Mann rast beim Blitzmarathon mit Tempo 80 durch 30-Zone

In Bochum auf der Ewaldstraße am Schauspielhaus war ein 53-jähriger Bochumer gegen 10 Uhr in der 30er-Zone zu schnell unterwegs. Doch das sah der Mann, der wütend wurde und mit seinem Rechtsanwalt drohte, nicht ein.
In Bochum auf der Ewaldstraße am Schauspielhaus war ein 53-jähriger Bochumer gegen 10 Uhr in der 30er-Zone zu schnell unterwegs. Doch das sah der Mann, der wütend wurde und mit seinem Rechtsanwalt drohte, nicht ein.
Foto: Gero Helm/WAZ FotoPool
Keiner kann behaupten, er sei nicht gewarnt worden. Trotzdem sind beim Blitzmarathon schon in den ersten Stunden dutzende Autofahrer geblitzt worden, weil sie zu schnell unterwegs waren. Die Aktion führte zu manch' kurioser Begebenheit, aber auch zu erheblichen Übertretungen.

Essen. Der zweite bundesweite Blitz-Marathon hat bei vielen Autofahrern Wirkung gezeigt. Sie seien angesichts der Tempokontrollen deutlich langsamer als sonst unterwegs, berichtete stellvertretend die Berliner Polizei am Donnerstag. An fast 7500 Stellen im gesamten Bundesgebiet wurde geblitzt und gelasert. Mehr als 13.000 Polizisten waren im Einsatz. Die Aktion dauert 24 Stunden und sollte am Freitagmorgen um 6.00 Uhr beendet sein.

Es gehe nicht darum, möglichst viele Bußgelder zu verhängen, sondern darum, die Autofahrer zu langsamerer Fahrweise zu bewegen, betonte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD), der auch Vorsitzender der Innenministerkonferenz ist. "Das schönste wäre, wenn heute kein einziger ein Knöllchen kriegen würde, sondern alle mal reflektieren, was wir tun", sagte er. "Wir wollen die Köpfe erreichen, nicht die Portemonnaies."

Kinder durften Messstellen vorschlagen

Mit dem Blitzlicht-Gewitter reagiert die Polizei in diesem Jahr auch auf die Trendwende, die sich bei der Zahl der Verkehrstoten abzeichnet. Nach jahrzehntelangem Rückgang war im ersten Halbjahr dieses Jahres ein Anstieg bei den Todesopfern registriert worden.

Das Konzept überzeuge immer mehr, sagte Jäger. "Auch in Polen, auch in Frankreich, sogar in Australien", erläuterte er. In Nordrhein-Westfalen durften dieses Mal Kinder die Messstellen vorschlagen. Fast 18.000 Kinder und Jugendliche hätten sich beteiligt und mehr als 3000 Stellen angeregt. Sie verteilten selbst gebastelte "Denkzettel" an die Autofahrer.

Tempo 59 statt 30 - Autofahrerin entgeht trotzdem Strafe

In Essen im Ruhrgebiet geriet am Morgen eine Autofahrerin prompt in Anwesenheit des Ministers mit Tempo 59 statt 30 in die Tempofalle. Weil Kinder das Messgerät bedienten, kam sie um 120 Euro Bußgeld herum, aber nicht um eine eindringliche Ermahnung.

Bei Twitter rangierte das Stichwort #Blitzmarathon am Donnerstag schnell auf Platz eins der Topthemen: "Extra noch schnell beim Friseur gewesen, falls es blitzt", hieß es etwa. Oder: "Kinder belohnen langsame Autofahrer mit Süßigkeiten. Ich dachte, die sind um diese Zeit in der Schule."

Mercedes-Fahrer flüchtet vor der Polizei

Die Ermahnung durch die Polizei wollte sich ein 46-jähriger Raser bei Essen ersparen, indem er auf der Autobahn 52 Gas gab, anstatt anzuhalten. Er fuhr der Polizei über den Standstreifen davon, bis er in eine Leitplanke krachte. Er blieb unverletzt.

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), verteidigte den Blitz-Marathon: "Die Wahrheit ist: Wenn die Polizei nicht blitzt, sterben mehr Menschen!"

Kritik am Blitz-Marathon kam von der Gewerkschaft der Polizei (GdP): Deren Bundesvorsitzender Oliver Malchow sprach von "einer PR-Aktion ohne nachhaltigen Effekt auf die Verkehrssicherheit". Der "Passauer Neuen Presse" sagte Malchow: "Es reicht eben nicht, Blitzer aufzustellen." Der größte Lerneffekt für Autofahrer bestehe in der direkten Konfrontation mit einem Polizisten nach dem Regelverstoß.

