Wikinger trugen Hörner-Helme? Beliebte Geschichts-Irrtümer

Die Erde ist keine Scheibe. Das wussten schon die Menschen der Antike.
Die Erde ist keine Scheibe. Das wussten schon die Menschen der Antike.
Foto: dpa
Hitler baute die erste Autobahn und Wikinger trugen Helme mit Hörnern? Alles falsch! Wir haben verbreitete geschichtliche Irrtümer zusammengetragen.

Essen.. 1) Im Mittelalter dachten die Menschen, die Erde sei eine Scheibe.
Stimmt nicht! Schon in der Antike war bekannt, dass die Welt rund ist, und Aristoteles beispielsweise hatte dies in seinen Schriften vielfach begründet. Die Annahme einer flachen Erde war stets eine Mindermeinung. Ptolemäus hatte die Kugelform im 2. Jahrhundert nach Christus bereits mathematisch nachgewiesen. Und Darstellungen des Adlers auf einem Reichsapfel zeigen, dass auch die Weltvorstellung im Mittelalter durch die Kugel geprägt war. Dennoch hält sich das Gerücht hartnäckig, dass Seefahrer nie bis zum Ende der Welt fahren wollten, weil sie Angst gehabt hätten, irgendwann von der Klippe zu stürzen. Aber bereits die Wikinger umsegelten die halbe Welt und gelangten bis nach Amerika.

2) Wikinger trugen Helme mit großen Hörnern.
Falsch! Spätestens seit Wickie wissen wir alle: Wer ein echter Wikinger ist, trägt Helm mit Hörnern. Das sieht vielleicht schön und erschreckend aus, Fakt ist aber: Ein Helm mit Hörnern wäre im Kampf ziemlich unpraktisch gewesen. Außerdem gibt es bisher keine Fundstücke, die auf Helme dieser Art schließen lassen.

Es gibt jedoch Darstellungen der Bronzezeit aus dem skandinavischem Raum, die Figuren mit Hörnern auf dem Helm zeigen. Historiker sind sich jedoch sicher, dass diese Kopfbedeckung nur für rituelle Zwecke genutzt wurde. Das heutige Bild der Wikinger, samt Hörner-Helm, haben wir laut dem Buch "Irrtümer der Allgemeinbildung" wahrscheinlich Richard Wagner und seinem Bühnenbildner für die Oper "Ring der Nibelungen" zu verdanken.

3) Albert Einstein war ein überschlauer Mensch und trotzdem schlecht in der Schule.
Stimmt nicht. Albert Einstein war schon in der Schulzeit ein aufgewecktes und neugieriges Kind. Dass Einstein ein schlechter Schüler gewesen sei, ist ein Irrtum. Sein Biograf machte einen Fehler bei der Übertragung der Schulnoten ins Deutsche. So entstand die Verwechslung, dass eine Sechs in der Schweiz auch eine Sechs im Deutschen sei. Die Sechs ist jedoch vergleichbar mit der deutschen Eins und somit Bestnote. Und davon hatte Einstein ziemlich viele.

Dennoch wird vermutet, dass Albert Einstein zwar hochbegabt, aber doch nicht der allerschlaueste Mensch war. Sein IQ wird auf 160 geschätzt. Mozart hingegen soll einen IQ von 165 gehabt haben und Goethe einen von 210. Nur Leonardo da Vinci soll noch intelligenter gewesen sein (220). Der Durchschnitts-IQ liegt übrigens bei 100 bis 110.

4) Die neue Zeitrechnung begann mit dem Jahr, in dem Jesus Christus geboren wurde.
Falsch! Egal ob 2000 vor oder 2000 nach Christus: Unsere Zeitrechnung dreht sich um das Jahr, in dem Christus angeblich geboren wurde. Doch schaut man genauer hin, stimmt das nur in der Theorie. Für die antiken Zeitgenossen und Historiker, war die Geburt eines kleinen Jungen im Stall von Bethlehem erst einmal ohne größere Bedeutung - also auch kein Datum für einen zeitlichen Bezug.

Erst Mönch Dionysius Exiguus, begründete etwa ein halbes Jahrtausend später die christliche Zeitrechnung und nannte das Jahr von Jesu Geburt als Jahr eins. Doch diese Rechnung ist ungenau, denn das Leben des Jungen aus Galiläa ist nur im neuen Testament beschrieben, und da gibt es unterschiedliche Datierungen. Mönch Dionysius konnte das damals noch nicht wissen. Aktuell gehen die meisten Forscher davon aus, dass der historische Jesus irgendwann zwischen den Jahren Sieben und Vier vor seiner angenommenen Geburt zur Welt gekommen ist.

