Heuer Hammer war ein Begriff

In Dortmund an der Kreuzung Malinckrodt-Straße waren früher die bekannten Heuer-Ampeln im Einsatz.
In Dortmund an der Kreuzung Malinckrodt-Straße waren früher die bekannten Heuer-Ampeln im Einsatz.
Foto: IKZ
Wer kennt noch das Traditionsunternehmen mit „Schlagkraft“, in dem in der Untergrüne ganz berühmte Ampeln hergestellt wurden?

Iserlohn/Letmathe.  Ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Iserlohn und Letmathe werden sich noch an das dumpfe schlagende Geräusch erinnern, wenn sie an der Ecke Igelstraße/Im Hütten in der Untergrüne vorbeikamen. Hier ließen die schweren Freiform-Schmiedehämmer der Firma Heuer-Hammer den Boden vibrieren.

Heuer-Hammer – das war ein Begriff in Iserlohn, und nicht nur hier, sondern in Deutschland und darüber hinaus in der ganzen Welt. Heuer-Hammer existiert nicht mehr. Aber ein Rückblick auf die Unternehmerpersönlichkeiten und die Produktpalette soll an dieser Stelle noch einmal das Traditionsunternehmen beleuchten, dessen imposante Gebäudefassade mit der „runden“ Ecke noch heute in der Untergrüne zu sehen ist.

Handwerksbetrieb mit einer Huf- und Wagenschmiede

Im Jahre 1893 wurde durch den Schmiedemeister Heinrich Heuer der Grundstein zu dem international bekannten Werk gelegt. Der junge Meister eröffnete eine Huf- und Wagenschmiede. Die anfänglichen Schwierigkeiten wurden durch Fleiß und handwerkliche Tüchtigkeit überwunden. Aus der kleinen Dorfschmiede entwickelte sich im Laufe der Zeit unter der zielbewussten Leitung des Gründers eine „Fasson-Schmiederei mit mechanischer Werkstatt und Dampfbetrieb“. Als erste Erzeugnisse besonderer Art wurden Schäkel, Wirbel und Haken für die Kettenindustrie hergestellt.

Infolge eines Schlaganfalls, den der Vater 1913 erlitt, musste sein Sohn Josef – der einzige Junge von vier Kindern und eben erst 19 Jahre alt –, die Leitung der Firma übernehmen. Dann kam der Erste Weltkrieg, der Sohn wurde einberufen, und der Vater war gezwungen, so schwer es ihm fiel, die Geschäfte wieder selbst zu führen, wobei ihn seine Töchter unterstützten.

Mit seinem Sohn Josef, den er 1919 als Teilhaber aufnahm, erreichte der Gründer der Firma einen bewunderungswürdigen Ausbau seines anfänglich kleinen Handwerksbetriebes. Die Firmenbezeichnung wurde in „Heuer-Hammer“ geändert. Die Erzeugnisse der Freiform-Schmiede genossen bald den besten Ruf in westfälischen Landen, insbesondere im Bergbau des Ruhrgebietes.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1929 führte Josef Heuer das Unternehmen als alleiniger Inhaber weiter. Selbst im blauen Kittel von der Pike auf die Arbeit von der praktischen Seite kennengelernt, durch Selbststudium das praktische Wissen theoretisch ergänzt – also absoluter Autodidakt –, brachte er Konstruktionen zur Durchführung, die als Spitzenleistung deutscher Wertarbeit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt und patentiert wurden. Dazu gehörten: die Heuer-Seilklemme, der Heuer-Schraubstock „Heuer-Front“, der Kegelwirbel „System Heuer“ und nicht zuletzt die Heuer-Verkehrssignalampel, die ab 1927 an vielen Kreuzungen großer Städte in Betrieb war.

Ältere Bewohner werden sich noch an die „Heuer-Ampeln“ in Iserlohn erinnern. Eine davon hing an der Einmündung der Baarstraße in die frühere Hagener Straße. Um Nachbauten zu vermeiden, ließ Heuer die Ampel auch international patentieren.

Josef Heuer, der bis zu seinem 30. Lebensjahr im Arbeitskittel mit seiner Belegschaft kameradschaftlich zusammenarbeitete, erhielt dadurch ein Verständnis für die Nöte und Sorgen der ihm anvertrauten Menschen. Seine dadurch gewonnene Lebensauffassung kann für die damalige Zeit als richtungweisend bezeichnet werden. Eine nachahmenswerte soziale Einrichtung der Firma war die Schaffung der Heuer-Siedlung mit fünf Doppelhäusern in Dröschede, die im Jahr 1933 eingeweiht wurde. Die Mitarbeiter konnten später Haus und Grundstück als Eigenheim günstig übernehmen.

Ein vorzüglicher Ruf als Bergbau-Zulieferer

In den fast 100 Jahren seines Bestehens, von denen es sich 75 Jahre lang einen vorzüglichen Ruf als Bergbau-Zulieferer erarbeitete, hat das Unternehmen Vorbildliches geleistet. Insider schwärmen bis heute von der „Heuer-Droste-Kausche“, einem Zwischenglied zwischen Seil und Förderkorb, mit der Heuer schon vor dem Zweiten Weltkrieg berühmt war.

 
 

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