Zweifel am Konzept des Blitzmarathons

Auch Siegfried Brockmann, führender Unfallforscher vom Gesamtverband der Versicherer, zeigte sich skeptisch: Verkehrssünder mit dauerhaftem Bleifuß erreiche man nur über dauerhaften Kontrolldruck. Er kritisierte aber, dass Tempokontrollen als "Abzocke" bezeichnet würden. "Dieses Wort ist so unsäglich, weil es die Polizei als die Schurken darstellt und Temposündern eine Legitimation bis weit in Kreise hinein verschafft, die eigentlich ganz gesetzeskonform fahren."

Der Verband Mobil in Deutschland hatte auf Untersuchungen verwiesen, wonach die üblichen Radarkontrollen eben nicht an Gefahrenpunkten stattfinden, sondern dort, wo viel Geld zusammenkommt.

Beim ersten bundesweiten Blitz-Marathon im Oktober 2013 waren fast 15.000 Polizisten an mehr als 8600 Stellen an den Straßenrändern postiert. Drei Millionen Autofahrer wurden kontrolliert und 83.000 als zu schnell erwischt. Die Wiederholung fiel also etwas kleiner aus.

Die Ereignisse des Tages in unserer Chronik 

16:57 Uhr: So was erlebt die Polizei gewiss auch nicht alle Tage: In Witten auf der Buchholzer Straße wurde eine Frau angehalten, die in einer 30er-Zone mit 39 km/h unterwegs war. Ihre Begründung fürs zu schnelle Fahren: Sie sei gerade voller Freude auf dem Weg zu einem Scheidungstermin beim Anwalt. Da habe sie den Blitzer übersehen. Und da sagt man immer "Scheiden tut weh"...

16:45 Uhr: Mit 80 durch die 30er-Zone: Damit dürfte ein Autofahrer aus Blomberg (Kreis Lippe) zu den traurigen Spitzenreitern dieses Blitzmarathons gehören. Die meisten Autofahrer, so berichtet die Polizei, würden sich aber an die Tempolimits halten.

16:12 Uhr: Bis 15.15 Uhr haben die Beamten an den Kontrollstellen in Oberhausen etwa 1540 Fahrzeuge gemessen, so die erste Zwischenbilanz der Polizei. Bislang ahndete sie 41 Geschwindigkeitsverstöße. Auffallend sei, dass die Fahrzeugführer diesmal "insgesamt sehr kontrolliert fahren". Die meisten Angehaltenen hätten die Aktion begrüßt, viele hielten das Blitzen in den späten Abendstunden allerdings für sinnvoller.

15:59 Uhr: Noch vor dem offiziellen Start des zweiten bundesweiten Blitzermarathons erwischte die Polizei am Donnerstagmorgen einen Autofahrer in Duisburg-Meiderich. Er war mit Tempo 70 in einer 50er-Zone unterwegs. Sein Bußgeld von 35 Euro zahlte er direkt. Nur weil der Blitzmarathon noch nicht läuft, sei das kein Freibrief für Raser, so die Polizei.

15:45 Uhr: Die Kreispolizeibehörde Unna - zuständig für den Kreis Unna außer Lünen - hat am Vormittag an den ersten 20 der 40 angekündigten Messstellen die Geschwindigkeit kontrolliert. Bei 2917 Fahrzeugen wurde die Geschwindigkeit gemessen - nur 23 waren zu schnell. In Lünen, das von der Dortmunder Polizei betreut wird, sind bis zum frühen Nachmittag 4519 Fahrzeuge überprüft worden. Davon waren 67 schneller als erlaubt.

15:29 Uhr: Frühschicht vorbei, Dortmund zieht Zwischenbilanz: Hier wurden insgesamt 2564 Fahrzeuge gemessen; davon waren 143 zu schnell. Dies entspricht einer Quote von rund 5,5 Prozent, deutlich weniger als beim letzten Blitzmarathon.

15.09 Uhr: Zitronen für Verkehrssünder werden sie nicht los: Frank Beckehoff, Landrat im Kreis Olpe, Hans-Jürgen Schüttler, Leiter der Verkehrsdirektion, und Michael Wulf, Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht, treffen bei ihrem Besuch an der Messstelle Kölner Straße in Attendorn auf disziplinierte Verkehrsteilnehmer. Keiner ist zu schnell. Das freut auch die Viertklässler der Attandarra-Grundschule. Sie belohnen die Autofahrer mit Süßigkeiten für das vorbildliche Verhalten.

