"The Voice of Germany"-Sieger Andreas Kümmert ist Woodstock pur

"Rocket Man" Andreas Kümmert (li.) aus dem Team von Max Herre ist der Sieger von "The Voice Of Germany".
"Rocket Man" Andreas Kümmert (li.) aus dem Team von Max Herre ist der Sieger von "The Voice Of Germany".
Foto: Getty Images
Andreas Kümmert rang mit der Fassung nach seinem Sieg bei "The Voice of Germany". Der "Rocket Man" hat auch im Finale die Fans der Castingsshow begeistert und mit großem Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Chris Schummert gewonnen. Dabei hatte Samu Haber im Kampf gegen Max Herre alle Register im Finale gezogen.

Essen.. Es ist die unglaubliche Geschichte eines einfachen Mannes, der bei „The Voice of Germany“ die Herzen im Sturm erobert. Seit der ersten Blind Audition galt Andreas Kümmert als Top-Favorit der dritten Staffel der Castingshow. Der 27-Jährige war mit Halbglatze, Rauschebart und unscheinbaren Klamotten weit entfernt vom Idealbild eines Superstars der Pop-Maschinerie. Aber Andreas Kümmert hat eine Stimme. Und was für eine.

Sobald der Gemündener auf der „The Voice of Germany“-Bühne anfing zu singen, ging nach wenigen Sekunden ein Raunen durch den Saal. Dieser Typ Sänger passt nicht nur optisch perfekt nach Woodstock, auch seine Stimme erinnert an die Glanzzeiten eines Joe Cocker. „Als du ob 1969 eingefroren wurdest und rechtzeitig vor dieser Staffel aufgewacht bist“, beschreibt Team-Coach Max Herre seinen Schützling.

Der „Rocket Man“ kann sein Glück nicht fassen

The Voice of Germany Um 23.17 Uhr am Freitagabend stand Andreas Kümmert im Finale von „The Voice of Germany“ auf der Bühne, starrte ungläubig auf seinen Namen, der da vor den 47,44 Prozent auf der Leinwand erschienen war. Er war zu dem Zeitpunkt der einzige, der noch immer nicht begriffen hatte, was da gerade passiert war.

Erst als ihm seine Konkurrentin Judith van Hel um den Hals fiel und Max Herre ihm zum Gratulieren in den Arm nahm, sah man Andreas Kümmert lachen. Ein wahrer Gefühlsausbruch, wenn man bedenkt, dass der „Rocket Man“ bislang kaum Emotionen zeigte, wenn er nicht gerade sang. Bei seinem Sieger-Song "Simple Man" geriet er noch einmal völlig aus der Fassung, und Max Herre musste kurzzeitig Mikro und Gesang übernehmen.

„The Voice of Germany“-Finale stand für Andreas Kümmert auf der Kippe

In der Woche vor dem Finale war Andreas Kümmert sogar noch krank, seine Teilnahme am Finale von „The Voice of Germany“ stand kurzzeitig in Frage. Hinter den Kulissen hieß es, der Rummel sei ein bisschen viel für ihn. Im Interview mit DerWesten verriet er, dass ihn sein kauziges „Nerd-Image“ nerve und er sich nicht noch einmal für „The Voice of Germany“ bewerben würde.

Jetzt ist Andreas Kümmert „The Voice of Germany“. Nachdem er im Laufe der Woche mit seiner Single „Simple Man“ bereits die iTunes-Charts bis auf Platz 1 stürmte, zeigte sich am Freitagabend auf Sat.1 die Überlegenheit des 27-Jährigen, die dem Ausgang der dritten Staffel bereits vor dem Finale jede Spannung zu nehmen schien. Doch die erste Stunde der dreieinhalbstündigen Show verlief nicht so ganz nach Plan für das Team von Max Herre.

Samu Haber zog alle Register im Kampf gegen den „Rocket Man“

Coach Samu Haber, der mit Judith van Hel und Chris Schummert gleich zwei Talente aus seinem Team ins Finale von „The Voice of Germany“ gebracht hatte, zog alle Register. So lieferte er mit Chris Schummert direkt zum Auftakt ein klasse Gitarren-Duett zu George Michaels „Faith“ ab. Coach und Talent sprühten vor guter Laune und Spaß an der Musik, was Chris Schummert noch einmal viele Sympathien einbrachte. Dazu zeigte sich, dass der 20-jährige Berliner auch mit einer markanten Superstar-Stimme wie der des „Sunrise Avenue“-Frontmanns mithalten kann.

