Merkel holt CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann aus NRW nach Berlin

Wilfried Goebels
Karl-Josef Laumann, bislang Chef der CDU-Fraktion im NRW-Landtag, soll neuer Patientenbeauftragter der Bundesregierung werden.
Karl-Josef Laumann, bislang Chef der CDU-Fraktion im NRW-Landtag, soll neuer Patientenbeauftragter der Bundesregierung werden.
Foto: dpa
Seit langem schon wurde der renommierte Sozialpolitiker Karl-Josef Laumann für einen Posten in der Hauptstadt gehandelt. Bislang verzichtete der bodenständige Münsterländer auf einen Berlin-Wechsel. Doch nun hat Kanzlerin Angela Merkel Laumann überzeugt: Der Mann aus Steinfurt wird Patientenbeauftragter. Das hat auch Auswirkungen auf die CDU-Führung in Düsseldorf.

Düsseldorf/Berlin. „Ich kehre in die Sozialpolitik zurück.“ Zwar ist dem 56-jährigen Karl-Josef Laumann die Entscheidung am Ende nicht leicht gefallen, sein Landtagsmandat in Düsseldorf aufzugeben. In einem Vieraugengespräch überzeugte Kanzlerin Angela Merkel den erklärten Sozialexperten aber am Freitag davon, dass sein Profil in der Bundespolitik gebraucht wird. Als Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales war Laumann von 2005 bis 2010 ein gewichtiges Pfund, wenn es in der Republik ums Soziale ging.

Hauptschüler und gelernter Maschinenschlosser – stets stand Laumann an der Seite der „kleinen Leute“. In der Funktion des Patientenbeauftragten will sich der CDU-Politiker künftig vor allem mit der Reform der Pflegeversicherung beschäftigen. Laumann wird beamteter Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerin – will aber parteipolitisch aktiv bleiben. Als Chef des wichtigen CDU-Sozialausschusses CDA und Bezirksvorsitzender im Münsterland hält der erdverbundene Politiker weiter wichtige Hebel in der Hand.

Das Ende der Doppelspitze in NRW

Durch den Wechsel von Düsseldorf nach Berlin löst Laumann auch die schwierige CDU-Doppelspitze in NRW auf. CDU-Landeschef Armin Laschet hat jetzt freie Bahn, sich als Vorsitzender von Landespartei und Landtagsfraktion für die Spitzenkandidatur 2017 in Stellung zu bringen. „Das würde ich für sinnvoll halten“, sagte Laumann. Irgendwann hätte die Doppelspitze beendet werden müssen – jetzt sei dies ein Jahr eher passiert als geplant.

Die größte Herausforderung im neuen Amt sieht Laumann in den „Riesenveränderungen“ für die Gesellschaft durch den demografischen Wandel. „Die Zahl der Patienten und Pflegebedürftigen steigt. Sie brauchen ein offenes Ohr und eine tatkräftige Hand in der Bundesregierung.“ Dabei soll Laumann auch verhindern, dass die sozialen Themen in der großen Koalition allein der SPD überlassen werden. Dass er ohne Bundestagsmandat im Bund handeln muss, ist für den bis 2005 aktiven Bundestagsabgeordneten eine neue Rolle.

Gutes Verhältnis zu Gröhe

Mit dem künftigen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe aus Neuss verbindet das Steinfurter CDU-Präsidiumsmitglied Laumann nach eigenen Angaben ein gutes Miteinander. Laumann legt auch Wert auf die Feststellung, dass die umstrittene CDU-Doppelspitze in Fraktion und Partei mit Laschet gut zusammen gearbeitet habe. Dass sich beide Politiker mit Blick auf die Spitzenkandidatur 2017 gegenseitig „belauert“ haben, wird in der CDU-Spitze als mediales Gerücht abgetan.

Immer wieder war vermutet worden, dass Laumann nach Berlin wechseln könnte. Aus persönlichen Gründen hatte der Münsterländer dies bis zuletzt abgelehnt. Jetzt ist er dem Ruf der Kanzlerin doch noch gefolgt.