Angebote der Überflussgesellschaft

Bei der jüngsten Brotprüfung zeigte sich neben der hohen Qualität auch eine große Vielfalt an Brotsorten.
Bei der jüngsten Brotprüfung zeigte sich neben der hohen Qualität auch eine große Vielfalt an Brotsorten.
Foto: Josef Wronski/IKZ
Über 200 Brotsorten gibt es in Deutschland. Für die jüngere Generation eine Selbstverständlichkeit. Doch die Achtung für dieses Grundnahrungsmittel ist tief gesunken. Das ist für die Kriegsgeneration, die ganz andere Erfahrungen gemacht, hat, schwer nachzuvollziehen.

Iserlohn. „Spielen Sie nicht mit dem Leben von Menschen!“ Ein großes Plakat der Organisation „Brot für die Welt“ möchte mit diesem Slogan unsere Aufmerksamkeit erreichen. Wer denkt schon darüber nach, wenn der Brotkorb und Teller täglich prall gefüllt sind?

Nur die ältere Generation weiß noch, wie schwer und entbehrungsreich die Kriegs- und Nachkriegszeit war. Stundenlanges Anstehen bei der Bäckerei oder dem Lebensmittelgeschäft waren an der Tagesordnung. Lebensmittelmarken bestimmten die Menge der Grundnahrungsmittel die jeder Person zustand. Meistens reichten sie nicht bis zum Monatsende aus. Dann wurde der Gürtel noch enger geschnallt und man lernte, sich mit dem Hunger zu arrangieren.

Über 200 Brotsorten gibt es heute in Deutschland

Ein Brot war damals eine Kostbarkeit. Und heute? Über 200 Brotsorten gibt es in Deutschland, für die jüngere Generation eine Selbstverständlichkeit. Doch die Achtung für dieses Grundnahrungsmittel ist tief gesunken. Nur zu oft landet es in Papierkörben und Mülleimern. Süßes aus dem Kiosk schmeckt vielen Kindern besser, als die Schulbrote, und manch einem Erwachsenen ist das Brot vom Vortag nicht mehr frisch genug!

Die vier großen Lebensmittel-Handelsgruppen in Deutschland überschütten uns mit „Angeboten“ und unzähligen unnützen Lebensmitteln. Das spüren auch gerade viele Lieferanten, auf die mächtig Druck ausgeübt wird. Billig, billig muss alles sein. Da wundert es nicht, wenn Lebensmittelskandale an der Tagesordnung sind. Mit weniger Gewicht, Stückzahl und chemischen Zusätzen wird die Ware preiswert gehalten. Geschickte Werbung und Vermarktung für Süßigkeiten und Kinderspielzeug locken die Käufer von morgen.

Menschenunwürdige Produktionsbedingungen

Die Menschen in der Dritten Welt und in Asien schuften für uns unter unwürdigen Bedingungen. Mit in Deutschland verbotenen Pestiziden sprühen sie ohne Schutz in den Plantagen. Wir bekommen dann die „einwandfreie“ Ware aufgetischt. „Deutschland, billig, billig Land.“ Wer denkt da noch an die Menschen in Bangladesch?

Ist es wirklich so schwer, ein paar Euro mehr zu bezahlen, um den geschundenen Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen? Die Regierung kauft sich mit ihrer Entwicklungshilfe frei. Aber wer kon­trolliert diese? Meistens kommt sie bei den Bedürftigen nicht an. Unbegreiflich ist die Lebensmittel-Spekulation an der Börse. Millionen Menschen können sich ihren Mais oder Reis nicht mehr leisten und hungern.

Wir Verbraucher sollten endlich aufwachen

Im Fernsehen sagte ein Insider zu dieser Situation: „Wir brauchten eine lange Dürreperiode, dann würden unsere Aktien noch mehr steigen!“ Da fehlen einem glatt die Worte! Wenn schon die Regierung nicht eingreift, so sollten wir Verbraucher doch endlich aufwachen, denn „Geiz ist nicht geil.“

 
 

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