Überraschungen beim Einkauf - Oreos sind vegan, Saft nicht

Veganes Weingummi und vegane Kekse lösen bei unserem Autor Jubelstürme aus - im Gegensatz zu Sojamilch oder Albaöl.
Veganes Weingummi und vegane Kekse lösen bei unserem Autor Jubelstürme aus - im Gegensatz zu Sojamilch oder Albaöl.
Foto: Funke Digital
Unser Autor Felix Laurenz ist in seinen Selbstversuch hinein gestolpert. Nun sucht er sich aber professionelle Hilfe und trifft sich mit "Vegan Buddy" Henriette Kortenkamp. Die soll ihm bei einer Tour durch den Supermarkt erklären, welche Produkte vegan sind. Dabei erlebt er einige Überraschungen.

Essen. Als sie sieben Jahre alt war, wurde Henriette Kortekamp Vegetarierin. Zwei Jahre lang hielt sie durch, doch dann begann sie wieder Fleisch zu essen. Am liebsten mochte sie Thunfisch, Lasagne und Salami-Pizza. Das, was eben die meisten Kinder im Grundschulalter gerne essen. Doch ihre Vorlieben änderten sich, als sie 11 Jahre alt war.

"Ich habe auf der Straße einen Tiertransport gesehen und da war mir klar: ich kann nie wieder Fleisch essen." Neun Jahre später wurde sie dann Veganerin. Jetzt ist Henriette Kortekamp mein "Vegan-Buddy". Als Mitglied im Vegetarier-Bund hilft sie ehrenamtlich Leuten wie mir. Leuten, die noch nicht wissen, wie sie ohne tierische Produkte am besten leben. Sie soll mir erklären, welche Produkte ich als Neu-Veganer bedenkenlos kaufen kann.

Auf der Suche nach veganer Bildung

Eigentlich hätte ich mich schon vor dem Beginn meines Selbstversuchs mit ihr treffen müssen. Denn insgesamt bin ich ich ziemlich unbeholfen in meinen Selbstversuch gestolpert. Viele Produkte die ich gekauft habe, schmeckten scheußlich, einige waren viel zu teuer. Außerdem habe ich gerade am Anfang viel zu viele Marmeladenbrote gegessen. Jetzt will ich, auch aus Eigennutz, immerhin ein bisschen vegane Bildung nachholen. Und die soll Henriette Kortekamp mir vermitteln.

Sie ist 27 und sieht nicht aus, wie sich der Fleischesser sich einen typischen Veganer vorstellt. Kortekamp ist werder blass noch zu dünn und außerdem bester Laune als wir uns treffen. Zuerst gehen wir in einen großen Supermarkt in Rüttenscheid. Dort will sie mir zeigen, was Veganer in einem normalen Laden kaufen können.

Vorsicht beim Saftkauf

Wir starten dort, wo Veganer noch unvorsichtig sein dürfen: in der Obst - und Gemüseabteilung. Das ist, wenn man so will, die grüne Zone. Doch schon bei den Getränken wird es kompliziert. Viele Säfte werden mit Gelatine geklärt und sind deshalb unvegan. Auf der Inhaltsliste steht davon aber nichts. "Die Gelatine wird zur Klärung eingesetzt, im Endprodukt ist sie nicht mehr enthalten", erklärt Kortekamp. Sie gibt mir den Tipp, deshalb besser naturtrübe Säfte oder Direktsäfte zu kaufen. Einige Marken verzichten mittlerweile aber auf den Einsatz von Gelatine zur Klärung.

Zur Veganerin wurde Henriette Kortekamp während ihres Studiums. Letztlich half ihr der Film "Earthlings", eine Dokumentation in der es um die Haltung von Nutztieren geht, bei der Entscheidung. "Nach dem Film habe ich direkt einen veganen Studienkollegen angerufen und gefragt: Wie kann ich Veganer werden?" Den Film wollte sie danach nie wieder sehen.

Alles ist nur "wie Fleisch"

Mittlerweile sei es relativ leicht vegan, zu leben, erklärt Kortekamp. Vor einigen Jahren sei das noch anders gewesen. "Damals gab es im Café noch nicht einmal Sojamilch."

