß bei „Wontorra“: „Sportlich gesehen gehörte Özil nicht in den WM-Kader“

FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat in einer Talkshow Stellung zur Personalpolitik, Sebastian Rudy und der Nationalmannschaft gegeben.
FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat in einer Talkshow Stellung zur Personalpolitik, Sebastian Rudy und der Nationalmannschaft gegeben.
Foto: Matthias Balk / dpa

Essen. Nach dem knappen 1:0-Erfolg bei Regionalligist SV Drochtersen/Assel im DFB-Pokal war Uli Hoeneß am Sonntag in der Talkshow "Wontorra - der Fußballtalk" zu Gast. Der Präsident des FC Bayern München äußerte sich zum mühsamen Erfolg, zur Situation von Sebastian Rudy und Jérôme Boateng, der kommenden Bundesliga-Situation und noch einmal zur deutschen Nationalmannschaft und Mesut Özil.

Hoeneß über...

...den 1:0-Sieg beim SV Drochtersen/Assel: "Im Pokal zählt nur das Weiterkommen. Wir haben nicht gut gespielt, aber ich bin überzeugt, dass wir eine gute Saison spielen werden. Drochtersen hatte in der ersten Hälfte eine gute Chance, aber dafür haben wir Manuel Neuer im Tor stehen."

...den neuen Trainer Niko Kovac und andere Kandidaten: "Niko Kovac hat noch Hunger. Es weiß doch gar keiner, was bei uns los war, außer wir selber. Thomas Tuchel hat uns nie abgesagt, er hatte bloß früher in Paris zugesagt. Bei uns hat die Suche länger gedauert, weil ich abwarten wollte, wie es mit Jupp Heynckes weitergeht. Julian Nagelsmann ist ein ganz toller Trainer, der sicher auch mal irgendwann beim FC Bayern München ein Thema wird. Aber das kommt jetzt vielleicht noch drei, vier, fünf Jahre zu früh. Wir hatten ihn für diesen Sommer nie im Auge."

...die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt: "Zur Zeit sammeln wir etwas Geld ein, um im nächsten Jahr vielleicht mal etwas größer einzukaufen, wenn Arjen Robben und Franck Ribery womöglich aufhören. Da ist man auch mit zwei Spielern schnell bei über 100 Millionen Euro inzwischen. Dieses Jahr haben wir keine Notwendigkeit gesehen, noch mehr zu machen. Und wir werden bestimmt nicht nur Geld ausgeben, weil die Medien das gerne hätten."

...Sebastian Rudy: "Er ist zu Hasan Salihamidzic gekommen und hat gesagt, dass er sich einen Wechsel vorstellen kann. Er will unbedingt spielen. Hasan hat ihm die Erlaubnis gegeben, mit anderen Klubs zu sprechen und wir streben da eine Lösung an, ob mit Schalke 04 oder RB Leipzig. 15 Millionen Euro werden aber sicher nicht reichen. Wenn er auch in der kommenden Saison noch bei uns spielt, freue ich mich darüber."

...Jérôme Boateng: "Jérôme hatte Karl-Heinz Rummenigge mitgeteilt, dass er sich verändern will. Wenn er einen Verein findet, mit dem man sich einigen kann, werden wir eine Lösung finden. Es kommt aber nur noch Paris infrage, wenn die entsprechend bezahlen, werden wir uns damit beschäftigen - und wenn sie das nicht tun, bleibt er bei uns."

...Robert Lewandowski: "Wir haben Robert immer im Griff gehabt, nur seinen Berater nicht. Er hat häufiger wegen Gesprächen angefragt, aber vor dem 2. September um 14.30 Uhr habe ich da keine Zeit für. Wenn Robert mit Schließung des Transferfensters den Rucksack ablegt, ist er wie ein Neuzugang, der beste Neuzugang den wir je hatten. Wir hätten Angebote bis 150 Millionen Euro haben können, aber ich glaube, wir tun der Fußballwelt so gut, wenn wir da nicht mitmachen. Robert wird eine großartige Saison spielen und wenn er in Form ist, kann er 35 Tore schießen."

...Borussia Dortmund: "Der BVB wird wieder der starke Gegner sein. Sie haben sich mit Delaney und Co. in der Breite sehr verbessert, zudem auch mit Sebastian Kehl und Matthias Sammer weitere Berater dazugeholt. Da braucht man schon fast einen Gelenkbus, um die alle mitzukriegen, die da beraten. Matthias lebt den Fußball, aber vielleicht ist das ein bisschen viel auf einmal. Lucien Favre war auch bei uns immer mal wieder ein Thema, auch als wir Pep Guardiola verpflichtet haben. Es wurde aber nie richtig intensiv. Man muss schauen, ob der BVB noch einen echten Stürmer holt, ich bin ein Freund einer klaren Neun."

...Schalke 04: "Schalke hat sich sehr gut verstärkt. Nach der letzten Saison herrscht dort Euphorie, sie haben einen guten Trainer und auch Christian Heidel macht einen guten Job. Letzte Saison haben sie teilweise überragende Spiele gehabt, aber dann auch mal so eine Halbzeit wie gegen Dortmund, wo sie 0:4 zurücklagen. Aber auf Schalke ist die Begeisterung der Fans groß, da lebt der Fußball."

...die 50+1-Regel: "Wir haben dafür gestimmt, dass die Regel abgeschafft wird. Damit wollen wir auch den anderen Mannschaften das Alibi nehmen, dass wir keine Konkurrenz wollen. Das stimmt nicht, für uns wäre eine kleinere Distanz zwischen den Mannschaften besser. Das erhöht den Druck und sorgt für bessere Leistung. Die jetzige Situation hat auch Auswirkungen auf die Leistungen in der Champions League. Ich kann nicht verstehen, dass Borussia Dortmund dagegen ist, vielleicht wollen sie die Konkurrenz schwach halten. Andreas Rettig sieht sowieso alles anders, aber bei allem Respekt, den ich für den FC St. Pauli habe, darf man sie nicht überhöhen."

...die Nationalmannschaft: "Ich sehe keinen Grund für Schnellschüsse. Aber natürlich muss Joachim Löw das WM-Aus als Alarmzeichen sehen und es muss sich das ein oder andere ändern. Vor der Weltmeisterschaft wollten die Leute noch, dass er vorzeitig seinen Vertrag verlängert. Grundsätzlich wäre ich dafür, die Nationalmannschaft aus dem DFB herauszulösen und ihr ein eigenes Management von professionellen Leuten zur Verfügung zu stellen. Löw hat wegen seiner Leistungen der vorherigen Jahre einen Bonus. Bis zur Europameisterschaft in zwei Jahren muss er die Mannschaft wieder in Schwung gebracht haben."

...Mesut Özil: "Sein Management hat sehr geschickt das Thema Rassismus und Diskriminierung aufgegriffen, obwohl er auch einfach schon lange nicht mehr gut Fußball spielt. Die Bilder von ihm und Ilkay Gündogan mit Erdogan waren ein Riesenfehler und es hätte eine vernünftige Erklärung geben müssen. Notfalls hätte man Özil zu einer Erklärung zwingen müssen. Özil ist ein gut vermarktetes Produkt, das viel besser dargestellt wird, als es eigentlich ist. Ich hätte ihn aus sportlichen Gründen nicht mitgenommen."

 
 

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