Dann kam Andreas Kümmert an die Reihe. Doch seine Favoritenstellung konnte er bei seinem ersten Auftritt nicht untermalen. Während im Halbfinale und im Finale zahlreiche internationale Stars mit den Kandidaten sangen, wirkte die Einladung der hierzulande recht unbekannten Rebecca Ferguson als Partnerin für den „Rocket Man“ etwas überraschend. So stammte der Song „Nothing’s Real But Love“ der Britin aus dem Jahr 2012 und hatte in Deutschland auch nur Platz 64 der Single-Charts erreicht.

Kritik am Outfit von Andreas Kümmert im Finale

Dabei war die richtige Songauswahl in dieser Staffel so wichtig wie noch nie bei „The Voice of Germany“. Auch wenn allein schon der Klang von Andreas Kümmerts Stimme bei seinen Fans für Gänsehaut sorgt, fesseln konnte das Duell nicht. Die Stimmen harmonierten nicht so perfekt wie vorher bei Samu Haber und Chris Schummert.

Auch optisch sah das reichlich merkwürdig aus, als Rebecca Ferguson im feinen Glitzer-Abendkleid neben dem Kapuzen-Pulli-Mann stand. Man könne sich für so einen Auftritt passender anziehen und trotzdem seinem Typ und Stil treu bleiben, kritisierten User bei Twitter. Einige fanden das Outfit von Andreas Kümmert gar ein „wenig respektlos“. Das Äußere kümmert den Rocket Man allerdings grundsätzlich reichlich wenig: „„Das geht mir eigentlich am Arsch vorbei“, sagte er im DerWesten-Interview.

Shitstorm gegen Max Herre wegen Auftritt mit Andreas Kümmert

Bei seinem zweiten Auftritt mit seinem Coach Max Herre konnte Andreas Kümmert seine außergewöhnliche Stimme zur Geltung bringen. „You are so beautiful“, raunte er ins Mikro und sorgte damit für Gänsehaut bei vielen Fans im Studio und an den Fernsehbildschirmen. Doch nur für wenige Momente. Max Herre hatte für den Klassiker eine besondere Version kreiert und rappte plötzlich auf Deutsch dazwischen.

Rappender Max Herre „versaut das Lied“

Was vielleicht Herre-Fans amüsant finden, kam bei den Kümmert-Anhängern gar nicht gut an. „Max versaut das Lied“ und „stört“ den Auftritt von Andreas schimpften zahlreiche Nutzer via Twitter. „Den Rap-Max braucht kein Mensch“, ärgerte sich etwa User „neremis“. Aber auch dieses Eigentor sollte den „Rocket Man“ an diesem Abend nicht stoppen.

BossHoss verzockten sich mit Debbie Schippers bei „The Voice of Germany“

Keine große Rolle spielte im Finale von „The Voice of Germany“ Debbie Schippers aus dem Team von „The BossHoss“. Da hatten die Cowboys, die mit Ivy Quainoo die Siegerin der ersten Staffel von „The Voice of Germany“ gestellt hatten, auf das falsche Pferd, beziehungsweise in dem Fall auf das falsche Küken gesetzt. Sie förderten die 17-Jährige in Battles und Liveshows, wo es nur ging.

Aber der „Freude-Flummi“ aus den „Blind Auditions“ fand beim „The Voice of Germany“-Publikum keine große Fan-Gemeinde. Stattdessen musste die Geilenkirchenerin mit ihrer hibbeligen Art aufpassen, dass sie keinen allzu großen Nervfaktor bei den Zuschauern heraufbeschwor.

Ellie Goulding sang Debbie Schippers an die Wand

Mit ihrem Song „Skin and Bones“ lag Debbie Schippers im Vergleich zu ihrer Konkurrenz nach einer Woche weit abgeschlagen in den iTunes-Charts. Im Finale bekam sie dann auch stimmlich noch einmal ihre Grenzen aufgewiesen. Ellie Goulding sang sie in ihrem Duett (sicherlich unabsichtlich) an die Wand. Und auch ihr Auftritt mit Sascha Vollmer und Alec Völkel von „The BossHoss“ konnte da nichts mehr rausreißen. Mit ihren gerade 17 Jahren hat die von ihren Coaches zum Ausnahmetalent gekürte Debbie allerdings noch alle Türen offen.

Als Nena Moderator Thore Schölermann in die Parade fuhr

Apropos 17 Jahre: Coach Nena war im Finale mangels eines eigenen Finalisten allenfalls eine Randfigur. Während sie das meiste wie immer ganz „herrlich“ fand und Chris Schummert zum xten Mal knuddeln wollte, fuhr sie Moderator Thore Schölermann mächtig in die Parade.

