Gemeinschaftsgärten – urbane Oasen im Ruhrgebiet

Thomas Mader
Gartenpioniere: Carlos Tobisch und Nils Bunse von den „Urbanisten“ aus Dortmund
Gartenpioniere: Carlos Tobisch und Nils Bunse von den „Urbanisten“ aus Dortmund
Foto: Funke Foto Services
Die Früchte der Arbeit ernten, macht gemeinsam mehr Freude, finden immer mehr Bürger. „Die Urbanisten“ helfen beim Aufbau von Gemeinschaftsgärten.

Dortmund. Natürlich gab es ein Festessen nach der ersten Ernte. Und neben Chilis und Paprika, Tomaten, Mangold und Rauke landeten auch die Karpfen auf dem Teller, die ein wichtiger Bestandteil des Dortmunder „Aquaponik“-Projekts sind. Das Prinzip funktioniert so: Die Fische werden in einem großen Behälter angefüttert, das Wasser mit ihren Ausscheidungen düngt die Pflanzen, die in einem Substrat wachsen. Natürlich ist das pflegeintensiv, dafür spart man Wasser und Dünger – ein Experiment, bei dem es darum geht, Lebensmittel vor Ort zu produzieren, im engen Stadtraum. „Wir wollten der Tomate aus Holland, der Weintraube aus Chile etwas entge­gensetzen“, erklärt Nils Rehkop (33) von der Gruppe „Die Urbanisten“.

Der Dortmunder Verein ist aus einer Studenten-WG hervorgegangen. Die Webdesigner, Raumplaner, Pädagogen, Chemiker haben im Kulturhauptstadtjahr Stromkästen gestaltet und seitdem allerlei Aktionen angeschoben. Dann fing Rolf Morgenstern an zu gärtnern, mitten in der Stadt. Es entstand ein Gemeinschaftsgarten, einer von mittlerweile 24 im Ruhrgebiet, die online registriert sind. Auch diese Seite haben die Urbanisten ins Leben gerufen – das verbindende Element der Szene, so verschieden die Ansätze auch sind.

In Gelsenkirchen zum Beispiel gibt es den „Internationalen Mädchengarten“, die Macher kümmern sich vor allem um Mädchen aus Einwandererfamilien. Schwerpunkt ist ein „Färbergarten“ – mit den Pflanzen kann man Stoffe färben. „Nach der Weltwirtschaftskrise 2008 ist die Zahl der Gemeinschaftsgärten rasant gestiegen“, sagt Carlos Tobisch, der das Projekt „Urbane Oasen“ betreut. Die Umnutzung des Tempelhofer Flughafens durch Bürgergärtner ist sicher das bekannteste Beispiel.

Ein anderer Favorit ist für den 30-jährigen Stadtentwickler der Generationengarten in Oberhausen. Er wird betrieben von der Arbeiterwohlfahrt, Schulklassen gärtnern hier zum Beispiel mit Rentnern. Überhaupt Oberhausen: „Essbare Stadt“ will es werden. Die Stadt will möglichst viele Grünflächen ausweisen, auf denen dann statt städtischen Blümchen, die Bürger Gurken und Apfelbäume pflanzen können.

Natürlich erhofft sich die arme Stadt auch finanzielle Effekte: Wenn Bürger auf öffentlichen Grundstücken gärtnern, dann reduzieren sich automatisch die Pflegekosten. Auch Mönchengladbach hat diese Rechnung aufgemacht und sich bei den Urbanisten gemeldet, um Flächen anzubieten. Die wollen nun eine Vermittlerfunktion auf ihrer Seite aufbauen.