Zur Fotoreise vier Wochen in die USA

Es ist eine andere Welt, sagt er. Aber auch ein Teil seiner Welt. Hans Marx ist gerade zurück aus dem amerikanischen Bundesstaat Iowa. Im dortigen Städtchen Eldon hat der Mann vier Wochen fotografiert. Keine Menschen, sondern ein ganz spezielles Haus – das „American Gothic House“. Bekannt wurde es durch das Gemälde „American Gothic“ des US-Malers Grant Wood (1891-1942).

Der Zauber der Fremde und die Reiselust stehen Marx, als er von seiner Reise erzählt, von seinen Erlebnissen und Erfahrungen, noch ins Gesicht geschrieben. Seine ersten Kontakte zum 29. Bundesstaat der USA hatte er in den 60er Jahren. Damals war er als 17-jähriger Austauschschüler aus Witten zu Gast in der Stadt Eldon. „In dem Alter war das, was sonst aufregend ist, verboten. Kein Sex, kein Autofahren und kein Alkohol. So war das eben damals“, sagt Marx. Gefallen habe es ihm aber trotzdem riesig. Und das ein oder andere kleine Bier habe schon auch zu Partys dazugehört.

In seiner Austauschzeit wohnte er bei einer Gastfamilie und besuchte die Highschool. Er sei sogar zum Präsidenten des Abschlussjahrganges gewählt worden, berichtet der Fotograf. Diese Erfahrungen habe er nach seiner Rückkehr in Witten als Schulsprecher am städtischen Jungen-Gymnasium noch einbringen können. Denn der amerikanische Schulabschluss sei in der Heimat nicht anerkannt worden.

Fotomotiv von Fete vertraut

Heute ist Hans Marx 65 Jahre und würde sich abermals für diese Zeit in den USA entscheiden. „Ich bin als erster Austauschschüler der Stadt Witten nach Amerika gegangen und hatte eine wirklich tolle Zeit“, berichtet er mit strahlenden Augen. Seine drei Kinder hat er auch zum Austausch nach Iowa geschickt. Allen habe es ebenfalls gut gefallen. Das Schulsystem sei doch etwas ganz anderes. Es lohne sich, dieses kennenzulernen, findet der 65-Jährige.

Das Projekt „The American Gothic House“ hat er in den letzten Wochen auch genutzt, um frühere Schulfreunde zu treffen. In Zusammenarbeit mit einer Schulkameradin ist ein Buch zum Projekt in Arbeit. Seine ersten Erinnerungen an das „American Gothic House“ reichen in den Sommer 1968 zurück. Marx kann sich gut an eine Fete in dem alten Haus in diesem „Summer of Love“ erinnern. Dieses war damals zwar möbliert, aber verlassen. „Ich habe immer noch das Bild einer Müslipackung vor Augen, die wohl von den früheren Bewohnern auf dem Tisch stehen gelassen worden war“, sagt er.

Das Haus nun nach all den Jahren für das Projekt bewohnen zu dürfen, sei ihm eine große Freude gewesen und habe ihm eine kreative Arbeit ermöglicht. Einen besonderen Fokus zu wählen, ist ihm nicht nur über sein Hobby der Fotografie vertraut, sondern auch durch seine Tätigkeit als EU-Berater in Algerien. Obwohl er viel in der Welt unterwegs ist – das nächste große Wiedersehen in Iowa ist bereits geplant. 50 Jahre Schulabschluss in Eldon stehen in drei Jahren an.

„Darauf freue ich mich schon sehr. Bis auf ein paar Schulkameraden, die im Vietnamkrieg gefallen sind ,und andere leider früh Verstorbene, werden dort wohl viele zusammenkommen.“

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