Der hatte gerade erst geschwärmt, wie weit Debbie Schippers gesanglich mit ihren erst 17 Jahren wäre. „Es langweilt mich, wenn alle immer davon reden, wie jung Du bist“, ätzte sie in Richtung des Moderators. Und legte nach: „Es sagt dir auch keiner, dass Du mit 29 Jahren schon so einen Job machst“.

James Blunt machte Doris Golpashin bei "The Voice of Germany" ganz "wuschig"

Hier zeigte sich Thore Schölermann sehr souverän, indem er geschickt zu The BossHoss weiterschwenkte. Ansonsten ließ sich der Moderator abermals viel zu sehr von der begeisterten Atmosphäre im Saal anstecken und vergaß bei Interviews mit den Gast-Stars zumindest einen Teil des englischen Dialogs zu übersetzen.

Ihre Probleme mit den Superstars hatte auch Co-Moderatorin Doris Golpashin. James Blunt brachte sie mit einem Scherz über offene Hosen völlig aus dem Konzept: „Die Moderatorin ist ganz wuschig“, kommentierte Twitterin „anamoringbusch“.

Judith van Hel schwärmt von sexy Samu Haber

Sehr gut kam dagegen Judith van Hel mit ihrem englischen Gesangs-Partner Tom Odell zurecht. Ihr Duett zu „Another Love“ gehörte sicherlich zu den Höhepunkten des Abends. Allerdings fiel der Solo-Teil der Kandidatin relativ knapp aus. Odell als auch später Samu Haber bei dem gemeinsamen Auftritt überrollten die Stimme der 27-Jährigen aus München geradezu.

Ihre große Stärke hat Judith van Hel, wenn sie alleine ruhige Balladen singen darf. Damit hat sie den Weg ins Team von Samu Haber gefunden und ist schließlich im Finale von „The Voice of Germany“ gelandet. Was sie von ihrem Coach hält, verriet übrigens Doris Golpashin: „Du hast nach den Proben erzählt, Samu wäre unglaublich sexy und hätte eine geile, tiefe Männerstimme“.

Samu Haber ist ein Glücksgriff für die „The Voice of Germany“-Jury

Damit hat sie auf den Punkt, was viele weibliche Zuschauer von „The Voice of Germany“ zu großen Fans des Finnen-Teams gemacht haben. Samu Haber war auch dank seiner charmant-witzigen Art ein echter Glücksgriff für Sat.1 und ProSieben als Nachfolger des beliebten Rea Garvey in der Jury.

Der andere Neuling unter den Coaches, Max Herre, erwarb sich mit vielen sachkundigen Kommentaren und einer wohltuend zurückhaltenden Art viele Sympathien und hat damit Xavier Naidoo sehr gut ersetzt. Dass Max Herre direkt in seiner ersten Staffel auch noch den „The Voice of Germany“-Gewinner stellt, ist für den deutschen Musik-Produzenten das i-Tüpfelchen.

Andreas Kümmert hat das größte Potenzial der bisherigen "The Voice of Germany"-Sieger

Mit 47,44 Prozent sicherte sich Andreas Kümmert den Titel „The Voice of Germany“ mit einem großen Vorsprung. Chris Schummert kam als zweiter auf 27,54 Prozent. Dahinter landete Judith van Hel mit 17,51 Prozent vor Debbie Schippers mit 7,51 Prozent.

Andreas Kümmert besitzt das größte Potenzial der bisherigen „The Voice of Germany“-Sieger. Während Ivy Quainoo sich mit zwei Alben einigermaßen in der Musik-Szene etablieren konnte, geriet Vorjahressieger Nick Howard relativ schnell in Vergessenheit.

Sieger-Single "Simple Man" ist nur eine Sicherheits-Nummer

Mit Max Herre hat Andreas Kümmert einen hervorragenden und erfahrenen Musik-Produzenten an seiner Seite. Auch wenn der Sieger-Titel „Simple Man“ allenfalls eine massentaugliche Sicherheits-Nummer ist und in erster Linie durch die Stimme von Andreas Kümmert aufgewertet wird.

Noch kein Sieger von „The Voice of Germany“ hat während einer Staffel einen so großen Zuspruch erfahren und konnte die Menschen mit seinem Gesang derart berühren wie der 27-Jährige. Wenn es dem Duo gelingt, dieses Potenzial in naher Zukunft in weiteren Eigen-Produktionen auszuschöpfen, könnte Andreas Kümmert einer der wenigen Castingshow-Teilnehmer sein, die auf dem Weg dauerhaft erfolgreich im Musik-Geschäft Fuß fassen.

 
 

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