DSDS setzt auf Sex und schlechte Sprüche statt musikalischem Talent

DSDS-Kandidat Tim David Weller schafft es in der Castingshow eine Runde weiter.
DSDS-Kandidat Tim David Weller schafft es in der Castingshow eine Runde weiter.
Foto: Getty
Die Überraschung bei "Deutschland sucht den Superstar" auf RTL: Zwar geriet Tim David Weller aus dem Takt und leistete sich einen schweren Patzer. Trotzdem überstand der DSDS-Kandidat aus Siegen die zweite Mottoshow, ebenso wie Ricardo aus Bochum. Gehen musste ein anderer.

Essen.. Immer wenn Sex, Skandälchen und schlechte Sprüche im Mittelpunkt des Abends stehen und nicht das musikalische Talent der Kandidaten, dann ist klar: es ist mal wieder Zeit für "Deutschland sucht den Superstar". Bereits zum zehnten Mal ist Dieter Bohlen auf der Suche, am Samstag hieß es in der zweiten Mottoshow der DSDS-Jubiläumsstaffel „Liebe ist…“.

Das klingt nach Kuschelsongs, doch die Romantik musste erst mal draußen bleiben. Denn „Sex sells“, Sex verkauft – diese Weisheit kennen auch die Macher der RTL-Show, die am Samstag nicht nur gegen sinkende Quoten, sondern auch noch gegen die Mutter aller Unterhaltungssendungen, „Wetten, dass..?“, zu kämpfen hatten.

DSDS als "der größte Puff im deutschen Fernsehen"

Und so wurde erst mal in aller Ruhe der neueste „Skandal“ der vergangenen Woche aufgearbeitet. Immerhin hatte Ex-DSDS-Kandidatin Sarah Joelle Jahnel in einem Zeitungsinterview behauptet, bei Deutschland sucht den Superstar gehe es zu wie in einem Bordell. DSDS sei der größte Puff im deutschen Fernsehen, sagte das verhinderte Show-Sternchen, das bei vielen Lesern der aktuellen Playboy-Ausgabe für seine Offenherzigkeit beliebt sein dürfte.

Grund genug für einen tiefgründigen Hintergrundbericht über die vermeintliche „Bums-Bande“ aus dem „Love-Loft“. Der förderte allerdings – Überraschung – wenig Erhellendes zu Tage.

DSDS-Juror Mateo Jaschik senkt gekonnt das Niveau

Das hinderte DSDS-Jurymitglied Mateo Jaschik („Itchyban“ aus der Culcha-Candela-Combo) aber nicht daran, seinen ganz eigenen Beitrag zur Sexismus-Debatte zu liefern – und zwar auf einem ganz neuen Niveau, ganz tief unten im Trash-TV-Keller. Seine Kernaussage lautete ungefähr so: „Männer und Frauen sind alle Bitches. Und ich bin die größte Bitch hier.“

Damit war so ziemlich alles gesagt und es durfte endlich auch mal gesungen werden. Leider passten sich die Gesangseinlagen bei DSDS allzu oft dem Niveau der sprachlichen Ergüsse an und waren nicht für jeden Zuhörer ein Ohrenschmaus. Zumindest nicht im Vergleich zu den Originalsongs der wahren Superstars der Musikbranche.

Gehen musste nicht der, der am schlechtesten sang

Beginnen durfte der 26-jährige Maurice Glover, der sich an Seals „Love’s divine“ versuchte – und scheiterte. Denn der Fitnesstrainer aus der Pfalz bekam am Ende die wenigsten Anrufe und schied aus. Schon in der ersten Mottoshow hatte er bis zum Schluss zittern müssen.

Dabei war er gesanglich gar nicht der Schwächste. Klar unterboten wurde er zum Beispiel von Timo Tiggeler aus Nettetal, Kreis Viersen, der die aktuelle Nummer eins der deutschen Singlecharts, die gefühlvolle Ballade „Let her go“ von Passenger, so schlecht kopierte, dass man ganz schnell das Original hören musste, um seinen Auftritt wieder zu vergessen.

Alterspräsident Dieter Bohlen überraschend milde

Entsprechend dürftig fiel auch das Juryurteil von Mateo und den „Tokio Hotel“-Brüdern Tom und Bill Kaulitz aus. Nur Alterspräsident Dieter Bohlen meinte, dass Timo „ganz gut“ gesungen habe. Weil er wohl selbst nicht mehr an ein Weiterkommen geglaubt hatte, hüpfte der 20-Jährige, der in Wuppertal Mathematik und Theologie studiert, wie ein Flummi über die Bühne, als er hörte, dass er es in der dritten Mottoshow am nächsten Samstag erneut versuchen darf.