Automobilverband kritisiert Blitzmarathon als Abzocke 

14.53 Uhr: Zwischenbilanz auch in Bochum: Bislang wurden 1617 Fahrzeuge kontrolliert, 48 von ihnen waren zu schnell unterwegs, eine Quote von 2,97 Prozent. Zum Vergleich: An "normalen" Tagen liegt die bei 6,5 bis acht Prozent, wie Polizeisprecher Volker Schütte erklärt. Gegenüber dem letzten Blitzmarathon ist sie leicht angestiegen. Bei der 6. Auflage im April lag sie noch bei 2,25 Prozent.

14.35 Uhr: Ein 46-jähriger Mercedes-Fahrer hat auf der A52 versucht, vor der Polizei zu flüchten. Er war auf Höhe Essen in Richtung Dortmund unterwegs, als eine Radarfalle ihn erwischte: 28 Stundenkilometer schneller als erlaubt. Als die Beamten ihn anhalten wollten, gab er Gas. Er überholte Fahrzeuge auf dem Seitenstreifen und missachtete Anhaltezeichen der Beamten. Der Mann fuhr über die A 40 weiter und wollte dann Gelsenkirchen-Süd abfahren. In der Kurve verlor er die Kontrolle und kollidierte mit der Schutzplanke. Er blieb unverletzt.

14:31 Uhr: Die Polizei in Düsseldorf hat eine Zwischenbilanz veröffentlicht: Bis 11 Uhr wurden 1684 Fahrzeuge kontrolliert, 55 Verwarngelder und Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen ausgesprochen. Trauriger "Spitzenreiter" ist bislang ein Fahrer, der im Düsseldorfer Norden (bei erlaubten 50 kmh) 30 km/h zu schnell war. Gegen ihn wurde ein Bußgeld von 100 Euro verhängt, zudem bekommt er einen Punkt.

14:20 Uhr: Die Automobilverbände sind in Sachen Blitzmarathon gespalten: Der ADAC unterstützt die Aktion, auch der Automobil-Club Verkehr (ACV). Kritik kam vom neuen Verband Mobil in Deutschland. Untersuchungen in Berlin und München belegten, dass die Radarfallen nicht wie behauptet an Unfallschwerpunkten aufgestellt würden, sondern dort, wo das meiste Geld zu holen sei. Daher gehe die Variante, Kindervorschläge umzusetzen, immerhin in die richtige Richtung.

13:40 Uhr: Bei Twitter sorgt der Blitzmarathon erwartungsgemäß auch für jede Menge Spott. "Können die ganzen arbeitslosen @fdp-Raketen, die mir auf der Tasche liegen, nicht der #polizei nicht beim #blitzmarathon helfen? #fdp", fragt sich ein User. Ein anderer kann sich einen Seitenhieb auf die aktuellen sportlichen Probleme des Hamburger SV nicht verkneifen: "Immerhin kann Hamburg heute endlich mal wieder von sich behaupten, dass auch sie Knipser im Kader haben." Und dass dieses Kostüm vor einem Bußgeld schützt, darf bezweifelt werden.

13:16 Uhr: Es blitzt und blinkt nicht nur in den Straßen von Städten und Gemeinden von Nordrhein-Westfalen. Auch auf den Autobahnen hat die Polizei mobile Messstationen im Einsatz - so wie an der Baustelle zur Lennetalbrücke auf der Sauerlandlinie A45. Hier hat der Blitzer allerdings weniger zu tun als einem "normalen" Arbeitstag. "Wir merken schon, dass heute Blitzmarathon ist", sagt Hauptkommissar Frank Vosbeck von der Autobahnpolizei Dortmund. Rund 300 Geschwindigkeitsübertretungen konnte er in den ersten fünf Stunden seiner Frühschicht notieren. Das sind immerhin ein Drittel Temposünder weniger als gewöhnlich.