5) Charles Lindbergh überflog als erster nonstop den Atlantik.
Stimmt nicht! Charles Lindbergh ist zwar mit dem ersten Allein-Flug über den Atlantik zur Legende geworden, aber er war nicht der erste Pilot, der diese Strecke nonstop zurücklegte. Im Buch "Das Doppelleben des Charles A. Lindbergh" von Dyrk Hesshaimer und Rudolf Schröck wird erklärt, wie bereits im Juni 1919, also acht Jahre vor Lindbergh, die beiden Briten John Alcock (Pilot) und Arthur Whitten Brown (Navigator) in einem Doppeldecker von Neufundland nach Irland flogen. Großartigen Ruhm dafür ernteten sie mangels Aufmerksamkeit aber nicht.

Erst als Charles Lindbergh 1927 mit seiner „Spirit of St. Louis“ in New York startete und mehr als 33 Stunden später in Paris landete, wurde die Nonstop-Atlantiküberquerung mit großer medialer Aufmerksamkeit gefeiert. Lindbergh wurde zum Star seiner Zeit.

6) Adolf Hitler ließ die ersten deutschen Autobahnen bauen.

Falsch! Das Konzept der Autobahn stammt bereits aus der Zeit der Weimarer Republik. Doch es dauerte, das Mammutprojekt auf die Beine zu bringen. Adolf Hitler setzte 1933, kurz nach seiner Wahl zum Reichskanzler, den ersten Spatenstich für die „Reichsautobahn“ von Frankfurt über Darmstadt und Mannheim nach Heidelberg. Doch damit war er nicht der erste.

Denn ein Jahr zuvor hatte bereits der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer, damals noch Oberbürgermeister von Köln, die erste für den öffentlichen Verkehr freigegebene Autobahn von Köln nach Bonn eröffnet. Der Bau dieser Autobahn begann 1929. Sie war der heutigen Autobahn sehr ähnlich, hatte aber noch keinen Mittelstreifen. Nachzulesen ist das im Buch "Mythos Reichsautobahn" von Erhard H. Schütz und Eckhard Gruber.

7) Die wichtigste Erfindung des Menschen war das Rad.
Stimmt nicht! Viel wichtiger, als das Rad zu erfinden, war für die Menschheit der Faustkeil. Er war das erste von Menschen hergestellte Werkzeug und gilt als Beginn der Werkzeugherstellung. "Ohne Rad ist so manche Kultur lange Zeit ganz gut zurechtgekommen", steht im Buch "Irrtümer der Allgemeinbildung" von Christa Pöppelmann. So wurden die Pyramiden und auch Stonehenge ohne Hilfe des Rades erbaut.

8) Der berühmte Mathematiker hieß Adam Riese.
Stimmt nicht ganz. Es gab einen Mathematiker, auf den die berühmte Rechnung zurückgeht. Aber dieser Mathematiker hieß nicht Adam Riese, sondern Adam Ries (1492-1559). Das zusätzliche "e" am Ende seines Namens kam dadurch zustande, dass man früher an Substantive gerne ein "e" anhängte, wie "beim Manne". "Ries war Leiter einer Rechenschule in Erfurt und Annaberg-Buchholz und veröffentlichte mehrere Mathematik-Bücher, die das Rechnen damals revolutionierten", so steht es in den "Irrtümern der Allgemeinbildung". Seitdem weiß jedes Kind: Zwei plus zwei macht nach Adam Riese vier.

9) James Watt hat die Dampfmaschine erfunden.
Falsch! Als der englische Erfinder Thomas Newcomen 1712 die erste verwendbare Dampfmaschine erfunden hat, war James Watt noch nicht einmal geboren. Diese Dampfmaschine wurde zum Abpumpen des Grundwassers in Bergwerken benutzt, wie es in dem Buch "555 populäre Irrtümer" heißt.

James Watt hingegen hat die Konstruktion der Dampfmaschine verbessert, indem er beispielsweise ein Sicherheitsventil und einen externen Kondensator einbaute.

10) Die chinesische Mauer ist vom Weltall aus zu sehen.
Stimmt nicht! Spätestens seit Alexander Gerst wissen wir, wie schön der Blick aus dem Weltraum auf die Erde sein kann. Die chinesische Mauer, Bauzeit fast 2000 Jahre, ist aber mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Das bestätigen zahlreiche Astronauten. Auch wenn die Mauer von der Erde aus unglaublich groß und lang erscheint, ist sie vom Weltraum aus nicht zu sehen. Die meisten Weltraummissionen verlaufen etwa 500 Kilometer über der Erde, der Mond ist sogar 363.000 Kilometer entfernt. Ohne Hilfsmittel kann man von dort aus die Mauer nicht erkennen - selbst wenn man wüsste, wo sie ist.

 
 

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