Veganes Leben Die nächste Station im Supermarkt ist das vegane Kühlregal. Fast alle Produkte die hier stehen, haben den Zusatz "Wie". Der soll zeigen, welchem tierischen Produkt sie nachempfunden sind. Es gibt "Wie Butter", "Wie Hacksteaks" oder auch "Wie Leberwurst". Ob die nachgemachte Leberwurst wirklich "wie Leberwurst" schmecke, will ich wissen. Aber mein Vegan Buddy zuckt nur mit den Schultern.

Mit Scheuklappen durch den Supermarkt

"Keine Ahnung. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie sowas schmeckt", gesteht Kortekamp. Fleisch und andere tierische Produkt würde sie im Supermarkt ohnehin kaum noch bemerken. Mit der Zeit würde man als Veganer mit Scheuklappen durch den Laden laufen: "Ich weiß, welche Produkte vegan sind und welche nicht. Alles andere sehe ich gar nicht mehr."

Auch Henriette Kortekamps Kinder leben übrigens vegan. Ihre Tochter ist sechs und geht in den Kindergarten. "Die kennt es gar nicht anders." Sogar, wenn sie bei anderen Kindern zum Geburtstag eingeladen ist, gibt es für sie immer einen veganen Kuchen. Und auch sonst würde man als Veganer mittlerweile fast überall etwas zu essen bekommen: "Man muss nur selbstbewusst sein und so tun, als sei es ganz üblich, sich vegan zu ernähren", sagt Kortenkamp.

Überall lauert unveganes

Manchmal haben Veganer es aber auch leicht. Denn einige Dinge sind überraschenderweise vegan. Die Kekse mit Schokoüberzug von der Eigenmarke des Supermarkts ebenso, wie Oreo-Kekse - und das, obwohl auf der Verpackung ein Glas Milch abgebildet ist. Und auch Instant Götterspeise (ganz ohne Gelatine) kann ich bedenkenlos kaufen. Sogar veganes Weingummi bekomme ich.

Außerdem packe ich viele Ersatzprodukte ein. Butterersatz, Sojamilch, Hafersahne, vegane Mayonnaise. Trotzdem: insgesamt gibt es Im Supermarkt kaum spezielle Produkte für Veganer. Käse - und Fleischtheke ignorieren wir komplett, Und auch sonst findet sich in fast jedem Produkt etwas tierisches. Instant-Gemüsebrühe (enthält tierisches Fett), Wein (wird mit Gelatine geklärt), Rahmspinat, viele Müsliriegel (tierisches Lecithin) und sogar Kartoffelchips (enthalten oft tierische Fette) landen deshalb nicht in meinem Einkaufskorb.

Auch das Reformhaus ist kein Veganer-Paradies

Selbst, als wir später im Bio-Markt und im Reformhaus unterwegs sind, ist der Großteil der Produkte nicht vegan. Und um es noch komplizierter zu machen, sind manche veganen Produkte zwar als solche gekennzeichnet, andere aber wiederum nicht. Begeistert erzählt Henriette Kortekamp mir, dass sie in Berlin mal in einem veganen Supermarkt einkaufen war: "Da konnte ich einfach zugreifen, ohne nachzudenken." Bald gibt es auch in Essen einen veganen Supermarkt.

Billig waren die meisten Produkte übrigens nicht. Für eine Tafel Schokolade im Reformhaus zahle ich fast zwei Euro, zwei Holzfäller-Steak-Imitate kosten sogar 3,50 Euro. Und für eine Flasche Albaöl, eine Art Butter-Ersatz, zahle ich sogar sechs Euro. Ich werde also auch weiterhin ab und zu Nudeln mit Tomatensoße essen müssen.

Wer Infos über vegane Ernährung haben will, kann hier den für ihn zuständigen Vegan Buddy kontaktieren. Sie haben Anmerkungen oder Fragen? Schreiben Sie mir eine E-Mail an vegan@derwesten.de oder melden Sie sich über Twitter bei @laurenzvegan.

 
 

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