Ein Spaziergang vom früheren Westbahnhof ins heutige Zentrum

Immer noch leer steht das 1905 errichtete Gebäude am Poth, das älteste Bankgebäude in unserer Stadt. Es wurde im Jahr 2011 von der Commerzbank aufgegeben, weil das Geldinstitut in die frühere Dresdner Bank umgezogen ist.
Immer noch leer steht das 1905 errichtete Gebäude am Poth, das älteste Bankgebäude in unserer Stadt. Es wurde im Jahr 2011 von der Commerzbank aufgegeben, weil das Geldinstitut in die frühere Dresdner Bank umgezogen ist.
Foto: IKZ

Iserlohn.  Zwischen alten Ziegelsteinen, im Durchgang des neuen Stadtbahnhofs eingemauert, erinnert eine Tafel an den alten Westbahnhof: 1864 erbaut, Güterabfertigung ab 1880, Grundsteinlegung im Jahre 2007 für den neuen Stadtbahnhof. 143 Jahre haben schließlich ihre Spuren hinterlassen und machten ein Neugestalten des gesamten Bahnhofsareals erforderlich.

Zurück schauend erfüllt es mich mit Wehmut, wenn ich an die vielen Dampfloks denke, die am Westbahnhof durch einen großen Trichter ihr Wasser bekamen, und wo der Heizer in Schwerstarbeit die Kohlen schaufelte. Im alten Bahnhofsgebäude gab es noch Schalter mit Bedienung und Beratung sowie einen Wartesaal mit Gastronomie. Eine Bahnsteigkarte konnte man für 10 Pfennig erwerben. Am Kiosk kaufte der Reisende alle Artikel, die man vergessen hatte oder die das Reisen angenehmer machten. Unvergesslich aber ist mir die seitlich am Gebäude angebrachte Bahnhofsuhr, die weithin sichtbar für alle Reisenden und Bürger zu sehen war.

Leider hat der 2008 eröffnete Stadtbahnhof so gar nichts gemein mit einem traditionellen Bahnhof. Er ist vielmehr ein Wirtschaftsgebäude mit VHS, Arzt- und Büropraxen als Mieter. Zum Glück gibt es noch zwei Regionalbahnen, die uns den Start in die weite Welt ermöglichen. Ein Lichtblick ist der Busbahnhof, wo alle Linien zusammentreffen und Umsteigemöglichkeit besteht.

Der neue Kreisverkehr ist eine Bereicherung

Der Bahnhofsvorplatz hat natürlich auch ein neues Gesicht bekommen. Vorbei die Wartezeit an den Schranken, vorbei der Fußweg durch die dreckige Unterführung.!Der neue Kreisverkehr ist eine Bereicherung. Leider gibt es noch einen Schandfleck: das ehemalige Bahnhofshotel (Stoltefuß). Ein neuer Anstrich und mehr Sauberkeit vor dem Gebäude wären wünschenswert. Die Bahnhofstraße (Poth) gibt zu beiden Seiten den Blick zur Kluse frei. Rechtsseitig sieht man die Bauernkirche und an der linken Seite stehen die Überreste der von 1906 bis 1908 erbauten Badeanstalt. Leider wurde sie, ein bedeutendes Gebäude im Jugendstil, 1986 trotz des Protestes vieler Bürger abgerissen. Das Treppenhaus mit der Westfassade und der Turm sind zum Glück erhalten geblieben. Seit 1987 befindet sich dort die Evangelische Seniorenwohnanlage. Gleich daneben war der Friseursalon Zimmer. Dort ließ ich mir in den 60er Jahren meine langen Haare zu einer Hochfrisur stecken, was damals hochmodern war. Auch heute ist dort ein Friseursalon zu finden. Seit 1939 ist die Konditorei und das Café Spetsmann an gleicher Stelle ansässig. Besonders die selbst hergestellten Pralinen sind über die Grenzen Iserlohns hinaus bekannt. Nebenan konnte man in einem kleinen Geschäft elegante Dessous erwerben. Leider ist es heute geschlossen. Anschließend befindet sich das Hotel „Deutsches Haus“, heute Hotel Engelbert, mit seiner berühmten Fermo-Körner- Stube, ein Treffpunkt des IBSV. Das angrenzende Gebäude der Commerzbank wurde 1905 errichtet und ist das älteste Bankgebäude unserer Stadt. Leider wurde es im Jahr 2011 aufgegeben, und die Bankgeschäfte werden nun im ehemaligen Gebäude der Dresdner Bank am Schillerplatz getätigt. Gleich gegenüber befand sich das Haus der Gesellschaft Harmonie. Sie war ein exklusiver Club der so genannten Oberschicht, gegründet 1802. Seit 1877 traf man sich hier. Bei einer Renovierung im Jahre 1963 brannte das Gebäude nieder. Ich habe dieses als Augenzeuge miterlebt. Nach dem Wiederaufbau hatte die Gastronomie dort die Oberhand. Die Gesellschaft Harmonie behielt nur einen kleinen Teil der Räume und einen Festsaal für sich. Zurzeit lädt dort das Lokal „Déjà-vu“ zum Verweilen ein. Daneben, auf dem Bilstein, erhebt sich die im 14. Jahrhundert erbaute Evangelische Obersten Stadtkirche (früher Marienkirche). Sie besitzt einen kostbar geschnitzten Flügelaltar und berühmte Marienbilder.

Erstes Ballkleid aus dem Modehaus Charlotte

Die kleine Kneipe „Deutsches Eck“, heute „Klön-Eck“, hat das Privileg, noch in der Bohnenstraße zu stehen, obwohl diese der Neugestaltung des Kurt-Schumacher-Rings weichen musste. Dort, wo sich die Schaufenster des Untergeschosses von C&A breitmachen, befand sich das Café Grenzhäuser, ein beliebter Treffpunkt vieler Iserlohner. Nur getrennt durch die Dreimannstraße, präsentierte das Modehaus Charlotte die neueste Damenmode. Dort habe ich mein erstes Ballkleid gekauft, dunkelblau mit weißen Tupfen und einer großen, weißen Schleife. Gleich um die Ecke herum, im Nebenbau des alten Rathauses, war das kleine Schreibwarengeschäft Zielke. Zeitschriften, Hefte, Kugelschreiber und viele Büroartikel konnte man hier kaufen. All diese Ladenlokale mussten später für C&A weichen.

 
 

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