Dankeskarten für anständige Fahrer 

12:55 Uhr: Einigen Kindern in Nordrhein-Westfalen scheint es wirklich wichtig zu sein, auf die Gefahren durch zu schnelles Fahren aufmerksam zu machen. Dass Nicht-Raser von Kindern mit grünen Smileys und Süßigkeiten belohnt werden, haben wir bereits berichtet. Besonders viel Mühe haben sich aber Schüler an der Armin Maiwald Schule in Monheim-Baumberg gegeben. Autofahrer, die sich an der dortigen Messstation ans Tempolimit hielten, bekamen neben einer Dankeskarte sogar selbstgemalte Bilder.

12:37 Uhr: In Witten-Buchholz hat die Polizei seit 11 Uhr über 140 Autos kontrolliert. Allerdings waren nur zwei Fahrer zu schnell unterwegs. Größter Temosünder war ein Mann, der mit 46 Stundenkilometern durch die Tempo-30-Zone fuhr. "Ich will mich nicht rausreden. Aber bergab ist es mit einem Anhänger ziemlich schwierig, genau 30 zu fahren", sagte der Mann. Als Raser sieht er sich aber nicht. Raser sei man erst, wenn man mit Tempo 60 in der 30er-Zone unterwegs sei.

12:12 Uhr: Kritik am Blitzmarathon kam im Vorfeld von der Gewerkschaft der Polizei: Deren Bundesvorsitzender Oliver Malchow nannte den Blitz-Marathon "eine PR-Aktion ohne nachhaltigen Effekt auf die Verkehrssicherheit". Der "Passauer Neuen Presse" sagte Malchow: "Es reicht eben nicht, Blitzer aufzustellen." Der größte Lerneffekt für Autofahrer bestehe in der direkten Konfrontation mit einem Polizisten nach dem Regelverstoß. "Ein Brief vom Ordnungsamt vier oder sechs Wochen danach macht viel weniger Eindruck."

11:57 Uhr: In Bochum auf der Ewaldstraße am Schauspielhaus war ein 53-jähriger Bochumer gegen 10 Uhr in der 30er-Zone zu schnell unterwegs. Doch das sah der Mann, der wütend wurde und mit seinem Rechtsanwalt drohte, nicht ein: Er habe kein 30er-Schild gesehen. Ein Polizist setzte sich daraufhin zu ihm ins Auto und beide fuhren die Strecke noch einmal ab. Da erst sah der Autofahrer das Schild und entschuldigte sich reumütig für sein Verhalten. Die Folge: 35 Euro Verwarnungsgeld.

11:39 Uhr: In Witten hielt die Polizei gegen 8 Uhr vor der Erlenschule an der Holzkampstraße eine Mutter mit ihrem sechsjährigen Kind an. Die Frau war zwar nicht zu schnell unterwegs, jedoch waren weder sie noch ihr Kind angeschnallt. Das gab eine Anzeige. "Es droht eine Strafe von mindestens einem Punkt und 60 Euro", so Bochums Polizeisprecher Volker Schütte.

11:18 Uhr: An der Mozartschule in Duisburg-Neudorf dürfen die Schulkinder Polizei spielen. In Warnwesten und mit Polizeimützen gehen sie auf Raserjagd. Wenn ihnen ein Verkehrssünder in die Radarfalle geht, winken die Polizisten ihn raus. Doch anstatt einer Geldstrafe gibt es dann Ärger mit den Kindern. Raser bekommen einen roten "Frusti". Autofahrern, die sich an das Tempolimit halten, überreichen die Kinder einen grünen Smiley. "Wenn wir die Leute ansprechen, werden sie wütend. Wenn ein Kind ihnen erklärt, warum Rasen gefährlich ist, werden sie nachdenklich", erklärt die Polizei das Projekt.

Blitzmarathon-Polizisten schnappen Ladendiebin in Bochum 

10:59 Uhr: Im Wittener Stadtteil Annen hat die Polizei eine Messstelle in einer verkehrsberuhigten Zone aufgestellt. Die Jägerstraße ist bekannt dafür, dass viele Fahrer sie nutzen, um eine Staukreuzung zu umgehen. Bis 8:30 Uhr gingen der Polizei schon neun Autofahrer in die Falle. Für Verwirrung sorgte dabei vor allem das Tempolimit. Denn in einer verkehrsberuhigten Zone gilt Schrittgeschwindigkeit (sechs bis zehn Stundenkilometer) und nicht Tempo 30. Das wussten viele Autofahrer offenbar nicht.

10:45 Uhr: In Dortmund hat die Polizei noch keine schlimmen Raser erwischt: "Ein Großteil der Fahrer hält sich gut an vorgeschriebene Geschwindigkeit", sagt eine Sprecherin der Polizei. Von besonderen Ausreißern sei ihr nichts bekannt: "Für eine Bilanz ist es aber noch zu früh."

