"Hätte, hätte, Deutschlandkette" - so lief das TV-Duell im Netz

Diese Kette war der heimliche Star beim TV-Duell zur Bundestagswahl 2013 zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück.
Diese Kette war der heimliche Star beim TV-Duell zur Bundestagswahl 2013 zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück.
Foto: dpa
"Hätte, hätte, Fahrradkette" - dieser Satz ist zu einem Markenzeichen von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück geworden. Während des TV-Duells am Sonntagabend war es aber Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die mit einer schwarz-rot-goldenen Halskette Aufmerksamkeit auf sich zog. Der Tweet "Hätte, hätte, Deutschlandkette" gehörte zu den am meisten verbreiteten Kurznachrichten des Abends.

Essen. Über 173 000 Tweets in 90 Minuten: Im Schnitt 32 mal pro Sekunde haben Twitter-Nutzer das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) online kommentiert. Am lebhaftesten ging es nach Twitter-Angaben kurz vor Schluss während des Abschluss-Statements Merkels zu. 2622 Kurznachrichten gingen in einer Minute online. Weltweit war #TVduell zwischenzeitlich der am meisten genutzte Hashtag. Wichtiger als die inhaltliche Auseinandersetzungen war vielen Twitter-Nutzern, wie Moderator und Entertainer Stefan Raab sich schlug.

"Hätte, hätte, Deutschlandkette": Der schwarz-gold-rote Halsschmuck von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dürfte der wahre Sieger des TV-Duells vom Sonntagabend sein. Noch während Merkel sich mit ihrem Herausforderer Peer Steinbrück herumstritt, wurde im Kurznachrichtendienst Twitter über die #schlandkette intensiv diskutiert. Ironisch beklagt wurde unter anderem, dass die Farbreihung eigentlich für Belgien und nicht für Deutschland stehe. Das Schmuckstück bekam sogar einen eigenen Twitter-Account, der binnen kürzester Zeit tausende Anhänger sammelte. Dabei hatte die Kette am Sonntagabend keineswegs Premiere. Merkel trug sie unter anderem bereits bei ihrer zweiten Wahl zur Kanzlerin im Bundestag 2009. Auch damals hatte der Halsschmuck für Aufsehen gesorgt.

So lief das TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück bei Twitter

Als das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück am Sonntag um 22 Uhr endete, ging der Kampf im Internet weiter. Anhänger und Gegner beider Kandidaten machten in sozialen Medien wie Facebook vor, während und nach der Fernsehsendung Stimmung für ihren jeweiligen Spitzenkandidaten. Besonders über den Kurznachrichtendienst Twitter - den es bei den ersten TV-Duellen 2002 und 2005 noch nicht gab - kämpften Parteien und Politiker für ihre Spitzenkandidaten.

"Peer Steinbrück macht schon in den ersten Minuten deutlich, was er als Bundeskanzler anders machen wird. Gut so!", twitterte SPD-Parteichef Sigmar Gabriel, um schon wenig später nachzulegen. "Wie erwartet: Merkel schafft es nicht, auf klare Fragen klare Antworten zu geben." Für die CDU trommelte vor allem Bundesumweltminister Peter Altmaier, einer der aktivsten Politiker bei Twitter und mit mehr als 46.000 Followern auch einer der populärsten. "Schade, dass @peersteinbrueck unser Land schon am Anfang schlecht redet. Damit löst er kein Problem, die Realität ist ganz anders!"

Parteien mischten kräftig mit im Netz 

Dass so hochrangige Politiker über die sozialen Netzwerke das laufende TV-Duell sofort ausgiebig kommentierten, hat einen Grund: Dort können sie Millionen vor allem jüngerer Wähler direkt erreichen. Mussten sie bei den früheren Zweikämpfen das Ende der Sendung abwarten, um dann in Kameras zu sprechen und Sieger und Verlierer auszurufen, begann der Kampf um die Deutungshoheit schon viel früher. Das mit Spannung erwartete einzige Duell lockte nicht nur Millionen vor die Fernseher, sondern war auch im Internet Gesprächsthema Nummer eins - jedenfalls in Deutschland. "Von wegen politikverdrossen - das TVduell ist heute Suchthema Nr. 1 bei Google", twitterte die Pressestelle des Suchmaschinen-Riesen. Und das Hashtag (Schlagwort) #TVDuell war schon lange vor Sendebeginn das populärste Thema beim Kurznachrichtendienst Twitter in Deutschland.

Kein Wunder, dass alle Parteien dort kräftig mitmischten. "Unsere Mutti ist die Beste!", schrieb etwa Dorothee Bär, stellvertretende CSU-Generalsekretärin und Bundestagsabgeordnete auf Twitter. Sogar Peer Steinbrück twitterte - allerdings nicht selbst, sondern sein Wahlkampfteam betreute während der Sendung seinen Account. Und das las sich dann beispielsweise so: "Das Betreuungsgeld ist bildungspolitisch und integrationspolitisch falsch."

Piratenpartei-Vorsitzender sieht "Anfang vom Ende"

Auch die kleineren Bundestagsparteien mischten im Netz kräftig mit. "Warum muss Steinbrück eigentlich immer das Land schlecht machen, wenn er für seine Politik wirbt?", fragte der stellvertretende FDP-Fraktionschef Volker Wissing. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin arbeitete sich an der Bundeskanzlerin ab: "Merkel: 'Wir können 2015 beginnen Schulden abzubauen'. Und warum haben Sie in Ihrer Amtszeit 500 Mrd. Schulden aufgetürmt?"

Auch die außerparlamentarische Opposition meldet sich zu Wort - darunter die besonders netzaffine Piratenpartei. "Es ist heute der Anfang des Endes der Ära Merkel. Sie wirkt nicht überzeugend genug für 4 weitere Jahre.", schrieb deren Bundesvorsitzender Bernd Schlömer.

Schon vor der 90-minütigen Debatte versuchten prominente Politiker, im Netz Stimmung für ihren jeweiligen Kandidaten zu machen. "Bin gespannt, ob Frau Merkel mal mit eigener Meinung aufwartet, oder wieder mit Guttenberg-Methode SPD Plagiate anbietet", twitterte SPD-Parteivorstand Ralf Stegner. "Heute kann Merkel nicht mehr vor Wahlkampf kneifen. Unser Land muss gerechter werden: Mindestlohn, Mietpreisbremse, anständige Renten".

Bundesumweltminister Altmaier gab sich erwartungsfroh: "Wir freuen uns auf einen sachlichen & fairen Austausch von Argumenten, mit dem wir Wähler überzeugen!" Auch die anderen Parteien mischten in den sozialen Medien kräftig mit. "Merkel sollte im Fernsehduell mit Steinbrück der Bevölkerung endlich die Wahrheit sagen: Der Schuldenschnitt für Griechenland wird kommen", twitterte etwa der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi. (dpa/afp/rtr)