SPD zieht mit Currywurst-Slogan in den Wahlkampf

Das Currywurst-Plakat setzte sich in einer Facebook-Abstimmung durch. Nun soll es tausendfach im Wahlkampf eingesetzt werden.
Das Currywurst-Plakat setzte sich in einer Facebook-Abstimmung durch. Nun soll es tausendfach im Wahlkampf eingesetzt werden.
Foto: SPD
Basisdemokratie können nicht nur die Piraten. Die NRW-SPD hat ihren Anhängern die die Auswahl eines Wahlplakats überlassen. Herausgekommen ist ein skurriles Plakat, das den Werbe-Slogan "Currywurst ist SPD" trägt. Nun geht das Plakat in den Seriendruck.

Essen. Die SPD ist Arbeiterpartei, sie ist sozial, sie ist gerecht. Die Liste der mit der Partei assoziierten Begriffe ist lang. Doch wie lange müssen Sie überlegen um zu folgender Assoziation zu gelangen?

Currywurst ist SPD.

Lange, oder? Und dennoch wird dieser Slogan demnächst tausende Wahlplakate der SPD im NRW-Wahlkampf zieren. Denn "Currywurst ist SPD" hat sich beim Plakatwettbewerb der Sozialdemokraten durchgesetzt - mit großem Abstand, wie die Partei betont.

Über 300 verschiedene Motive reichten SPD-Anhänger ein. Viele davon im klassischen Stil ("Kraftvoll für NRW", "Volle Kraft voraus", "Sichere Arbeitsplätze, solide Unternehmen"), andere gewagter (ein leeres Plakat mit dem Slogan "Ohne Kraft fehlt dir was"). Einige eingereichte Plakate lassen auch getrost bezweifelt werden, dass seine Schöpfer es mit den Sozialdemokraten und Hannelore Kraft wirklich gut meinen.

Dass einige Motive nicht dem gewünschten Maßstab entsprachen, lässt sich an dem Update erkennen, dass die NRW-SPD auf der Website schaltete:

"Einreichungen, die offensichtlich für andere Parteien werben, können wir natürlich nicht berücksichtigen. Gleiches gilt für Motive, die auf andere Websites hinweisen, als auf die der NRWSPD."

Fachjury wählte das Currywurst-Plakat unter die Top Fünf

Eine fünfköpfige Fachjury wählte unter allen Einsendungen fünf Plakate aus und stellte sie zur Abstimmung. In der Jury saßen SPD-Generalsekretär Michael Groschek, Direktkandidatin Sarah Philipp, Schauspielerin Renan Demirkan, Internetaktivist Nico Lumma und Nadine Schlichte von der Werbeagentur "Butter".

Via Facebook konnten die Anhänger ihrem Plakatwunsch übers Wochenende Ausdruck verleihen. Über 7000 Menschen stimmten ab. Nicht schlecht für eine Partei, deren Spitzenkandidatin auf Facebook nicht einmal doppelt so viele Fans hat.

Das Currywurst-Plakat ließ die anderen Vorschläge weit hinter sich: 4497 Menschen klickten auf "Gefällt mir". Auf dem zweiten Platz: ein gespraytes Herz auf einer Mauer mit dem Schriftzug "Die Kraft im Herzen NRWs".

Currywurst-Motiv soll das Bodenständige der SPD ausdrücken

Seitdem das Currywurst-Plakat sich bei der Abstimmung durchgesetzt hat, ist - wenn man dem Parteisprecher glauben kann - bei der SPD nichts mehr, wie es war. "Anfragen aus aller Welt" habe man bekommen. Fans hätten sich erkundigt, ob Postkarten mit dem Motiv gedruckt würden. Postershops wollten das Plakat drucken, noch bevor die SPD selbst mit dem Druck begonnen hat. Currywurstbuden hätten angefragt: Man wolle das Plakat neben dem Lokal aufstellen. Die Resonanz im Netz sei sowieso überwältigend.

Die Schöpfer des Currywurst-Plakats sind Erik Flügge und Jonathan Gauß, zwei Juso-Mitglieder aus Tübingen in Baden-Württemberg. Im Interview mit sueddeutsche.de erklärt Flügge, wie er zu der Idee gekommen ist: "Wir haben überlegt: Was ist das SPD-Gefühl, was ist der Ruhrpott, was ist die Partei? Der SPD-Wähler lebt auch gerne und genießt das Bodenständige."

Das Currywurst-Motiv fällt aus dem Rahmen

[kein Linktext vorhanden]Ob die Menschen diese subtile Botschaft erkennen, ist noch nicht abzusehen. Es sei natürlich "ein Plakat zum Schmunzeln", heißt es in der SPD-Pressestelle. Das Motiv falle aus dem Rahmen.

Rainer Schmeltzer, Landtagsabgeordneter aus Lünen, ist jedenfalls überzeugt von dem Motiv: "Das ist eine lustige Alternative zu normalen Plakaten." Die Currywurst sei ein Identifikationsobjekt - genau wie die SPD. Das zeige auch die hohe Resonanz, die das Motiv in sozialen Netzwerken bekomme.

SPD-Abgeordnete glauben an den Erfolg des "Spaßplakats"

Sorgen, dass das Plakat außerhalb dieser Netzwerke, also am Laternenpfahl, nicht verstanden würde, macht er sich nicht. "Plakate sind immer schwierig und wir werden dieses Motiv auch nicht flächendeckend einsetzen."

Seine Fraktionskollegin Gerda Kieninger aus Dortmund sieht das ähnlich, auch wenn sie "verwundert war, als sie das Plakat zum ersten Mal sah. "Es ist ein Spaßplakat, das für junge Leute gedacht ist." Man könne es mit einem Plakat nicht allen recht machen. Sie bezweifelt allerdings auch, dass Plakate über den Wahlsieg entscheiden: "Plakate erinnern die Leute daran, dass Wahl ist. Die Entscheidung beeinflussen sie kaum."

Facebook-Nutzer üben Kritik am Currywurst-Plakat - "Gibt es dazu Kraft-Ketchup?"

Deutlich kritischer beurteilen die Facebook-User die Plakatauswahl. Auf der Fanseite von Hannelore Kraft üben sie teils sehr deutliche Kritik am Currywurst-Motiv. "Einem Wähler dieses Plakat innerhalb von zwei Wochen als Erfolg zu verkaufen, wird eine echte Herausforderung!", schreibt einer. Ein anderer fragt entnervt: "Alte Tante [SPD], wo bist du gelandet, wenn dir nur so etwas einfällt?

Einige weisen darauf hin, dass die Currywurst in Berlin erfunden worden sei. Einer fragt: "Gibt es dazu auch Kraft-Ketchup?

Currywurst-Plakat soll tausendfach gedruckt werden

Wie viele Currywurst-Plakate gedruckt werden, weiß die SPD noch nicht. Das sei, so die Zentrale, von den Bestellungen der Bezirksverbände abhängig. Man rechne aber damit, dass "Currywurst ist SPD" bald mehrere tausend Mal an Straßen in NRW zu sehen ist.

Alle eingereichten Plakatvorschläge sind auf der SPD-Website zu sehen.

 
 

EURE FAVORITEN