Zarte Töne im rauen Stimmen-Meer

Gut aufgenommen: Petra Tusche, Ulla Thiemt und Anneliese Rakowske (v.l.) fühlen sich bei der Probe wohl im Kreise der (See-)Männer, hier bei einer Probe im WTV-Vereinsheim..
Gut aufgenommen: Petra Tusche, Ulla Thiemt und Anneliese Rakowske (v.l.) fühlen sich bei der Probe wohl im Kreise der (See-)Männer, hier bei einer Probe im WTV-Vereinsheim..
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Der Shanty-Chor Witten nimmt jetzt auch Frauen auf. Sie bringen neue Nuancen ins Repertoire der flotten Seemannslieder.

Witten..  Zugegeben: Auf dem Schiff hätten die allermeisten schon lange abgeheuert, aber hier im Vereinsheim am Sonnenschein, da stehen diese Seeleute noch immer ihren Mann: Wenn sie „Wir lieben die Stürme“ schmettern, dann weht kein leises Lüftchen, dann fegt ein richtiger Stimmen-Orkan durch den Raum – laut, dunkel und gewaltig. Doch ab und zu mischt sich ein zartes Säuseln in den kräftigen Sound: Denn der Shanty-Chor Witten nimmt neuerdings Frauen auf.

Seit 34 Jahren sind die Männer nun schon in der Stadt unterwegs, singen von der See, von spritzender Gischt und gesetzten Segeln. Meeres-Romantik im Ruhrpott? „Shantys transportieren ein Gefühl“, erklärt Chorleiter Udo Barthold die Faszination der Seemannslieder. „Die Sehnsucht nach der Ferne, nach dem weiten Horizont.“ Die habe man hier genauso wie an der Küste im Herzen: „Außerdem: Witten hat die Ruhr, die fließt in den Rhein und der ins Meer – also liegen wir eigentlich an der Nordsee.“

Immer einen flotten Spruch

Immer einen flotten Spruch auf den Lippen: So geht es zu beim Shanty Chor. Bierernst haben die Männer die Sache auch in den Anfängen nicht genommen, damals als die Schrebergärtner vom Sonnenschein ihren ersten Auftritt in Annen hatten – und so viel unerwarteten Erfolg, dass sie beschlossen, weiterzusingen. Als Shanty-Chor. „Wir konnten doch nicht singen, da dachten wir, für einen Seemanns-Chor reichen raue Stimmen.“

Das Singen haben sie längst gelernt. Und auch sonst geht es im Chor stets professionell zu: Fünf (Band-)Musiker begleiten die Sänger mit Akkordeons, Bass, Gitarre und Schlagzeug. Stolze 30 Auftritte legen die 33 Mitglieder – das älteste ist gerade 80 geworden – pro Jahr hin, in Altenheimen und bei Stiftungen, auf Festen und Märkten. „Deswegen ist es gut, dass die meisten nicht mehr arbeiten müssen, sonst ginge das ja gar nicht“, sagt Barthold, der die Truppe vor drei Jahren übernommen hat.

Neuer Leiter brachte frischen Wind

Frischen Wind hat der 64-Jährige mit dem fröhlichen Schalk im Nacken nicht nur ins Liedgut, sondern auch in den Chor gebracht. Die bekannten alten Melodien wurden flotter, moderner. „Langsam können wir noch, wenn wir tot sind.“ Ja – und dann kam die Sache mit den Frauen: „Wir haben im Vorstand drüber gesprochen und beschlossen es zu versuchen.“

Petra Tusche war die erste, die kurz nach Weihnachten dazu stieß. „Ich hatte den Chor auf dem Weihnachtsmarkt gehört und war hin und weg“, schwärmt die erfahrene Kirchenchorsängerin. Freddy Quinn und Lale Andersen – das war die Musik ihrer Eltern. „Ich hab gleich mitgeschallert wie eine Heidelerche.“ Berührungsängste mit den gestandenen Kerlen hatte sie keine: „Ich bekam meinen Stuhl und war angekommen.“

Seither singt der Chor dreistimmig – mindestens: Zu den Bässen und Tenören gesellt sich der hohe Sopran der Frauen, die nun schon zu viert sind. Manche Lieder müssen umgeschrieben werden, manchmal bekommen die Damen einen Extra-Part. Barthold stapelt tief: „Es muss nicht schön sein, nur gut. Und es muss passen.“

Benefizkonzert zum Saisonabschluss

Zu seinem Jahresabschluss hat sich der Shanty-Chor in diesem Jahr etwas Besonderes einfallen lassen: Statt Fahrt oder Fest gibt es am Sonntag, 11. September, um 14 Uhr im Ardey-Hotel ein großes Benefizkonzert zum Ende der Open-Air-Saison. Dabei bringt der Chor noch einmal alle seine beliebten Lieder und die alten Melodien auf die Bühne – und sammelt gleichzeitig für den guten Zweck.

Der Erlös des Abends soll nämlich für die neue Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt gespendet werden. Wie es zu dieser ungewöhnlichen Idee gekommen ist? „Ganz einfach: Wenn wir auf dem Weihnachtsmarkt singen, dann soll der doch bitte auch schön beleuchtet sein“, sagt Chorleiter Udo Barthold und lächelt. Das sei ja nun in den letzten Jahren nicht immer so gewesen.

Tickets im Vorverkauf

Karten für das Konzert im Hotel an der Ardeystraße gibt es zum Preis von 9 Euro beim Ticketcenter des Stadtmarketings am Rathausplatz oder über die Internet-Seite der Eventplanerin Gaby Diedrichs (die-eventplanerin-witten.de).

Mehr Infos über den Chor, der übrigens alle 14 Tage donnerstags um 18 Uhr im WTV-Vereinsheim am Sonnenschein für seine zahlreichen Auftritte probt, finden Interessierte auf der Seite shanty-chor-witten.de

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