CDU-Kandidat Norbert Röttgen setzt auf die geschliffene Rede

Norbert Röttgen am Sonntag vor der Handwerkskammer Düsseldorf. Foto: Heidrich/WAZ
Norbert Röttgen am Sonntag vor der Handwerkskammer Düsseldorf. Foto: Heidrich/WAZ
Im NRW-Wahlkampf versucht CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen, die Wähler mit Fachthemen zu überzeugen. Doch im Kontakt mit den Menschen fremdelt der Intellektuelle.

Düsseldorf.. Der Mann hat eine Mission. Im schuldenfreien Langenfeld wirbt Norbert Röttgen fürs Sparen. Ein Satz, ein Programm: Politik aus den Augen der Kinder. „Muttis Klügster“ erntet Zuspruch, Begeisterung löst Hannelore Krafts Herausforderer auf dem Wochenmarkt nicht aus. Ein Passant fragt: „Wer ist das?“

Es sind Tage wie diese, die Röttgens Wahlkampfziel, die „Schuldenkönigin“ aus dem Amt zu jagen, wie eine „Mission Impossible“ erscheinen lassen. Dümpelnde Umfragen, medialer Gegenwind, kaum Wechselstimmung. Der promovierte CDU-Spitzenkandidat setzt im Duell auf Fachthemen statt auf Emotionen. Der Kontrast zum Wohlfühlwahlkampf der Ministerpräsidentin ist augenfällig. Röttgens Alternative: Schulden oder Zukunft. Der 46-Jährige beherrscht die geschliffene Rede, im direkten Gespräch mit dem Bürger aber fremdelt der Bonner.

Ruf des Karrieristen

Röttgen weiß, was er will. Nach dem Abgang von CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers 2010 hat der karrierebewusste Umweltminister zugegriffen. In einer Urabstimmung um den vakanten Vorsitz schlug Röttgen den Mitbewerber Armin Laschet. Doch vom Regierungswechsel in NRW ist der smarte Christdemokrat noch weit entfernt. Es läuft nicht wirklich rund, dem „Gähnwahlkampf“ fehlt das elektrisierende Thema. In den Sympathiewerten kann Kopf-Mensch Röttgen mit der Herz-Politikerin Kraft nicht mithalten. Sachthemen aber dringen kaum durch. Die Rolle des Polterers liegt dem feinsinnigen Kandidaten nicht, Röttgen lässt die nötige Angriffslust oft vermissen.

Dabei spielt der Berliner Minister mit hohem Einsatz. Scheitert er in NRW, kommt der Karrieremotor auch in Berlin ins Stocken. Röttgen hat nicht viele Freunde im Parteivorstand, manchen ist er einen Tick zu ehrgeizig. Der Kandidat kämpft für den Wechsel in NRW. Nach den Absetzbewegungen des liberalen Hoffnungsträgers Christian Lindner gilt vielen in der CDU schon der Eintritt als Juniorpartner in eine große Koalition als Wunschoption. Als zweiter Mann in einem Kabinett Kraft stünde Röttgen sicher nicht bereit. Ein persönlicher Erfolg aber wäre es schon, wenn er die CDU zurück in die Landesregierung führen würde.

Mit grünem Anstrich

In Wuppertal-Barmen geißelt der CDU-Spitzenkandidat den „inhaltsleeren Wahlkampf der SPD“. Die Currywurst-Plakate der SPD sind ein gefundenes Fressen für Wahlkämpfer. Der Kandidat mokiert sich, dass Rot-Grün trotz sprudelnder Steuer-Milliarden 2012 vier Milliarden Euro neue Schulden macht. In der Fußgängerzone trifft die Botschaft auf wenig Interesse.

Röttgen sieht die CDU in der Finanzdebatte moralisch auf der richtigen Seite. „Verschuldung ist keine Lösung, sondern das Problem.“ Der dreifache Familienvater erinnert daran, dass auch Großeltern für ihre Enkel eine vernünftige Zukunft anstreben. Der CDU-Mann überzeugt, wenn er selbst überzeugt ist. Das war auch beim Schulkonsens und beim Atomausstieg so, als er die CDU umpolte. Den grünen Anstrich hatte er vorher schon.

In der Endphase des Wahlkampfs will Röttgen die Wähler mit regionalen Themen mobilisieren: Die grüne Straßenbau-Blockade, der Stopp beim milliardenteuren Kraftwerk Datteln, Kanal-TÜV… Röttgen will die Bremsen lösen. Nur bleibt ihm nicht mehr viel Zeit, die Wähler vom Wechsel zu überzeugen.

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