10:15 Uhr: In Wattenscheid schlug die Polizei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Über Funk hörten die Beamten, die wegen des Blitzmarathons im Einsatz waren, dass in einem Supermarkt an der Hansastraße - nicht sehr weit von der Messstelle entfernt - eine Ladendiebin entdeckt und von einem Ladendetektiv gestellt worden war. Sie konnte sich jedoch losreißen und flüchten. Die Polizisten stiegen also kurzentschlossen in den Streifenwagen und suchten die polizeibekannte 34-jährige Bochumerin. Mit Erfolg: Die Frau wurde festgenommen und zur Wache gebracht.

9:59 Uhr: Im Bereich der Polizei Bochum, die für Bochum, Herne und Witten zuständig ist, sei der Blitzermarathon "ganz normal" angelaufen, so Polizeisprecher Volker Schütte, der auch einen persönlichen Eindruck schilderte. Er sei heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit über die B1 in Dortmund gefahren. "Dort fuhren die Autos wie an einer Perlenkette aufgereiht und waren schön brav mit Tempo 50 unterwegs." Sonst gebe es schon mal Ausreißer, da Leute schneller als 50 km/h fahren.

9:41 Uhr: Paradiesische Verhältnisse für Fußgänger heute morgen auf dem Paradieser Weg in Soest. (Fast) alle Autofahrer halten sich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen des Conrad-von-Soest-Gymnasiums belohnen das vorbildliche Verhalten mit Süßigkeiten. Unterstützt werden die Kinder durch Heinz Müller von der Verkehrswacht des Kreises Soest und Polizei-Oberkommissar Gisbert Finke. Und wenn doch einer mal zu schnell unterwegs ist, gibt es Saures statt Süßigkeiten.

Autofahrer rast vor Innenminister Jäger in die Radarfalle 

9:20 Uhr: Auf Twitter scheint sich gerade ein neues Wort für den Blitzmarathon zu etablieren: Jägern. Kein Wunder, schließlich geht das Projekt auch auf eine Initiative von NRW-Innenminister Ralf Jäger zurück. Den ersten Blitzmarathon gab es übrigens im Februar 2012 in NRW. "Geschwindigkeit ist bundesweit der Killer Nummer 1", mahnt Jäger. "Jeder dritte Verkehrstote ist Opfer von zu hoher Geschwindigkeit."

8:55 Uhr: Gegen 8:20 Uhr wurde ein Autofahrer in Essen mit 59 Stundenkilometer gemessen - erlaubt sind dort 30 Stundenkilometer. Wäre der Fahrer in der Nähe der Franz-Dinnendahl-Realschule etwas aufmerksamer gewesen, hätte er bemerkt, dass nicht nur viele Schulkindern dort auf Temposünder warteten - sondern auch NRW-Innenminister Ralf Jäger. Zahlen müsste er aber trotzdem nicht. Weil nicht die Polizisten, sondern die Schulkinder gemessen haben. Einen ausführlicheren Bericht lesen sie hier.

8:40 Uhr: In Duisburg hat die Polizei beim Blitzmarathon Ärger mit einem Anwohner, berichtet unser Außenreporter aus Obermeiderich. Ein Mann besuchte die Polizisten in der Nähe der Koopmannschule und warf ihnen vor, "nur abzocken" zu wollen. Nach einem zweiminütigen Wortgefecht verschwand der Mann - um die Autofahrer ein paar Hundert Meter weiter vor der Messstelle zu warnen. Die Polizei nahm es locker: "Wir wollen ja, dass die Leute langsamer fahren. Da müssen wir uns eigentlich bei dem Mann bedanken", sagte ein Beamter.

8:25 Uhr: In Essen hat NRW-Innenminister Ralf Jäger den Blitzmarathon jetzt auch offiziell eröffnet. An der Dinnendahl-Realschule hat er Schülern erklärt, wie die Messsgeräte der Polizei funktionieren. Auf den "Exportschlager" Blitzmarathon ist er anscheinend ziemlich stolz: "Das Modell hat Nachahmer in aller Welt gefunden. Sogar aus Australien erkundigen sich Leute, wie der Blitzmarathon funktioniert."

