Im blühenden Wonnemonat Mai

Die Maikäfer machen sich in unseren Breiten rar.
Die Maikäfer machen sich in unseren Breiten rar.
Foto: IKZ
Erinnerungen an einen Schatz aus Kindheitstagen: die Maikäfer in der Zigarrenkiste. Diese immer noch beliebten Krabbler haben sich rar gemacht.

Iserlohn.  Grüß Gott, du schöner Maien, da bist du wied’rum hier. Mit dieser Volksweise aus dem 18. Jahrhundert sowie vielen anderen Mailiedern begrüßen wir seit jeher den Wonnemonat. Der fünfte Monat des Julianischen Kalenders und dritte Frühlingsmonat ist wohl der beliebteste des Jahres.

Schon im Jahre 1889 wurde der 1. Mai als „Weltfeiertag der Arbeit“ beschlossen. Viele Brauchtümer der Germanen und aus dem Mittelalter werden auch heute noch gepflegt. Der Tanz in den Mai ist wohl der bekannteste. Gerade in dörflichen Gebieten wird noch der Maibaum aufgestellt. Überall grünt und blüht es in üppiger Pracht.

Viele Hochzeitspaaretrauen sich im Monat Mai

Die vielen Grüntöne der Blätter wetteifern mit den weißen Blüten der Kirschbäume und dem Sonnengelb des Löwenzahns. Die Luft nach einem warmen Mairegen ist voller Maiglöckchen und Blütenduft, begleitet vom fröhlichen Gesang der Vogelschar. Wer diese Zeit mit allen Sinnen erlebt wird von der Natur reichlich beschenkt. Auch viele Hochzeitspaare wählen den Wonnemonat als Start in ihr Leben zu zweit.

Der zweite Sonntag im Mai ist der Mutter gewidmet. Dieser aus Amerika stammende Brauch ist wohl mehr kommerzieller Art. Ein Geschäft für den Blumen- und Süßwarenhandel. Ein Danke, ein liebes Wort, eine Umarmung und die Achtung der Mutter während des ganzen Jahres sind mehr wert als an einem einzigen Tag mit Blume überhäuft zu werden. Aber auch da gehen die Meinungen auseinander. In der katholischen Kirche wird mit Maiandachten der Gottesmutter gedacht. Der Feiertag „Christi Himmelfahrt“ wird zum Ausflugstag für die ganze Familie oder Väter (Vatertag), die meistens noch gar keine sind.

Was aber wäre der Mai ohne die Erwähnung der Maikäfer? Leider gibt es sie heute so selten, dass, wenn der erste gesichtet wird, er es bis auf die Titelseite der Tageszeitung schafft. Waren das noch Zeiten, als Wilhelm Busch seine zwei Schlingel „Max und Moritz“ eine Tüte voll dieser Krabbeltiere unter die Bettdecke von „Onkel Fritz“ legen ließ! Noch heute macht dieser fünfte Streich der beiden den Kleinkindern beim Lesen viel Freude. Nur noch wenige Menschen wissen, dass sich die Maikäfer durch kleine, unterschiedliche Merkmale unterscheiden. Deshalb hat jede Art einen bestimmten Namen. Sie heißen Kaiser, König, Müller, Bäcker und Schornsteinfeger. Die Kinder haben sie früher untereinander getauscht.

Sehe ich heute einen Maikäfer, denke ich an eine wahre Begebenheit ,die mir mein Großvater erzählt hat. Als mein Vater noch ein kleiner Junge war, kam er des abends mit einer prall gefüllten Zigarrenkiste voller Maikäfer nach Hause. Stolz präsentierte er seinen Eltern und Geschwistern seinen großen Schatz. Dann gab es Abendbrot, und die Kiste wurde in eine Ecke gestellt und vergessen. Mitten in der Nacht wurde meine Großmutter durch ein unbekanntes Geräusch geweckt. Als sie das Licht anmachte, traf sie fast der Schlag. Die Maikäfer aus der Zigarrenkiste hatten sich selbstständig gemacht, flatterten um die Lampe, flogen hin und her in der Stube um dann in den Gardinen Platz zu nehmen. Heute lächeln wir darüber, aber ich möchte damals nicht in der Haut meiner Großmutter gesteckt haben.

Maikäfer, diese immer noch beliebten Krabbler, sind leider rar geworden. Der Liedermacher „Reinhard Mey“ hat schon vor vielen Jahren in dem Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr“ den Grund dafür besungen. Die Hoffnung, in diesem Jahr einen der beliebten Krabbler zu Gesicht zu bekommen, habe ich aber trotzdem nicht aufgegeben.

 
 

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