Wittens Müllwerker fahren 500 Einsätze für wilde Kippen

Eine von vielen: Auch an der Walfischstraße in Stockum,  nahe Hörder Straße, gab es schon eine wilde Kippe. Es wurde wohl ein Bad saniert und Fliesen, Kleber etc. auf einem Feld entsorgt. Foto:Walter Fischer / WAZ FotoPool
Eine von vielen: Auch an der Walfischstraße in Stockum, nahe Hörder Straße, gab es schon eine wilde Kippe. Es wurde wohl ein Bad saniert und Fliesen, Kleber etc. auf einem Feld entsorgt. Foto:Walter Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
  • Viele Revierstädte beklagen aktuell die Vermüllung ganzer Stadtteile
  • Solche Brennpunkt-Viertel gibt’s in Witten zwar nicht. Doch 500 Einsätze für wilde Kippen stadtweit.
  • Besonders dreiste Umweltsünder lenken ihren Wagen zur Müllentsorgung mitten in den Wald

Witten.  „Revier-Städte beklagen Vermüllung ganzer Stadtteile“ hieß gerade die alarmierende Schlagzeile im Hauptteil dieser Zeitung. Betroffen sind etwa Großstadt-Viertel wie Duisburg-Marxloh oder die Dortmunder Nordstadt.

„Einen solchen Brennpunkt-Stadtteil haben wir in Witten nicht. Aber unzählige Kaugummiflecken auf dem Pflaster, Graffiti-Schmierereien im gesamten Stadtgebiet und jede Menge wilde Kippen zeigen, dass die Menschen heutzutage weniger auf ihr Umfeld achten als früher“, bestätigt Thomas Bodang.

Der Vizechef des Betriebsamtes muss es wissen: Knapp 500 Einsätze ist seine Mannschaft innerhalb eines Jahres gefahren, um dreist in die Landschaft gepfefferte Fernsehgeräte, Farbeimer oder ganze Sofalandschaften aus den Rabatten zu pflücken. Fast 1500 Arbeitsstunden mussten dafür geopfert werden, satte 80 000 Euro an Fahrt- und Personalkosten sowie Entsorgungsgebühren fielen dafür an. Zwar sind solche Kosten bereits in die allgemeinen Müllgebühren eingewoben, „aber jeder Bürger zahlt hier für die schwarzen Schafe mit“, betont Bodang. Und wer weiß: Gäbe es derart asoziales Verhalten einiger weniger Leute nicht, könnten die gesamten jährlichen Wittener Müllgebühren von 9,5 Millionen Euro vielleicht sogar für alle Bürger ein wenig sinken. . .

Ab 150 Euro kostet die illegale Müllentsorgung, in ganz krassen Fällen kann die Strafe sogar vierstellig ausfallen. Allerdings müssen solche Umweltsünder auf frischer Tat ertappt werden, was im Verhältnis zur Unmenge an Wittener Fällen eine Seltenheit ist. Dafür ist die Dreistigkeit um so größer: „Unlängst hat jemand ein Sofa weit oberhalb des Wanderparkplatzes an der Herdecker Straße abgestellt. Er muss dafür sogar durch den Wald gefahren sein“, erzählt der Müllexperte. Dieses Risiko, erwischt zu werden, erscheint besonders unverständlich, weil jeder Bürger einmal im Jahr kostenfrei die Sperrmüllabfuhr bestellen kann. Außerdem sind ausgediente Elektrogeräte oder Farben und Lacke umsonst auf der Müllumladestation Bebbelsdorf abzugeben.

Die Standorte wilder Kippen sind aber nicht immer dieselben, auch wenn entlegene Parkplätze, wie etwa am Kohlensiepen/Hohenstein oder an den Sieben Kurven im Rauendahl, häufiger Konjunktur haben. Aktuell wird aber die Siemensstraße und das Ledderken häufiger heimgesucht. „Da müssen wir derzeit fast täglich Müll abholen“, so der Betriebsamtsvize.

Übrigens ist es ebenfalls ordnungswidrig, Papier oder Glas neben Containern abzuladen, auch wenn diese voll sind. Bodang: „Dann bitte zum nächsten Standort fahren. Wir haben 185 Stellen für Glas- und Papiercontainer im gesamten Stadtgebiet. Da müsste jeder einen um die Ecke haben.“

 
 

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