8:07 Uhr: Noch ein kleiner Tipp von unserem Außenreporter. Fußgänger, die in der Nähe einer Messstelle bei Rot über die Ampel gehen und erwischt werden, müssen fünf Euro zahlen. Das hat die Polizei unserem Kollegen in Duisburg erzählt - während der brav auf Grün gewartet hat.

7:50 Uhr: Anscheinend gehen viele Autofahrer heute lieber kein Risiko ein - und fahren ganz besonders langsam. "Bin ja immer dafür, dass Höchstgeschwindigkeit (nicht nur beim #Blitzmarathon) eingehalten wird. Aber 35 in der 50er Zone ist echt unnötig", beschwert sich ein Twitterer. "Wer bezahlt mir die Behandlung wegen den Nervenzusammenbruch weil jeder nur noch 30ig km/h fährt?", fragt sich ein anderer User. Und Anni ist sich sicher: "Kaum ist in NRW wieder #Blitzmarathon, fährt jeder in der 50er Zone nur noch 38."

Schüler wünschen sich, dass die Mathelehrerin erwischt wird 

7:35 Uhr: Unser Außenreporter in Duisburg berichtet, dass mittlerweile auch die beiden Schüler Niko und Marc an der Messstelle in Meiderich angekommen sind. Die Viertklässler haben sich eine Blitzerstation in der Nähe ihrer Schule gewünscht. "Hier wird viel gerast und die Autos fahren oft noch bei Rot über die Ampel", sagt Niko. Die Neunjährigen wissen auch genau, wen sie am liebsten beim Rasen erwischen würden: "Unsere Mathelehrerin."

7:17 Uhr: Die Duisburger Polizei ist mit dem Blitzmarathon bisher zufrieden. "Wir sind sichtbar und präsent", sagt Polizeihauptkommissar Andreas Diersch: "Die Leute werden langsamer wenn sie uns sehen. Damit ist unser Ziel erreicht."

7:00 Uhr: Auch bei Twitter ist der Blitzmarathon großes Thema. "Meine Timeline quillt über wegen Warnungen zum #Blitzmarathon", schreibt Matthias Jung. Ein anderer witzelt: "Bin mal gespannt, ob mein Zug auch betroffen ist." Nur Christian Wicklein hat keine Angst, geblitzt zu werden: "Am #Blitzmarathon mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren...Ihr könnt mir gar nix."

6:50 Uhr: In NRW will die Polizei den Blitzmarathon diesmal vor allem dafür nutzen, um auf die Gefahren für Kinder im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Mehr als 17.900 Kinder und Jugendliche haben der Polizei über 3000 Orte gemeldet, an denen ihrer Meinung nach geblitzt werden soll. "Die Resonanz ist überwältigend. Viele Kinder fürchten sich auf dem Weg zur Schule oder zum Sport vor Rasern", glaubt NRW-Innenminister Jäger.

6:35 Uhr: Noch ein paar Zahlen: Allein in NRW kontrollieren etwa 3.500 Polizisten an 3400 Orten die Geschwindigkeit der Autofahrer. Bundesweit sind bei diesem Blitzmarathon über 13.000 Polizisten an mehr als 7.500 Messstellen im Einsatz. Das sind etwas weniger Beamte als beim letzten bundesweiten Blitzmarathon im Oktober 2013. Damals gingen 14.700 Polizisten an 8600 Messstationen auf "Raserjagd".

6:23 Uhr: Beim letzten bundesweiten Blitzmarathon wurden in NRW mehr als 422.000 Autofahrer kontrolliert, etwa 11.000 waren zu schnell untwerwegs. Das sind etwa 2,7 Prozent aller kontrollierten Autofahrer. Den größten Raser-Anteil hat allerdings Schleswig-Holstein. Dort bekamen 5,8 Prozent aller kontrollierten Autofahrer ein Knöllchen.

6:16 Uhr: Unser Außenreporter in Duisburg meldet, dass an der Messstelle in Meiderich der erste Raser schon um kurz vor sechs geschnappt wurde. Er war mit Tempo 70 in einer 50er-Zone unterwegs. Sein Bußgeld von 35 Euro hat er direkt bezahlt.

6.10 Uhr: Wer genau wissen will, wo geblitzt wird, sollte einen Blick in unsere Übersicht werfen. Dort haben wir alle Messstellen in ganz NRW aufgeschrieben.

6:00 Uhr: Guten Morgen! Der Blitzmarathon hat begonnen. Bis Freitag um sechs Uhr stellt die Polizei wieder Radarfallen gegen Raser auf.