Auch der gebürtige Siegener Tim David Weller dürfte auf seinen Auftritt bei DSDS trotz seiner guten Stimme wenig stolz sein. Schon im Einspieler zuvor wurde ausführlich seine Nervosität thematisiert. Doch selbst eine Privataudienz bei Pop-Titan Dieter Bohlen half offenbar wenig.

Beim Refrain zu Espen Linds „When Susanna cries“ stimmte Tim Davids Timing nicht, er kam aus dem Takt und setzte kurz aus. Ein Patzer, der ihn offenbar für den Rest des Songs beschäftigte und maximal zu einer durchschnittlichen Leistung reichte.

Bei Susan Albers stimmte alles bis auf das Outfit

Wohltuend stark war dagegen die Performance der 28-jährigen Susan Albers aus Rhede, Kreis Borken, die wohl mit Abstand mit der besten Stimme im Kandidatenfeld gesegnet ist. Ihre Interpretation von Mariah Careys „Open arms“ erntete ausschließlich Lob (Mateo: „stimmlich ganz groß“, Bohlen: „Der Gesang ist perfekt.“), grenzwertig war dagegen ihr lila-gelbes Kleid.

Ebenfalls hören lassen konnte sich der Auftritt von Ricardo Bielecki aus Bochum („Impossible von James Arthur“). Der 20-jährige Wattenscheider zählt nicht erst seit Samstagabend zum Favoritenkreis der DSDS-Jubiläumsstaffel. Jurychef Bohlen attestierte ihm eine „Mega-Stimme“.

DSDS-Kandidatin Beatrice Egli wäre gern wie Helene Fischer

Musikalisch bewusst aus der Reihe tanzte die Schweizer Schlagerbraut Beatrice Egli. Die 24-Jährige will wie schon Helene Fischer „immer wieder dieses Fieber spür‘n“ und darf das auch am kommenden Wochenende.

Ebenso weiter sind die 21-jährige Lisa Wohlgemuth (Norah Jones – „Don’t know why“), der 17-jährige Erwin Kintop (James Morrison – „I won’t let you go“) und der 27-jährige Simone Mangiapane (Eros Ramazzotti – „Se bastasse una canzone“).

Zu Gast in der zweiten Live-Show war das „DSDS-Traumpaar“ Sarah Engels und Pietro Lombardi, wo sie ihre erste gemeinsame Single „Dreamteam“ promoten durften. 2011 lernten sich die beiden in der Castingshow kennen und lieben und gaben sich erst vor wenigen Tagen medienwirksam das Ja-Wort.

DSDS hat nun so viele Kandidaten wie Juroren und Moderatoren

In der dritten DSDS-Mottoshow sind die verbliebenen acht Kandidaten übrigens schon zahlenmäßig gleichauf mit dem Jury- und Moderationsteam. Neben der mittlerweile vierköpfigen Jury führt Nazan Eckes stilsicher und kompetent durchs Programm, und hinter der Bühne dürfen der mit einer Live-Moderation überfordert wirkende GZSZ-Soapdarsteller Raúl Richter, ein so genannter RTL-Inside-Reporter und Dschungel-Mutti Olivia Jones („Ich bin nicht die Puffmutti“) die Kandidaten bespaßen.

Warum, bleibt ungeklärt. Eine echte Daseinsberechtigung der Drei erschließt sich dem Zuschauer nicht. Zumal es hinter den DSDS-Kulissen offenbar schon reichlich Zoff gab.

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung muss sich Drag Queen von Jurymitglied Bill Kaulitz fernhalten, nachdem der 43-Jährige, der im wahren Leben Oliver Knöbel heißt, ihn in einem Interview als Transe bezeichnet hatte. Das Management des Sängers soll sogar den Rauswurf von Olivia Jones bei DSDS gefordert haben.

„Ich dachte, du stehst auf dem Klo und schüttelst noch mal ab“

DSDS Klingt nach Stoff für einen neuen DSDS-Skandal. Ansonsten taugt vielleicht auch noch diese erschreckende Beobachtung dazu: Dieter Bohlen, seit Jahren für seine bitterbösen Sprüche berühmt-berüchtigt, wirkt auf einmal ganz handzahm.

Außer einer ziemlich harmlosen Bemerkung zu Timo Tiggeler („Ich dachte, du stehst auf dem Klo und schüttelst noch mal ab“) rutschte ihm gar kein herabwürdigender oder beleidigender Kommentar raus. m Gegenteil: Viele eher durchschnittliche Auftritte redete er sogar schön und lobte die Kandidaten überschwänglich. Dieter Bohlen ist plötzlich das seriöseste Jurymitglied.

Wie konnte das passieren? Wird Bohlen etwa altersmilde? Sollte der Gesang nach zehn Jahren DSDS doch noch eine übergeordnete Rolle spielen?

 
 

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