Wittenerin geschockt über Missbrauch ihrer Pferde

Annette Kreikenbohm
Marion Klocke mit Stute „Dinards Dream“ (r.) und Wallach „Samson“ im Stall in Hagen.
Marion Klocke mit Stute „Dinards Dream“ (r.) und Wallach „Samson“ im Stall in Hagen.
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Mindestens eines ihrer Pferde sei von einem Mann missbraucht worden. Das belegen Fotos, die die Wittenerin Marion Klocke mit einer Überwachungskamera am Stall in Hagen filmte. Doch es sei nicht auszuschließen, „dass der Mann auch an anderen Stuten dran war“. Denn die Tiere verhalten sich auffällig.

Witten.  Die weitläufigen Wiesen leuchten saftig grün im Sonnenschein. Ringsherum nur Büsche und Bäume. Ein Traum für jedes Pferd. Doch die Idylle an der Stadtgrenze Hagen/Volmarstein hat einen tiefen Riss bekommen, seit die Wittener Besitzerin der acht dort lebenden Tiere mittels der Fotos einer Überwachungskamera entdeckte, dass ein Mann sich an mindestens einer Stute vergangen hat (wir berichteten).

Der Schock sitzt noch immer tief bei Marion Klocke. „Sowas habe ich mir im Leben nicht vorstellen können“, sagt die 55-Jährige, die täglich bei ihren Pferden ist. Auch in ihrer Umgebung herrsche pures Entsetzen. Eine Bekannte kommt gerade vorbei, umarmt sie mit Tränen in den Augen. „Wer macht sowas bloß?“ Der Mann, der auf den Fotos eindeutig zu erkennen wäre, wenn man wüsste, wer er ist, habe sich am Freitag zwischen 4.41 und 5.38 auf dem Gelände bewegt. Eindeutige Handgriffe belegen Marion Klockes Vermutung. Weil die Tiere sich in den letzten Tagen anders verhielten, hatte sie eine Wildkamera, wie sie Jäger im Wald verwenden, angebracht. Pferdediebe oder einen Pferderipper habe sie vermutet, aber dass jemand ihr Pferd missbraucht: „Bei dem Anblick ist mir fast das Herz stehen geblieben“.

Die 20-jährige Stute „Dinards Dream“, die auf jenem Foto mit dem Täter zu sehen ist, ist gerade im Stall. Dort in der Nähe sei es passiert. „Sie ist noch nicht wieder die Alte“, sagt die Wittenerin. „Sonst war sie sehr verschmust, jetzt ist sie eher zurückhaltend, verkriecht sich häufiger und galoppiert noch nicht auf die Weide.“ Ein Tierarzt hatte sie untersucht, aber nichts Konkretes feststellen können. Auch eines der beiden kleinen Shetlandponys sei jetzt ständig in der Hütte, als suche es Schutz. Dass die wenigen Nachbarn auf der anderen Straßenseite in jener Nacht nichts hörten, wundert Klocke nicht: „Pferde leiden still.“

Die freiberufliche Reitlehrerin hat ihre Tiere, die lange im Wittener Reitstall Kirchhoff standen, seit zweieinhalb Jahren hier untergebracht. Das Gelände ist sehr offen. Zwar steht der Zaun unter Strom, doch wie leicht kann ein Mensch zwischendurch klettern. „Aber wir werden aufrüsten“, sagt Marion Klocke, und weitere Kameras anbringen. Bis letzte Nacht ging die Polizei, die wegen Hausfriedensbruch ermittelt, auf Patrouille, „die haben sich echt ins Zeug gelegt“. Aber sie haben ihr auch deutlich gemacht, bloß keine Alleingänge zu unternehmen.

Denn die Wittenerin geht mit Handy ins Bett und empfängt dort die Bilder der am Stall installierten Kamera, sobald sich etwas bewegt. Am Wochenende übernachten sie zu dritt an der Weide. Und Marion Klocke hat Kontakt zu einem Detektiv aufgenommen. Die Fahndungsfotos auf Facebook, die innerhalb von 24 Stunden über 40 000 Klicks erhielten, hat sie aus dem Netz genommen. „Ich will keine Hetzjagden veranstalten.“ Und auch wenn sie als gelernte Rechtsanwaltsgehilfin wisse, dass dem Täter nur eine minimale Strafe droht, er sogar mit einem blauen Auge davon käme , wenn er nicht vorbestraft ist: „Wenn wir eine Spur hätten, würde mich das glücklich machen“.