Norbert Röttgen in der Zwickmühle

DerWesten
Mit einer starken Gegnerin und fehlenden Machtoptionen droht dem CDU-Spitzenmann ein Dämpfer bei der Landtagswahl in NRW. Kaum stand fest, dass es Neuwahlen geben würde, sah sich der Bundesumweltminister mit der Frage konfrontiert, wie er es denn halten wolle mit seinem Posten in Berlin.

Düsseldorf . Dieses Mal hat sich Norbert Röttgen verkalkuliert. Vor gut eineinhalb Jahren gewann der Bundesumweltminister - für viele überraschend - das Rennen um den Landesvorsitz der nordrhein-westfälischen CDU. Selbstverständlich werde er die Partei bei der nächsten Landtagswahl als Spitzenkandidat anführen, versicherte er bei seiner Kür. Offensichtlich vernachlässigt hatte Röttgen aber das Risiko, dass der nächste Wahlkampf schneller kommen würde als gedacht. Nun kann er fast nur verlieren.

Kaum stand fest, dass es Neuwahlen geben würde an Rhein und Ruhr, sah sich der Bundesumweltminister mit der Frage konfrontiert, wie er es denn halten wolle mit seinem Posten in Berlin. Würde er alles auf eine Karte setzen und einen Wahlkampf „ohne Rückfahrticket“ machen, und zur Not auch Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag werden? Obwohl Röttgen immer wieder versicherte, diese Frage stelle sich für ihn nicht, er wolle Ministerpräsident werden, blieb etwas hängen. Für seine Kritiker ist er eben „der aus Berlin“ - und nicht der mögliche neue Landesvater.

Merkels Kronprinz

Röttgen wurde am 2. Juli 1965 in Meckenheim bei Bonn geboren. 1982 trat er der CDU bei, war zwischen 1992 und 1996 Landesvorsitzender der Jungen Union in NRW und von 2000 bis 2002 Vize der nordrhein-westfälischen Landesgruppe im Bundestag. 2002 wurde er rechtspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion und war von 2005 bis 2009 Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion. Seit 2010 ist der redegewandte Jurist zudem stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender.

Immer wieder wird Röttgen nachgesagt, dass er sich auch die Kanzlerschaft zutrauen würde. Neben Arbeitsministerin Ursula von der Leyen gilt Röttgen als Kronprinz von Angela Merkel. Dabei waren seine zweieinhalb Jahre als Minister ein einziges Auf und Ab. Zog er bei der Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke zunächst den Kürzeren, konnte er wenige Monate später bei der Energiewende seine Vorstellungen durchsetzen: Als Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima besiegelte die Regierung den Atomausstieg und damit auch die Energiewende - Röttgens großes Projekt. Für Kritik sorgte zuletzt allerdings die Kürzung der Solarförderung.

Röttgen fehlen die Machtoptionen

Röttgen, Vater von drei Kindern, gilt als Vertreter einer modernen CDU und Befürworter schwarz-grüner Bündnisse. Schon in den 1990er Jahren gehörte Röttgen zu jenen CDU-Jungpolitikern, die sich in Bonn mit Vertretern der Grünen trafen und die „Pizza-Connection“ gründeten. Im nordrhein-westfälischen Wahlkampf indes ist Schwarz-Grün aufgrund der Stärke der SPD kein Thema.

Im direkten Vergleich mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kann Röttgen nicht punkten. Der Minister gilt als schneller Denker, sein Intellekt ist unbestritten. Ein Wahlkämpfer aber ist er nicht. Im direkten Kontakt mit den Bürgern fremdelt er.

Röttgen fehlen die Machtoptionen. Schwarz-Grün ist kein Thema und ob die Liberalen den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, ist weiter offen. Am 13. Mai kann Röttgen daher nur verlieren. Der größte derzeit denkbare Erfolg für seine Partei - eine Regierungsbeteiligung als Juniorpartner der SPD, falls es für Rot-Grün doch nicht reichen sollte - wäre für Röttgen das größte Problem. Denn es ist kaum vorstellbar, dass er als stellvertretender Ministerpräsident in Düsseldorf bleiben würde. Dass er geschwächt aus der Wahl hervorgehen wird, kann der frühere Judokämpfer nicht verhindern. (dapd-nrw)