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„Selbstbewusst bis arrogant“ – Opferanwalt kritisiert Zschäpes Auftreten im NSU-Prozess

Kritik an Zschäpes selbstbewusstem Auftreten im NSU-Prozess

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Selbstbewusst trat die Hauptangeklagte Beate Zschäpe am Montag beim ersten Prozesstag auf. Foto: rtr
Gerade einmal sechseinhalb Stunden hat der mit Spannung erwartete Beginn des NSU-Mordprozesses gedauert. Dann war Schluss – wegen Befangenheitsanträgen. Erst in gut einer Woche geht es weiter. Für Unmut sorgt das Auftreten der Hauptangeklagten Beate Zschäpe.

Berlin/München. 

Der Berliner Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler hat das Auftreten der Hauptangeklagten Beate Zschäpe beim NSU-Prozess in München kritisiert. „Ihr Auftritt war selbstbewusst bis arrogant“, sagte er der „Berliner Zeitung“ nach dem ersten Prozesstag am Oberlandesgericht München. „Sie schien sich im Glanz der Kameras zu sonnen und genoss es offenbar, im Mittelpunkt zu stehen.“

Daimagüler vertritt im NSU-Prozess zwei Opferfamilien. Er kritisierte die Befangenheitsanträge der Verteidigung gegen den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl als offenkundig unbegründet. Die Anträge haben schon am ersten Prozesstag zu einer Unterbrechung der Verhandlung für eine Woche gesorgt. Sie soll nun am 14. Mai fortgesetzt werden.

NSU wird für zehn Morde verantwortlich gemacht

Neben Zschäpe müssen sich vier mutmaßliche Helfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) in dem Prozess verantworten, der als einer der bedeutendsten in der Geschichte der Bundesrepublik gilt. Es handelt sich um den ehemaligen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben und um Carsten S. Sie sollen die Pistole besorgt haben, mit der neun Morde verübt worden waren. Beide sind wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. André E. und Holger G. wird die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Der rechte Terror der NSU Zschäpe soll mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den NSU gebildet haben, der für zehn Morde zwischen 2000 und 2007 verantwortlich gemacht wird. Ihr droht lebenslange Haft. Ihre beiden Komplizen hatten sich im November 2011 selbst getötet, um einer Festnahme zu entgehen.

Integrationsbeauftragte hofft, dass „Vertrauen wieder hergestellt wird“

Aus Sicht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), hat oberste Priorität, dass es durch den NSU-Prozess zu einer „vollständigen Aufklärung dieser menschenverachtenden Morde“ kommt. „Entscheidend ist, dass verloren gegangenes Vertrauen wieder hergestellt wird“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“ .

„Viele Migranten haben ihr Zutrauen zum deutschen Rechtsstaat und in seine Institutionen verloren.“ Wichtig für Deutschland sei die sorgfältige Aufarbeitung der rechtsterroristischen Taten. „Dazu gehört auch die Frage, warum die Opfer u nd ihre Familien lange Zeit unter falschem Verdacht standen.“ (dpa)