Enthüllungsportal Wikileaks geht in die Schweiz

DerWesten

Stockholm. Die Internetadresse Wikileaks.org ist nicht mehr erreichbar. Der amerikanische Domain-Name-Provider EveryDNS, hat die Adresse wegen Hacker-Attacken eingestellt. Nun hat sich Wikileaks in der Schweiz eine neue Internetadresse verschafft.

Die bisherige Internetadresse der Enthüllungsplattform Wikileaks ist seit dem späten Donnerstagabend nicht mehr erreichbar. Grund ist, dass der amerikanische Domain-Name-Provider EveryDNS, der die Adresse verwaltet, nach eigenen Angaben die Bearbeitung von Anfragen für die Website eingestellt hat. Dies sei notwendig geworden, da es wiederholt zu Angriffen auf die Adresse gekommen sei. Die Attacken hätten die gesamte Infrastruktur des EveryDNS-Netzwerkes gefährdet, hieß es. EveryDNS verwaltet den Zugang zu rund 500.000 Websites.

Wikileaks bestätigte den Vorgang über den Kurznachrichtendienst Twitter. Die Adresse Wikileaks.org sei vom US-Provider abgeschaltet worden, nachdem es angeblich massive Angriffe gegeben habe (“WikiLeaks.org domain killed by US everydns.net after claimed mass attacks“).

Die Plattform hat die Regierungen der USA und vieler anderer Staaten verärgert, weil dort fast eine halbe Million als vertraulich oder geheim eingestufte Dokumente über die Kriege der USA im Irak und in Afghanistan und zuletzt Zigtausende Mitteilungen von US-Diplomaten veröffentlicht worden waren.

Amazon zog den Stecker

Zuvor hatte schon Amazon.com den Stecker gezogen und Wikileaks von seinen Servern vertrieben. Wikileaks.org hatte davor die Mietserver von Amazon zur Speicherung der veröffentlichten Dokumente genutzt. Amazon war nach Bekanntwerden dieses Vorgang von Kongressabgeordneten in den USA unter Druck gesetzt worden.

In Deutschland rief die Partei Die Linke wegen des Vorgehens von Amazon.com zu einem Boykott des Internetkonzerns auf. „Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür. Das ist für die Käufer eine gute Gelegenheit, Amazon zu zeigen, was sie von der Zensur gegen Wikileaks halten“, sagte Linke-Vizechefin Katja Kipping am Freitag Es sei nicht hinnehmbar, dass ein Weltkonzern einknicke, wenn ein Politiker eingreife und in vorauseilendem Gehorsam die Meinungsfreiheit einschränke.

Wikileaks ist nun unter http://wikileaks.ch abrufbar

Um wieder erreichbar zu sein, hat sich Wikileaks inzwischen in der Schweiz eine Internetadresse verschafft. Am Freitagvormittag waren die Inhalte der Plattform unter der Adresse http://wikileaks.ch abrufbar. „Wikileaks zieht in die Schweiz“, teilte die Enthüllungsplattform mit. Über die neue Adresse wurden Nutzer zur URL-Adresse http://213. 251.145.96 geleitet, die ihnen Zugang zu der früheren Wikileaks-Seite verschafft.

Eine Suche über den Suchdienst whois. net.tool ergab, dass die neue von Wikileaks genutzte Website der Schweizer Piratenpartei gehört. Diese war zu einer Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Der wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung weltweit gesuchte Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange hatte vergangenen Monat erklärt, er erwäge, in der Schweiz Asyl zu beantragen. (dapd/afp)