Witten

Zu viele Menschen mit Demenz ziehen sich zurück

Susanne Schild
Wir werden älter - und damit steigt auch die Zahl der Demenz-Patienten.
Wir werden älter - und damit steigt auch die Zahl der Demenz-Patienten.
Foto: WAZ FotoPool
Ein Infotag auf dem Rathausplatz zeigt Angebote für Erkrankte auf

Witten.  . „Die Diagnose Demenz heißt nicht, dass man nun ins Pflegeheim muss“, sagt Wolfgang Wessels vom Demenz-Servicezentrum Ruhr und zeichnet seine Vision: Man kann trotz der Erkrankung zu Hause wohnen bleiben. Eine gute Lebensqualität ist weiterhin möglich, unterstützt von diversen Hilfsangeboten, die es bereits gibt - die aber häufig nicht angenommen werden. Diverse Akteure wollen jetzt handeln und präsentieren sich am Mittwoch, 26. September, auf dem Rathausplatz.

Ein Blick in unsere Zukunft: Jeder Dritte der heute mittelalten Wittener wird künftig dement sein. Denn unsere Gesellschaft wird immer älter und somit wird auch dieses Altersphänomen zunehmen. Mit der Diagnose beginnt aber auch oft der soziale Rückzug, viele schämen sich. Bevor man verwirrt im Supermarkt steht, bleibt man lieber zu Hause.

Viele schämen sich

Dabei gibt es beim tus Bommern aber Angebote wie dieses: Die NRW-weit erste Demenzsportgruppe, in der Petra Möller und Dagmar Möllers neben dem Körper auch das Gedächtnis (und beim Kuchenessen die Kaumuskeln) trainieren. „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Bewegung Demenz aufhalten kann“, sagt die Altenpflegerin Petra Möller. Vier Personen nehmen an dem Angebot, das die Pflegekasse bezahlt, zurzeit teil „und keiner geht dort nicht fröhlich weg“.

Oder das „Café Vergissmeinnicht“: Jeden zweiten Mittwoch im Monat können Erkrankte und ihre Angehörigen dorthin kommen - zum Tanzen oder Singen. „Musik ist ein Königsweg“, sagt Veranstalterin Ursula Beyling von der Einrichtung „Mobile - Entlastungsangebote für pflegende Angehörige“.

„Es gibt in Witten ganz, ganz viele Bemühungen“, sagt Anke Steuer von der Selbsthilfe-Kontaktstelle an der Dortmunder Straße. Eben diese will das „Netzwerk Demenz“ vorstellen - vor allem jenen, die in Hinblick auf Demenz lieber Augen und Ohren verschlossen halten. Erkennbar ist der Infostand am drei großen roten Schirmen, denn diesen Nebeneffekt wünschen sich die Veranstalter: Dass auch Nachbarn, Passanten eben alle, mehr auf Demenzkranke in ihrem Umfeld achten und einen helfenden Schirm über sie breiten.